Erfahrungsbericht: Als Werkstudentin in einem IT-Großunternehmen

Die Tätigkeit als Werkstudent:in bietet eine tolle Möglichkeit, sich frühzeitig ein Bild des späteren Berufsalltags zu machen und für potenzielle Arbeitgeber attraktiver zu werden. Unsere Autorin berichtet von ihren Erfahrungen mit den Prozessen und Arbeitsabläufen in einem großen IT-Unternehmen.

Als Werkstudentin in der IT-Branche

Direkt nach meinem Abitur im Sommer 2019 habe ich mich für ein Wirtschaftsinformatik-Studium an der Technischen Universität (TU) in Darmstadt entschieden. Ich finde der Studiengang bietet eine zukunftsfähige Mischung zwischen zwei Bereichen, in denen auch immer wieder massiv Arbeitskräfte gesucht werden. Zudem hat mich auch schon immer die Logik hinter den einzelnen Prozessen und Anwendungen interessiert. Für die TU habe ich mich letztlich aus zwei recht simplen Gründen entschieden: Erstens stellt die Uni zusammen mit der TU in München eine der renommiertesten Fakultäten in diesem Bereich und zweitens kann ich mir das Studentenleben in Darmstadt immerhin leisten – ganz im Gegensatz zu München.

Zum vierten Semester hin bin ich dann über ein Jobportal im Internet auf eine Stelle als Werkstudentin bei einem IT-Großunternehmen mit Sitz in Frankfurt gestoßen und habe mich kurzerhand darauf beworben – auch deshalb, weil in der Stellenbeschreibung stand, dass es nicht wichtig ist, dass man schon möglichst viel kann, sondern vielmehr die Bereitschaft mitbringt, etwas Neues zu lernen.

Tätigkeit als Werkstudentin: Erste praktische Erfahrung sammeln

Mir war von Anfang an wichtig, schon während des Studiums erste praktische Erfahrung zu sammeln, um beim späteren Jobeinstieg bereits etwas vorweisen zu können. Aus diesem Grund würde ich auch allen, die neben der Uni genügend Zeit dafür aufbringen können, eine Tätigkeit als Werkstudentin oder Werkstudent empfehlen.

Nachdem ich recht zügig eine positive Rückmeldung vom Unternehmen bekommen habe, habe ich Mitte April 2020 meine Stelle in der Abteilung Network Services angetreten. Diese ist dafür zuständig, für einen großen Kundenstamm aus dem Finanz- und Versicherungssektor verschiedene Netzwerke auszulegen, umzusetzen und dann im letzten Schritt auch zu sichern und zu betreuen.

IT-Großunternehmen: Familiäre Atmosphäre trotz großer Abteilungen

Letzteres fiel dann schließlich auch in meinen Aufgabenbereich. Das heißt, ich war beispielsweise dafür verantwortlich, manchmal auch im direkten Kundenkontakt, Lösungen für gewisse Probleme im Feld der IT-Sicherheit zu finden. Die Bandbreite reichte dabei von eher kleineren Anfragen, wie beispielsweise der Überprüfung einer Mail, die von der Firewall geblockt wurde, über die Rezertifizierung von Sicherheitszertifikaten, damit unsere Kunden auch weiterhin aus dem Homeoffice heraus geschützt auf hoch sensible Finanz- und Versicherungsdaten zugreifen und damit ihrer Arbeit nachgehen können.

Natürlich musste ich auch mal weniger interessante Aufgaben erledigen, die eben gerne an Werkstudent:innen abgegeben werden. Die Mischung war dabei aber immer ausgewogen und es wurde mir durchaus ein gewisses Maß an Verantwortung übertragen. Hinzu kommt, dass die interne Kommunikation dort fast ausschließlich auf Augenhöhe ablief – auch mit uns Studierenden (insgesamt waren wir zu sechst). Das hat trotz rund 60 Mitarbeitenden in der Abteilung für eine fast schon familiäre Atmosphäre gesorgt, was meiner Meinung nach bei einem Unternehmen dieser Größe nicht selbstverständlich ist.

Eigeninitiative gefragt: Als Werkstudent aktiv auf Vorgesetzte und Kolleg:innen zugehen

Da meine Kolleg:innen immer sehr beschäftigt waren, musste ich häufig aktiv auf sie zugehen und nach neuen Aufgaben fragen. Für mich war das kein Problem, aber schüchternen Personen könnte dieser Schritt schwerfallen. Bei der Suche nach offenen Stellen und auch der anschließenden Bewerbung sollte man bedenken, dass man als Werkstudent:in in einem Großunternehmen schnell mal untergeht – es sei denn, man weiß auf sich aufmerksam zu machen.

Arbeitsmaterial, wie beispielsweise einen Laptop, hat mir das Unternehmen gestellt und auch Homeoffice war möglich. Ich habe die meiste Zeit zweimal die Woche für jeweils 8 Stunden gearbeitet, wobei ich dank flexibler Arbeitszeiten recht früh Feierabend machen konnte und anschließend noch Zeit für andere Dinge hatte.

Empfehlung für Werkstudenten und Werkstudentinnen: Für die Zukunft gewappnet

Ich muss gestehen, dass mir die Tätigkeit im Unternehmen im Bezug auf mein Studium und die Themen, die wir in den Vorlesungen behandelt haben, nur bedingt weitergeholfen hat. Dafür waren meine Aufgaben aber auch einfach nicht studienbezogen genug. Mein Fazit fällt im Großen und Ganzen dennoch positiv aus, ich konnte dort wichtige erste Erfahrungen in einer Branche sammeln, in der ich später mal arbeiten möchte und hatte zudem die Möglichkeit, die Prozesse und Arbeitsabläufe in einem großen IT-Unternehmen aus erster Hand kennenzulernen.

Wer sich also nicht davor scheut, aktiv auf Leute zuzugehen und nach Arbeit zu fragen, kommt mit Sicherheit auch gut in einem Großunternehmen zurecht. Für mich steht fest, auch weiterhin neben meinem Studium als Werkstudentin zu arbeiten. Es ist eine tolle Möglichkeit, sich frühzeitig ein Bild des späteren Berufsalltags zu verschaffen und für potenzielle Arbeitgeber attraktiv zu machen. Daher kann ich diesen Weg nur empfehlen, verstehe aber auch, dass nicht jede:r die nötige Zeit dafür aufbringen kann oder mag – insbesondere, wenn Homeoffice und flexible Arbeitszeiten vom Arbeitgeber nicht vorgesehen sind.

Auch interessant: Wer schon nach kurzer Zeit möglichst viel Verantwortung übernehmen und freie Entscheidungen treffen möchte, hat vielleicht Lust, eine Tätigkeit bei einem Start-up zu übernehmen. >> Als Werkstudentin beim IT-Start-up Aonic

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