Frauen in MINT Berufen und Studiengängen

Es studieren und arbeiten weniger Frauen als Männer in MINT-Berufen. Warum es im wahrsten Sinn des Wortes lebenswichtig ist, dass mehr Frauen MINT-Berufe ergreifen und weshalb sich eine Karriere in der MINT-Branche für Frauen lohnt, erfahrt ihr hier.  

Es stimmt leider: Viel weniger Frauen studieren MINT-Fächer und arbeiten später in MINT-Berufen als Männer. Zwar wurden in den vergangenen Jahren durchaus Fortschritte gemacht, doch trotz aller Kampagnen und Emanzipation ist der Frauenanteil in MINT noch immer niedrig. Sagen wir es direkt: zu niedrig!

Wofür steht MINT? 

Die Abkürzung MINT steht als zusammenfassende Bezeichnung für die Unterrichts- und Studienfächer sowie die Berufe aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz MINT.

Wie viele Frauen studieren MINT?

Im Wintersemester 2019/2020 waren 344.474 weibliche Studierende in einem MINT-Fach eingeschrieben. Das statistische Bundesamt zählt dazu: Mathematik, Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften. Im Vergleich sind männliche Studierende mit 752.299 eindeutig in der Überzahl. 

Die Statistik zu den weiblichen MINT-Studentinnen zeigt schon eine Steigerung in den vergangenen zehn Jahren, aber genau wie bei den Studienanfängerinnen im ersten Hochschulsemester stagniert die Zahl seit ein paar Jahren. Die weibliche MINT-Revolution verspätet sich etwas. 

Wie hoch ist der Anteil an Frauen in MINT-Studienfächern?

Wie langsam diese Fortschritte tatsächlich sind, zeigt das Datentool der Kampagne „Komm, mach MINT“: 1975 betrug der prozentuale Anteil weiblicher MINTies 19,4 Prozent, 2019 waren es 31,4 Prozent. Klar, da hat eine Entwicklung stattgefunden, aber der prozentuale Anteil hat sich in fast 45 Jahren nicht mal verdoppelt. Wie würden Naturwissenschaftler:innen das wohl nennen? Vermutlich nicht „Lichtgeschwindigkeit“. 

Wie viele Frauen arbeiten in MINT-Berufen? 

Aber es gibt sie, die Informatikerinnen, Mathematikerinnen, Biologinnen und weitere MINTinnen. Das Institut der deutschen Wirtschaft stellt im MINT-Herbstreport 2020 fest, dass mittlerweile mehr als eine Millionen Frauen in MINT-Berufen (Stand: März 2020) tätig sind. Immerhin ein Anteil von 15,3 Prozent. 

Vielleicht sind das die ersten Früchte der zahlreichen MINT-Kampagnen, die sich gezielt an Frauen und Mädchen richten.  

Welche MINT-Kampagnen gibt es? 

Schon vor ein paar Jahren wurden kleine und große Kampagnen ins Leben gerufen, um den Nachwuchs im MINT-Bereich zu fördern und damit dem Fachkräftemangel zu begegnen. Dazu gehören auch Kampagnen, die gezielt auf Mädchen oder Frauen ausgerichtet sind. Denn wie die Zahlen zeigen, sind weibliche MINTies noch immer in der Unterzahl und das wird zum Problem, nicht nur beim immer größer werdenden  Fachkräftemangel, sondern auch bei der inhaltlichen Ausrichtung der Forschung. 

Kampagnen wie diese wollen das Image der MINT-Fächer verbessern und Netzwerksynergien erzeugen, von denen zum Beispiel besonders Mädchen und Frauen profitieren können: 

Warum gibt es so wenige Frauen in MINT-Berufen?

Wer an Naturwissenschaftler denkt, hat oft das Bild eines klassischen Nerds im Kopf. Hochintelligente, aber im sozialen Verhalten etwas benachteiligte Fachidioten wie die Klischee-Charaktere aus den beliebten Serien „Big Bang Theory“ oder „Breaking Bad“. 

