Warum man seinen LL.M. in Deutschland erwerben sollte?

Wer einen LL.M. erwerben möchte, kann dies auch im Inland tun. Eine Möglichkeit ist das Studium neben dem Beruf. Entsprechende Angebote gibt es z. B. an der Frankfurt School of Finance & Management. Ein Hochschullehrer und zwei Alumni geben Einblicke: Dieser Beitrag von Professor Dr. Christoph Schalast sowie ein Gespräch mit den Absolvent:innen Dunya Trautmann und Robin Lawless.

Finanzstandorte heute

Es ist heute schon absehbar, dass der Brexit-Prozess zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich in Zukunft als eine Case Study für eine unglücklich verlaufene Verhandlung mit zahlreichen Stakeholdern dienen wird, die alle dabei keine gute Figur gemacht haben. Auf der anderen Seite hat dieser Prozess dazu geführt, dass man in Kontinentaleuropa die Vorrangstellung des Finanzplatzes London, der sich nebenbei erst während der EU Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs derartig dominant entwickelt hat, in Frage stellt. Durch den Brexit begann so ein interessanter Wettbewerb zwischen den Finanzstandorten Paris, Amsterdam, eingeschränkt Dublin und schließlich Frankfurt am Main.

Weiche Faktoren für Finanzstandorte

Bei diesem neuen Wettbewerb wurde eines deutlich: Natürlich muss ein Finanzstandort ausreichend Infrastruktur zur Verfügung stellen, es müssen attraktive Büroräume vorhanden sein und auch das sonstige regulatorische Umfeld muss stimmen. Doch darüber hinaus wird jede Bank, jede Finanzinstitution und jedes Unternehmen, das aufgrund des Brexits einen Standort in Kontinentaleuropa oder Irland aufbaut, auch die so genannten „weichen Faktoren“ bewerten müssen.

Dazu gehören internationale Schulen, Toleranz, attraktive Kulturangebote, aber auch – und dies in zunehmendem Maße – eine attraktive Hochschullandschaft. Deutschland war dabei in der Vergangenheit sehr stark dominiert von seinem historisch geprägten staatlichen Hochschulsystem mit der Gliederung in Fachhochschulen/Universities of Applied Sciences, technische Hochschulen beziehungsweise technische Universitäten und die „großen“ Massen-Universitäten mit ihrem breiten Angebot.

Deutsche Hochschulen – Angebotslandschaft

Diese Landschaft hat sich in den letzten Jahren erheblich geändert durch zahlreiche private Angebote, die mit den Fachhochschulen aber auch den Universitäten zunehmend im Wettbewerb stehen. Eine entsprechende Vielfalt, das heißt ein Wettbewerb zwischen privaten und öffentlichen Angeboten mit zahlreichen ausdifferenzierten und auch modernen Studiengängen und nicht zuletzt spannenden Studiengängen, die in englischer Sprache angeboten werden, sind für einen führenden Finanzstandort unerlässlich.

Das war natürlich für London eine sehr kampfentscheidende Ausgangssituation, denn Englisch war sowieso die Weltsprache. Doch Kontinentaleuropa hat nachgezogen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die Hochschullandschaft in Frankfurt am Main sowie der Rhein-Main-Region.

Neben die Angebote der traditionellen Universitäten und Fachhochschulen in den Metropolen der Region treten zunehmend auch private Angebote, wie das der Frankfurt School of Finance & Management. Hervorgegangen aus der als Fachhochschule Anfang der 1990er Jahr gegründeten Hochschule für Bankwirtschaft, ist sie heute eine der führenden deutschen und internationalen Wirtschaftsuniversitäten und aufgrund ihrer internationalen Akkreditierungen auf Augenhöhe mit ihren Wettbewerbern in der DACH-Region.

Traditionelle Leuchttürme – Die Wirtschaftsuniversitäten

Doch scheinbar haben bisher die Wirtschaftsuniversitäten den Markt für Rechtsberatung – und dies ist wirklich ein großer Markt nicht nur in Deutschland – wenig berücksichtigt. Lange Zeit gab es nur einen „Leuchtturm“, die Bucerius Law School, vor kurzem kam auch die EBS in Wiesbaden hinzu. Dabei wird oft übersehen, dass auch die „klassischen“ privaten Wirtschaftsuniversitäten bereits seit über einem Jahrzehnt rechtswissenschaftliche Studiengänge anbieten.

