Deutschlandstipendium – Motivationsschreiben, Voraussetzungen & Bewerbung

Für Studierende in Deutschland gibt es die Möglichkeit der Förderung durch das Deutschlandstipendium. Was ist das und welche Bedingungen gelten?

Dieser Beitrag wurde im August 2022 veröffentlicht und zuletzt am 16.04.2023 aktualisiert.

Deutschlandstipendium 2024: Bewerbung, Voraussetzungen & Tipps für Studierende

Als Studierende hat man es finanziell meist nicht leicht: Man steht plötzlich vor der Herausforderung, neben dem Studium noch den eigenen Lebensunterhalt finanzieren zu müssen. Der finanzielle Druck ist hoch und Studierende, die nicht das Glück haben, von den Eltern unterstützt zu werden, halten sich meist mit den verschiedensten Jobs über Wasser.   

Um Studierenden zu ermöglichen, mehr Zeit und Konzentration auf das Studium zu richten, gibt es in Deutschland die Möglichkeit der Förderung durch das Deutschlandstipendium. Was ist das und welche Bedingungen gelten?

Um diesen finanziellen Druck zu mindern und Studierenden zu ermöglichen, mehr Zeit und Konzentration auf das Studium zu richten, gibt es die Möglichkeit der Förderung durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) und durch das zur Hälfte durch den Bund finanzierte Deutschlandstipendium. Doch was genau ist eigentlich das Deutschlandstipendium und wie kannst du es erhalten? Das schauen wir uns hier genauer an.

Fakten zum Deutschlandstipendium

Das Deutschlandstipendium gibt es seit 2011 – Im Jahr 2022 wurden 30.491 Studierende gefördert, davon waren 53,9% weiblich und 46,1 % männlich. 297 Hochschulen bundesweit beteiligen sich am Programm. Ziel des Stipendiums ist es „Junge Talente dabei zu unterstützen, ihr Potenzial optimal auszuschöpfen und sich tatkräftig in die Gesellschaft einzubringen.“ Die Bundesregierung will begabte und leistungsfähige Studierende unterstützen und herausragende Leistungen und gesellschaftliches Engagement honorieren.

Die Zahl der Deutschlandstipendien ist im Jahr 2022 um 5 % gestiegen. [BMBF 2023]

Das Deutschlandstipendium zur Hälfte vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Die andere Hälfte der Förderung übernehmen Unternehmen, Institutionen, Stiftungen und Vereine, aber auch private Förderer. Rund 289 Millionen Euro wurden von privaten Förderern seit 2011 aufgebracht. 2022 waren es 32 Millionen Euro.

Das Deutschlandstipendium ist im sogenannten Stipendienprogramm-Gesetz verankert. Hochschulen, die private Stipendienmittel einwerben, haben einen gesetzlichen Anspruch auf die Kofinanzierung durch den Bund. Seit August 2013 können Hochschulen bis zu 1,5 % ihrer Studierenden mit einem Deutschlandstipendium fördern.

Welche Voraussetzungen hat das Deutschlandstipendium?

Um das Stipendium zu erhalten, gilt es einige Voraussetzungen zu erfüllen. Ein bundesweit einheitliches Auswahlverfahren gibt es allerdings nicht. Ebenso gibt es keinen festgelegten Deutschlandstipendium-Notenschnitt. Mit einem Notendurchschnitt von 1,0 oder 1,1 stehen deine Chancen zwar sehr gut, allein ausschlaggebend ist der Notendurchschnitt jedoch nicht. Stattdessen legen die einzelnen Hochschulen das Auswahlverfahren individuell fest. Auch der Bewerbungsprozess kann sich von Hochschule zu Hochschule unterscheiden.

Wie bewerbe ich mich für das Deutschlandstipendium?

Die Bewerbung für das Deutschlandstipendium erfolgt im ersten Schritt über ein Online-Formular an deiner Hochschule. Im Anschluss an die Bewerbungsfrist treffen die Hochschulen bereits eine erste Vorauswahl. Wer diese besteht, wird aufgefordert ein Motivationsschreiben, einen Lebenslauf und Zeugnisse einzureichen. Je nach Hochschule variiert der weitere Bewerbungsprozess. So gibt es an einigen Hochschulen ein persönliches Auswahlgespräch, an anderen hingegen findet die Bewerbung rein schriftlich statt.

