Diversity in deutschen Unternehmen — Die Statistik zeigt, es gibt Nachholbedarf

Diversität – was ist das eigentlich und wo liegen ihre Vorteile? 

Diversität bedeutet Vielfalt. Wird sie in einem Unternehmen gefördert, bedeutet das, dass der Arbeitgeber versucht, unabhängig von Faktoren wie Herkunft, Alter, körperlicher Beeinträchtigungen, sexueller Orientierung oder Geschlechterrollen eine Chancengleichheit unter seinen Mitarbeiter:innen zu schaffen. Das Credo: Niemand sollte aufgrund solcher Faktoren benachteiligt werden. Das Ziel: Gerechtigkeit, aber auch Wachstum dadurch, dass die verschiedenen Persönlichkeiten eines solchen Teams voneinander lernen und einander ergänzen können.

Diversity-Themen in deutschen Unternehmen: Was klappt, was muss besser werden

In vielen Unternehmen ist diese Art der Diversität aber noch immer Zukunftsmusik oder zumindest ausbaufähig. Schon in unserem Schnell-Überblick wird deutlich, dass eines der großen Probleme in Sachen Diversity zum Beispiel die Einbindung von Mitarbeiter:innen mit Behinderung in den Betrieben ist. In einer aktuellen PageGroup Umfrage gaben nur 47 Prozent der Befragten an, dass in ihren Betrieben auch Mitarbeiter:innen mit Behinderung integriert werden (1).

Nur wenig besser sieht es aus, wenn die Frage nach einem offenen Umgang mit LGBTQ-Themen zur Sprache kommt: Knapp über die Hälfte schätzten deutsche Unternehmen dahingehend als aufgeschlossen ein.

Deutlich besser kommen in der Umfrage die Themen Geschlechterverhältnis und kulturelle Vielfalt im Unternehmen weg. 78 Prozent der Befragten gaben an, dass das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in ihrer Firma ausgeglichen sei. Ganze 90 Prozent betonten, dass es bei ihnen im Betrieb Mitarbeiter mit vielfältigen kulturellen Hintergründen gebe.

Menschen mit Behinderung: Hier muss mehr passieren

Noch nicht einmal fünf Prozent aller Schwerbehinderten in Deutschland sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt (2). Diese Zahl macht sehr deutlich, wie viel in Sachen Inklusion, aber auch im umfassenden Verständnis von den Vorteilen der Diversity in unseren Unternehmen noch geschehen muss. Fast 155.000 schwerbehinderte Menschen in Deutschland sind arbeitslos – 41,6 Prozent von ihnen sind langfristig ohne Arbeit.

Um diesen Menschen eine Perspektive zu geben und sie besser in unsere Arbeitswelt einzubinden, muss vor allem auf Arbeitgeberseite ein Umdenken stattfinden. 2/3 von ihnen besetzen mindestens einen Pflichtarbeitsplatz mit Menschen mit Behinderung. Zur Erklärung: Arbeitgeber, die mindestens 20 Arbeitsplätze anbieten, müssen wenigstens 5 Prozent dieser Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzen. Ist diese vorgeschriebene Zahl nicht erreicht, muss eine Ausgleichsabgabe gezahlt werden. Das ist in der Arbeitswelt immer noch gängige Praxis, denn nur 40 Prozent der Firmen besetzen wirklich alle ihnen zugeschriebenen Pflichtarbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung.

In der Umfrage wird deutlich, dass diese Problematik zumindest in Arbeitnehmerkreisen auch sehr präsent ist: Rund 50 Prozent der Befragten sagten, dass es in den deutschen Unternehmen Nachholbedarf in Sachen Integration und Inklusion von Menschen mit Behinderung gibt.

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Grafik: Wie divers sind deutsche Unternehmen? Multikulti, LGBTQ, Geschlechterverhältnis, Behinderungen
Grafik: Wie divers sind deutsche Unternehmen? Multikulti, LGBTQ, Geschlechterverhältnis, Behinderungen

Nachholbedarf in Sachen Diversity: Alter, Frauen in Führungspositionen, Karrierechancen

Den größten Spielraum nach oben gibt es aber in Sachen Förderung von älteren Arbeitnehmern. Die Hälfte aller Befragten sprach davon, dass sich in den deutschen Unternehmen dahingehend noch viel tun muss. Ältere Menschen haben demnach weniger die Chance, sich innerhalb des Unternehmens zu entwickeln oder sind schlichtweg unterrepräsentiert.

Generell müsse die Chancengleichheit bei Beförderungen ausgebaut werden, finden über 50 Prozent aller Umfrageteilnehmer:innen. Vielen wünschen sich außerdem deutlich mehr Frauen in Führungspositionen. Auch flexible Arbeitszeitmodelle und familienfreundliches Arbeiten wurden in dem Zusammenhang genannt – über 40 Prozent der Befragten sehen hier Ausbaumöglichkeiten.