Die Frankfurt School startete mit ihrem rechtswissenschaftlichen Angebot 2005 mit einem berufsbegleitenden Master of Laws (LL.M.) für Mergers & Acquisitions. Der klar praxisorientierte Studiengang hatte von Anfang an zum Ziel, künftige interdisziplinäre Deal-Manager auszubilden, denn ein M&A-Prozess erfordert nicht nur Juristen oder Wirtschaftswissenschaftler, sondern ist das Zusammenspiel von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie HR, Environment, Tax, Legal, Business Development und auch zunehmend neuen Themen, wie Compliance und Digitalisierung. 

M&A-Studiengang der Frankfurt School

Der Studiengang hat sich in den letzten 14 Jahren am Markt etabliert, weshalb die Frankfurt School sich 2018 entschlossen hat, ihn um einen Master of Financial Law zu ergänzen. Dieser Studiengang richtet sich an Interessenten aus Wirtschaftskanzleien, Banken, Finanzinstitutionen, FinTechs sowie Aufsichtsbehörden. Ausgerichtet ist sein Konzept am erfolgreichen M&A Master. Das heißt, er ist als berufsbegleitendes Postgraduierten-Studium ausgestaltet.

Inhaltlich arbeitet sich der Studiengang an allen wesentlichen bankrechtlichen Themen ab und vermittelt zudem deren wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen, ohne die eine erfolgreiche Tätigkeit in diesem Bereich kaum möglich ist. Neben dem grundlegenden Bereich der Unternehmensfinanzierung sowohl im Bereich des Mittelstandes als auch unter Nutzung nationaler und internationaler Dokumentationsstandards, wie den LMA- und LSTA-Mustern, werden bankaufsichtsrechtliche Themen besonders intensiv unterrichtet. Ergänzt wird dieses Angebot durch aktuelle und zukunftsweisende Themen wie FinTech oder Blockchain, ein Bereich, in dem die Frankfurt School mit ihrem Blockchain Center in Deutschland zu den führenden Einrichtungen gehört.

Networking – Mehrwert für Absolventen und Community

Neben dem Studium wird auch in Deutschland – auch hier inspiriert von Vorbildern aus dem angloamerikanischen Raum – der Nutzen von Netzwerken immer wichtiger. Für den Bereich M&A ist dies ganz offensichtlich. Dies ist ein Business, das geprägt ist von Erfahrung, Vertrauen und eben einem stabilen und umfassenden Netzwerk, das in jeder beruflichen Phase eine Bedeutung hat.

Lange haben deutsche Universitäten und Business Schools diese Themen nicht aufgegriffen. Doch dies hat sich geändert. Gerade private Universitäten, orientiert an Vorbildern aus Großbritannien und den USA, fördern diesen Netzwerkgedanken intensiv. Das Interesse ist dabei nicht nur, die Absolventen an ihre Alma Mater zu binden, sondern darüber hinaus einen echten Mehrwert für die Absolventen aber auch für die jeweilige Community zu schaffen. 

Der M&A Club der Frankfurt School

Aus diesem Grund hat die Frankfurt School bereits frühzeitig einen M&A Club geschaffen, der in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen durchführt. Die Abendveranstaltungen finden dabei meist in namenhaften Wirtschaftskanzleien oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften statt, haben immer einen spannenden Keynote-Sprecher, aber lassen auch genug Raum zum Netzwerken. Im Januar 2019 wurde nunmehr auch der Finance & Law Club gegründet mit einer ersten Veranstaltung zu Krypto-Währungen.

LL.M. in Deutschland: Ausblick

Insgesamt zeigt dies, wie wichtig spezialisierte Fortbildungsangebote für die Entwicklung von attraktiven Standorten in Kontinentaleuropa sind. Gerade Frankfurt kann sich insoweit über den Wettbewerb der verschiedenen Institutionen freuen.