Auf in die Zukunft! Grußwort zum Juracon Jahrbuch 2019

„Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“ Dieser Satz wird niemand Geringerem als Albert Einstein zugeschrieben, und auch über 60 Jahre nach seinem Tod genießt der Physiker und Nobelpreisträger ungebrochene Popularität. Wenn Sie jetzt ganz spontan darüber nachdenken, welches Bild Ihnen zu einem der bedeutendsten Köpfe der Neuzeit einfällt … Jede Wette, nicht alle unter Ihnen sehen vor ihrem inneren Auge eine Büste auf einem Sockel. So manche(r) denkt stattdessen an das Halbportrait mit der herausgestreckten Zunge! Klugheit gepaart mit Neugier und einer gewissen Respektlosigkeit – das sind offenbar zeitlose Tugenden, die heute mehr en vogue sind denn je.

Und das aus gutem Grund: In Zeiten der Transformation sind solche Eigenschaften notwendige Treiber, und am Ende des 2. Jahrzehnts unseres Jahrtausends befinden wir uns inmitten eines doppelten Umbruchs. Sowohl in der IT-Branche als auch (außerhalb der Naturwissenschaften gerne übersehen:) auf biotechnologischem Gebiet wurden in den vergangenen Jahren gewaltige Fortschritte erzielt.

Sie krempeln zahlreiche Berufsbilder um, darunter auch so tradierte Branchen wie die juristische. Was das in der Praxis bedeutet, zeigen Ihnen die Autorinnen und Autoren der aktuellen JURAcon- Jahrbuchausgabe.

Praxisschilderungen aus dem modernen Rechtsalltag finden Sie darin neben Interviews, Erfahrungsberichte ebenso wie vertiefte Einsichten in die Welt der Postgradualen Studiengänge und Law Schools. Portraits möglicher Arbeitgeber und ein aktuelles Register mit einer Übersicht über rund 500 Kanzleien runden das Bild ab.

Von Standarddisziplinen wie dem Arbeitsrecht >> Andreas Bietmann, Berufsbilder: Fachanwalt für Arbeitsrecht oder der Strafverteidigung >> Hendrik Pekárek, Berufsbilder: Strafverteidiger einmal abgesehen: Sollte man zum Beispiel Insolvenzverwalter „alle erhängen“? Warum sie es niemandem recht machen können, das aber trotzdem eine spannende juristische Tätigkeit ist, lesen Sie bei Gregor Braun >> Berufsbilder: Insolvenzverwalter

Ein weiteres Rechtsgebiet, das manchem unheimlich ist, anderen aber als Königsdisziplin gilt, ist das Kapitalmarktrecht. Hier ändert sich gerade viel im Zuge der voranschreitenden technologischen Möglichkeiten, wie Michael Zoller ausführt: >> Die Musterfeststellungsklage – Class action in Deutschland

Thema Recht und Digitalzeitalter: Wie wird sich das Gesicht der Rechtsdienstleistungen in den nächsten zehn Jahren wohl insgesamt wandeln? >> Martin Schulz und Anette Schunder-Hartung, Legal Tech: Rechtsdienstleistungen in der digitalen Transformation. Wohin führt „KanzleiTech“ den Anwaltsberuf im digitalen Zeitalter >> Fuencisla Heiß, KanzleiTech!: Der Anwaltsberuf im digitalen Zeitalter. Und wie funktioniert die Betreuung im Personalbereich interdisziplinär und digital?
>> Nicole Elert, Legal Tech in der HR-Beratung: interdisziplinär & digital.

Den geeigneten „Nachwuchs“ finden

Der Eindruck einer Dschungellandschaft drängt sich auch dort auf, wo Anbieter und Nachwuchs erst noch auf verständige Weise an einen gemeinsamen Tisch gebracht werden müssen. Denn wie soll das geschehen: Virtuell? Mittels Mundpropaganda? Durch das zufällige Stolpern über Workshops, deren Qualität Studierende ähnlich schlecht beurteilen können wie die Job-Anbieter den Umstand, ob hinter dem Papier eine passende Nachwuchskraft steckt? Hier können Karrieremessen wie die Juracon in München und Frankfurt hilfreiche Orientierung bieten.

Sollte Ihnen hingegen der Sinn nach einem Ausbau Ihrer schon erworbenen Qualifikationen stehen, empfehlen sich zur Lektüre die Beiträge zu den Angeboten der Frankfurt School >> Christoph Schalast, Warum man seinen LL.M. in Deutschland erwerben sollte? oder der Heilbronner GGS >> Martin Schulz, Projekt- und Prozessmanagement – Essentiell für die Rechtsdienstleistung der Zukunft.

Oder Sie machen etwas ganz anderes und sorgen für einen überzeugenderen stimmlicheren Auftritt – sehr wichtig im juristischen Alltag. Falls Sie darüber noch nicht nachgedacht haben, lesen Sie mehr bei Ute Bolz-Fischer. Nur eines sollten Sie keinesfalls tun: Sich angesichts des hohen psychischen Drucks (sehr anschaulich dazu Anne Kuckert den Schneid aufkaufen lassen! >> Studierende unterstützen – Umgang mit psychischem Druck im Jurastudium.

Erwägen Sie alle möglichen Alternativen – gehen Sie zwischendurch mal ins Ausland (ab Seiten 64 und 72), sehen Sie sich als künftige Wirtschaftsanwälte ruhig ebenso in Mittelzentren um. Im Übrigen können Sie „das Mögliche“ auch auf alternativen Berufswegen entstehen lassen. Ihre Zukunft ist heutzutage offener denn je.

Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen Ihre Dr. Anette Schunder-Hartung,

Rechtsanwältin

Dieser Beitrag erschien zuerst im Juracon Jahrbuch 2019 (Grußwort)

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