Dieses Nerd-Image hält sich hartnäckig, bedauern Fachleute. Viele MINT-Berufe gelten auch heute noch für Schüler:innen, Lehrer:innen und Eltern als typisch männlich. Sich in einem von Männern dominierten Arbeitsumfeld zu behaupten, ist nicht für jede etwas.

Vorurteile im Bildungsbereich machen es Mädchen (und Jungen) schwer

Mädchen hätten keine Ahnung von Technik oder würden sich nicht schmutzig machen wollen, ist ein weiteres Vorurteil. Wenn es oft genug wiederholt wird, verfestigt sich dieses Bild bei Kindern, bei den Mädchen. Geschlechterstereotype erweisen sich im Bildungsbereich als eine Art „Self-fulfilling Prophecy“. 

Von Mädchen wird oft angenommen, dass sie besser oder mehr lesen als Jungen. Im Schulunterricht wird ihnen das genauso gespiegelt. Das kann dazu führen, dass die Leseleistung von Jungen schwächer ausfällt, weil die Aufmerksamkeit der Lehrkraft, der Bildungseinrichtung oder auch der Eltern bezüglich des Lesens eher auf den Mädchen liegt. 

Bei den Mädchen findet das wiederum eher bei naturwissenschaftlichen Fächern statt. Frauen schätzen zum Beispiel ihre schulischen Leistungen in Mathematik häufiger als Männer als unterdurchschnittlich ein. Männer wiederum schätzen ihre eigene Leistung häufiger als überdurchschnittlich ein. 

Es fehlt an weiblichen Vorbildern im MINT-Bereich

Laut einer Microsoft-Studie, die der SPIEGEL zitiert, interessieren sich 22 Prozent der befragten jungen Frauen für ein MINT-Studium, wenn sie keine Vorbilder haben. Haben sie welche, sind es 44 Prozent. Es muss ja nicht immer nur Marie Curie sein, auch heute gibt es interessante Forscherinnen, Informatikerinnen, Erfinderinnen … 

2018 hat nach 55 Jahren mal wieder eine Frau (zusammen mit zwei Männern) einen Physik-Nobelpreis gewonnen: Donna Strickland

Es ist also wichtig, dass es die oben genannten Initiativen gibt, die schon im Schulalter ansetzen. Wenn Mädchen früh lernen, dass sie sich genauso für Technik, Chemie oder Computer interessieren dürfen wie Jungen, kann das ihre ganze berufliche Zukunft beeinflussen. Und davon profitieren wir alle. 

Warum brauchen wir mehr Frauen in MINT?

Es ist – wortwörtlich – lebenswichtig für Frauen, dass sie in allen Lebensbereichen berücksichtigt werden. Wenn bei technischen Entwicklungen nicht an Frauen gedacht wird, passiert zum Beispiel Folgendes: 

Sicherheitstests für Autos werden (meistens) mit Crashtest-Dummys durchgeführt, die dem Mittelmaß der europäischen Männer entsprechen: 1,75 m groß, 78 kg schwer. Auf diesen Körper werden seit Jahren Sitze, Gurte, Airbags, die gesamte Ergonomie eines Autos abgestimmt. 

Alle, die kleiner und leichter sind – auch kleinere Männer natürlich – erleben Unfälle ganz anders als der Standard-Typ. Kleine Autofahrer:innen, vor allem weibliche, haben bei Unfällen ein deutlich höheres und schwereres Verletzungsrisiko als Männer, zeigt die Unfallforschung.

Genderaspekte spielen auch in der Medizinforschung eine Rolle: Medikamente können bei Frauen anders wirken oder bräuchten eine andere Dosierung – sie werden aber überwiegend an Männern getestet. 

Solche Benachteiligungen können nur aufhören, wenn Frauen in allen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Bereichen berücksichtigt werden. Und das werden sie erst, wenn sie sich selbst repräsentieren, wenn sie präsent sind, ihre Meinungen einbringen, ihre Kreativität, ihr Wissen. Es profitieren letztendlich alle davon, wenn mehr Frauen MINT-Berufe ergreifen.