Dein Motivationsschreiben für das Deutschlandstipendium

Eines der wichtigsten Elemente der Bewerbung für das Deutschlandstipendium bildet das Motivationsschreiben. Viele Studierende stellen sich die Frage: Was soll ich schreiben, was nicht alle anderen Bewerber:innen auch schon geschrieben haben? Diese Tipps können dir helfen, dein Motivationsschreiben mit Leben zu füllen:  

  • Die Form: Finde heraus, wer dein/e Ansprechpartner:in ist und spreche sie formell und mit dem Namen an. Wenn vorhanden, vergiss die akademischen Grade nicht.
  • Stelle dich vor, wer bist du? Was studierst du?
  • Was ist deine Motivation für dein Studium? Gab es einen ausschlaggebenden Punkt, weshalb du dich für dein Studium entschieden hast? Prägende Momente, Menschen oder Ereignisse?
  • Wenn der/die Stifter:in konkrete Fragen hat, beantworte diese. Kannst du einen Bezug zum Stipendiengeber herstellen? Warum bewirbst du dich dort?
  • Warum entscheidest du dich für das Deutschlandstipendium? Was sind deine Beweggründe und welche Chancen erwartest du?
  • Was unterscheidet dich von deinen Mitbewerber:innen? Trägst du besondere Verantwortung oder engagierst du dich ehrenamtlich? Welche weiteren Qualifikationen bringst du mit? Welche Erfolge konntest du verzeichnen?
  • Warum solltest speziell du durch das Deutschlandstipendium gefördert werden? Was hast du über deine Noten hinaus zu bieten?
  • Welche beruflichen und akademischen Zukunftspläne verfolgst du und wie kann das Deutschlandstipendium dir dabei helfen? Hilft es dir deine ehrenamtlichen Tätigkeiten weiter auszuführen oder ein bestimmtes Ziel zu erreichen?
  • Der Abschluss: Höflich und formell

Wer entscheidet über die Vergabe des Deutschlandstipendiums?

Ob du das Deutschlandstipendium erhältst oder nicht, entscheidet die Auswahlkommission deiner Hochschule. Die Kommissionsmitglieder werden von der Hochschule ausgewählt. Auch private Förderer, die für das Deutschlandstipendium Geld zur Verfügung stellen, können in die Kommission berufen werden. Hochschulen haben die Möglichkeit, bis zu 1,5 Prozent ihrer Studierenden mit dem Deutschlandstudium zu unterstützen. Wer die Kommission überzeugt und es in den ausgewählten Kreis der Stipendiaten schafft, erhält eine monatliche Förderung von 300 Euro.

Wer erhält das Deutschlandstipendium?

Da das Deutschlandstipendium öffentlich ausgeschrieben wird, können sich alle Studierenden für das Deutschlandstipendium bewerben. Ziel des Stipendiums ist in erster Linie, besonders begabte und leistungsstarke Studierende zu unterstützen und einen Anreiz für Spitzenleistungen zu setzen.

Ein guter Notendurchschnitt, Auszeichnungen und Preise, aber auch gesellschaftliches Engagement fließen in die Auswahlentscheidung der Kommission mit ein. Ebenso berücksichtigt werden im Auswahlverfahren persönliche biografische Hürden sowie familiäre oder kulturelle Hintergründe. Der finanzielle Hintergrund der Stipendien-Bewerber:innen spielt allerdings keine Rolle.

Förderung durch das Deutschlandstipendium

Die Höhe des Stipendiums beträgt monatlich 300 Euro. Das Geld wird auch dann weiter ausbezahlt, wenn du ein Pflichtpraktikum absolvierst. Beinhaltet dein Studium einen fachrichtungsbezogenen Auslandsaufenthalt, so wird das Deutschlandstipendium auch im Auslandssemester weiter ausbezahlt. Dies ist auch dann möglich, wenn du im Rahmen des ERASMUS Programm im Ausland studierst. Für die Dauer von Praktika, die nicht in der Studienordnung enthalten sind, wird das Deutschlandstipendium nicht ausbezahlt.

Auf die Steuer wirkt sich das Deutschlandstipendium in der Regel nicht aus. Das Stipendienprogramm-Gesetz wurde so ausgestaltet, dass es sich bei der Förderung nicht um steuer- oder sozialabgabenpflichtiges Einkommen handelt. (Ausnahmen kann es bei privaten, staatlich anerkannten Hochschulen geben).

Das Deutschlandstipendium wird von den Hochschulen direkt an die Stipendiatinnen und Stipendiaten ausgezahlt. Die Förderdauer soll mindestens zwei Semester betragen.