Welche Bedeutung hat Sprache für die Diversität eines Unternehmens?

Ein ganz wesentlicher Punkt für gute Zusammenarbeit in einem Unternehmen ist die Kommunikation: Man muss sich verständlich machen können, das Gegenüber verstehen, sich aber auch auf Augenhöhe begegnen, um erfolgreich miteinander zu kommunizieren.

Ein Faktor, der in unserem Miteinander immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist zum Beispiel die gendergerechte Sprache: Und da liegt in vielen Unternehmen ein Defizit. Die F.A.Z. hat 2021 in einer Umfrage Dax-Unternehmen in Deutschland dazu befragt, ob sie gendergerechte Sprache eingeführt haben oder nicht (3). Zehn von ihnen hatten das Gendern zu diesem Zeitpunkt bereits eingeführt, sechs planten es. Zwölf Unternehmen verweigerten allerdings die Antwort zu diesem Thema, zwei sagten aus, sie hätten sich dagegen entschieden, geschlechtergerechte Sprache einzuführen. Damit ist das Bewusstsein für dieses Thema zwar im Kommen, wird von zu vielen allerdings immer noch stiefmütterlich angefasst oder ignoriert.

Ausländer:innen im Unternehmen: Stark unterrepräsentiert

Spannend und zweischneidig ist in der Statista-Umfrage das Thema Vielfalt in Sachen kulturellen Hintergründen und Ethnien: Während – wir blicken nochmal zurück zum Anfang – 90 Prozent aller Befragten davon sprachen, dass in den deutschen Unternehmen sichtbar Mitarbeiter verschiedenster Nationen und Kulturkreise arbeiten, sieht die Realität im Gesamtverhältnis gar nicht so positiv aus.

26,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland hat einen Migrationshintergrund – und nur vier von insgesamt 38 untersuchten Berufssparten bilden diese Quote auch in der Arbeitswelt ab. Das zeigen aktuelle Analysen der Bundesagentur für Arbeit. Zu rund einem Drittel repräsentiert sind Ausländer demnach in Reinigungsberufen, der Lebensmittelbranche, Land-, Tier- und Forstwirtschaftsberufen sowie im Hoch- und Tiefbau. Kaum repräsentiert sind Menschen mit Migrationshintergrund dagegen in Berufen in Recht und Verwaltung (2,8 Prozent), Berufen in Finanzdienstleistungen (4,3 Prozent) oder Berufen der Unternehmensführung (5,9 Prozent). In fast 70 Prozent aller Berufe liegt die Ausländerquote der ganzen Branche unter 15 Prozent.

Welche Rolle spielt Rassismus in deutschen Unternehmen?

Um das Problem fehlender Diversity in den Unternehmen zu bekämpfen, ist es deswegen unmöglich, das Thema Rassismus auszublenden. Oft findet er noch nicht einmal böswillig statt, ist jedoch in den Köpfen so tief verankert und angelernt, dass er eine zentrale Rolle in der Arbeitswelt einnimmt.

Immerhin: Auch dieses Bewusstsein ist vorhanden. In einer Umfrage des Marktforschungsinstitutes YouGov wird deutlich, dass die meisten den Rassismus in unserem Alltag erkennen. Jedoch wird die Problematik des Ganzen sehr unterschiedlich eingeschätzt.

Während sich für den Bereich Social Media immerhin 62 Prozent der Befragten einig waren, dass Rassismus in den sozialen Netzwerken sowohl vorkommt als auch ein Problem darstellt, sieht das im Bereich der Jobsuche anders aus. Hier sprechen 52 Prozent der Befragten davon, dass Rassismus bei der Suche nach einem Arbeitsplatz vorkommt und ein großes bis sehr großes Problem ist. Immerhin 27 Prozent sagten aber auch, dass es ihn zwar gebe, er aber kein Problem darstelle. Sieben Prozent der Befragten sagten sogar, das Thema Rassismus finde bei der Jobsuche in Deutschland fast gar nicht statt (4).

Fazit: Diversity in deutschen Unternehmen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich das Bewusstsein für Diversität in deutschen Unternehmen in den letzten Jahren verbessert hat, es aber noch viel Luft nach oben gibt. Wie nehmt ihr das Thema war? Welche Erfahrungen habt ihr mit Inklusion und Chancengleichheit im beruflichen Umfeld gemacht, die ihr gerne mit anderen teilen würdet? Euren Themenvorschlag fürs Karrieremagazin schickt uns gerne >> hier.

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