Fachkräftemangel in MINT

MINT-Berufe sind Berufe mit Zukunft. In Deutschland haben viele international erfolgreiche, technische, wissenschaftliche Unternehmen ihren Sitz. Made in Germany – das ist auf der ganzen Welt eine anerkannte Marke. 

Seit Jahren ist die gesamte Branche händeringend auf der Suche nach Fachkräften, um weiterhin auf internationalem Niveau mithalten zu können. Der Fachkräftemangel ist das am häufigsten genannte Innovationshemmnis, sagen deutsche Unternehmer:innen. 

Allein durch das Ausscheiden älterer MINT-Akademiker:innen aus dem aktiven Berufsleben werden in den kommenden Jahren jährlich mehrere Zehntausend neue MINT-Akademiker:innen benötigt. Und das nur, um die Lücken zu füllen, die durch die MINT-Rentner:innen entstehen. 

Wenn wir davon ausgehen, dass Unternehmen auch den Fachkräftemangel dringend decken müssen, um weiterhin innovativ, wirtschaftlich stark und fortschrittlich sein zu können, steigen diese Zahlen in die Hunderttausende! 

Karrieremachen in MINT

Viele Arbeitgeber:innen bieten attraktive Konditionen, um den Fachkräftemangel zu beheben. Das lohnt sich für zukünftige Arbeitnehmern:innen. Die gute Nachricht hierbei für alle MINT-Absolvent:innen – ihr werdet gebraucht! Das verschafft einem eine gute Ausgangsposition für Bewerbungsgespräche und Gehaltsverhandlungen. 

Denn auch finanziell ist der MINT-Sektor interessant für Frauen. Da viele Branchen unter MINT zusammengefasst werden, lässt sich natürlich nur ein grober Richtwert für Einstiegsgehälter geben. Als grobe Einschätzung kann man sagen, sie liegen zwischen 40.000 € und 55.000 €.

Jobs im MINT-Bereich für Frauen 

Grundsätzlich gibt es keine MINT-Berufe, die Frauen nicht ergreifen könnten. Abgesehen von den üblichen Stellenseiten im Internet, bieten Karrieremessen tolle Kontaktmöglichkeiten. Hier erhält man die Gelegenheit, einen potenziellen Arbeitgeber vorab kennenzulernen und sich zu informieren. Neben Unternehmen sind dort häufig auch Arbeitgeber aus Forschung und öffentlicher Hand zu finden. So kann man sich einfach und effizient über die gesamte Bandbreite der angebotenen Jobmöglichkeiten informieren und mit Recruiter:innen ins Gespräch kommen. Vielleicht stellt die eine oder andere auch fest, welche Karrierelaufbahn sie eigentlich einschlagen möchte. Nur, wer das Angebot kennt, kann auswählen und entscheiden. 

Wo finde ich Karrieremessen für den MINT-Bereich?

Absolvent:innen finden hier unsere Liste für die Karrieremessen im Bereich MINT. Auch MINT-Talente, die noch studieren, aber erste berufliche Praxisluft schnuppern wollen, werden hier fündig.

Wo finde ich Jobs im MINT-Bereich?

Auf myjobportal, der Jobbörse der IQB finden Fach- und Führungskräfte interessante Jobs – auch für MINT-Berufe. 

Letztendlich bietet MINT zahlreiche spannende berufliche Herausforderungen. Es wird stetig geforscht, entwickelt und erfunden und ihr könnt Teil der Innovationen sein! Auch karrieretechnisch ist MINT eine gute Berufswahl – nicht nur, aber auch für Frauen – denn aufgrund des Fachkräftemangels gibt es viele Vakanzen für interessante Jobs und man kann bei Bewerbungsgesprächen seine Karten gut ausspielen. Am besten gleich mal schauen und den Traumjob angeln!

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