Wie lange erhält man das Deutschlandstipendium?

Die Förderung endet spätestens, wenn deine Regelstudienzeit beendet ist. Grundsätzlich endet das Deutschlandstipendium mit dem erfolgreichen Studienabschluss und damit mit dem Bachelorabschluss. Darüber hinaus können Hochschulen weitere Auswahlverfahren ausschreiben. Dadurch ist es möglich, im Anschluss an den Bachelorstudiengang die Deutschlandstipendium Master Förderung zu erhalten.

Wird die Hochschule oder aber das Studienfach gewechselt, endet damit die Förderung. Gehörst du zu den 1,5 Prozent deiner Hochschule, die durch das Stipendium gefördert werden, gilt es mindestens einmal im Jahr einen Leistungsnachweis einzureichen. Geschieht dies nicht, kann es dazu führen, dass die Förderung vorzeitig beendet wird.

Was ist der Unterschied zwischen Deutschlandstipendium und BAföG?

Deutschlandstipendium und BAföG sind zwei unterschiedlich Formen der Förderung und können gleichzeitig vergeben werden. Während BAföG auf die Mehrheit der Studierenden in Deutschland ausgelegt ist, richtet sich das Deutschlandstipendium ausschließlich an gezielt ausgewählte Studierende.

Der größte Unterschied zwischen BAföG und Deutschlandstipendium ist, dass Studierende das Geld, das sie durch das Deutschlandstipendium erhalten – anders als die BAföG Förderung – nicht zurückzahlen müssen.

Deutschlandstipendium und BAföG schließen sich nicht aus. Studierende können sowohl die Förderung durch das Deutschlandstipendium erhalten als auch BAföG beziehen. Das Deutschlandstipendium lässt sich als Ergänzung zum BAföG beschreiben. Mehr zum Thema Studium finanzieren mit und ohne BAföG findet ihr hier: Wie finanzieren Studierende ihr Studium?

Dieser Beitrag wurde im August 2022 veröffentlicht und zuletzt am 16.04.2023 aktualisiert.

Deutschlandstipendium – Das Wichtigste in Kürze

  • Finanzielle Herausforderungen für Studierende: Viele Studierende finanzieren ihren Lebensunterhalt durch Jobs neben dem Studium; dies erfordert gutes Zeitmanagement, aber der finanzielle Druck bleibt hoch.
  • Deutschlandstipendium zur Unterstützung: Das Stipendium zielt darauf ab, Studierenden mehr Zeit und Konzentration für ihr Studium zu ermöglichen, indem es finanzielle Unterstützung bietet.
  • Geschichte und Ziel des Stipendiums: Seit 2011 existiert das Deutschlandstipendium, um junge Talente zu fördern und über 220.000 Studierende zu unterstützen. Ziel ist es, ihr Potenzial optimal auszuschöpfen.
  • Finanzierung des Stipendiums: Zur Hälfte vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zur anderen Hälfte von privaten Förderern, Unternehmen, Stiftungen und Vereinen finanziert.
  • Voraussetzungen und Auswahlverfahren: Kein bundesweit einheitliches Auswahlverfahren oder festgelegter Notenschnitt. Individuelle Festlegung der Kriterien und des Prozesses durch die Hochschulen.
  • Bewerbungsprozess: Online-Bewerbung an der Hochschule, gefolgt von einer Vorauswahl, Einreichung von Motivationsschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen. Der weitere Prozess variiert je nach Hochschule.
  • Wichtigkeit des Motivationsschreibens: Persönliche Vorstellung, Motivation für das Studium, Antworten auf Fragen des Stifters, Gründe für die Wahl des Deutschlandstipendiums und Unterscheidung von Mitbewerbern sind wichtig.
  • Entscheidung und Förderung: Auswahlkommission der Hochschule entscheidet, bis zu 1,5 Prozent der Studierenden können gefördert werden. Stipendium beträgt 300 Euro pro Monat.
  • Bewerbungsberechtigung und Auswahlkriterien: Alle Studierenden können sich bewerben; Kriterien umfassen akademische Leistung, Auszeichnungen, gesellschaftliches Engagement sowie persönliche Hintergründe.
  • Förderungsdauer und -bedingungen: Endet mit Abschluss des Studiums oder bei Fachwechsel. Leistungsnachweise erforderlich, steuerlich nicht relevant.
  • Unterschied zum BAföG: Keine Rückzahlung erforderlich, ergänzend zu BAföG möglich, gezielt für ausgewählte Studierende.
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