Juracon Jahrbuch 2020 — Besondere Karrierewege

Besondere Karrierewege – in herausfordernden Zeiten und/oder trotz körperlicher Einschränkungen? Beides ist möglich! Um Ihnen das zu zeigen, haben wir 2020 zahlreiche außergewöhnliche Beiträge für Sie zusammengestellt.

Sie finden in diesem Juracon Jahrbuch besonders viele Interviews, etwa mit Justiz-Staatssekretärin Dr. Margaretha Sudhof dazu, dass der demokratische Rechtsstaat keine Selbst­verständlichkeit sein darf . Richter am OLG Dr. Daniel Saam mahnt eine Kultur der Offenheit an, und Marco Führer, Leiter der Zentralen Vergabestelle des Hessischen Polizeipräsidiums für Technik, postuliert, das Geheimnis des Erfolgs sei Verständnis für den Standpunkt des anderen: Als Jurist bei der Polizei.


Aus der Anwaltspraxis stehen zwei ungewöhnliche Sozietäten Rede und Antwort zu Kombimodellen. Im einen Fall geht es darum, wie man sich als Spezialist auch außerhalb der Metropole her durchsetzen kann (Rechtsanwalt Privatdozent Dr. Harald Hohmann). Im anderen Fall erläutert ein interdisziplinärer mittelständischer Verbund sein besonderes Erfolgsrezept (WP StB Kurt Abert und Rechtsanwalt Dr. Christian Jutzi).

Zwei hoch spannende Texte zielen sodann auf Gender-Aspekte: Rechtsanwältin und Diplom–Finanzwirtin (FH) Antje Klötzer-Assion widmet sich der weiblichen Erwerbsbiografie. David N. Scholz schildert den Umgang mit Transidentitäten — „Wenn die Kollegin morgen ein Kollege ist“.

Weitere Beiträge der Karriere und Praxis-Rubrik zielen mit der Weitergabe des Staffelstabes: Legal Tech und die nächste Anwaltsgeneration (Rechtsanwalt und DAV-Experte Volker Himmen,), dem Recht als Schlüssel zum Gründertum (Rechtsanwältin Madeleine Heuts) und der Frage nach dem Program­mierenkönnen (Deike Uhtenwoldt) klar in die Zukunft unserer gesamten Profession.

Und a propos Zukunft. Kennen Sie GATTACA? Dabei handelt es sich um einen Science-Fiction-Klassiker aus meiner eigenen Zeit als junge Anwältin und Redakteurin in den 90er-Jahren. Der Titel ist ein Akronym, hinter dem sich die vier Amino­basen der menschlichen DNA verbergen – G steht für Guanin, A für Adenin, T für Thymin und C für Cytosin. Und das hat mehr mit dem Hier und Heute zu tun, als Sie jetzt vielleicht denken. Protagonist dieses Filmes ist nämlich ein Nachwuchstalent, das trotz Kurzsichtigkeit und Herzproblemen unbedingt ganz hoch hinaus will. Vincent alias Ethan Hawke besteht darauf, Astronaut zu werden.

Das Problem: Dem jungen Mann stehen längst genetisch optimierte Kon­kur­rent*innen gegenüber, die für ein teures Raumfahrtprojekt eine viel sicherere Option sind. Diesem Umstand setzt Vincent (außer cleveren Tricks) vor allem eines entgegen: eine unbändige Willenskraft. Mit deren Hilfe schwimmt er sich in einem Maße frei, das ihm das Durchstarten ermöglicht. Was bedeutet, dass Gesundheit vielleicht doch nicht das alles entscheidende Maß der Dinge ist. Und wenn das für die Raumfahrt gilt, wer weiß: Dann greift es vielleicht auch in der Juristerei …

Wir haben nachgehakt, und wir haben auch dazu Rückmeldungen bekommen, die uns zutiefst beeindruckt haben. Sie beginnen bei den drei „K´s“ alias: Kanzlei – Krankheit – Kommunikation: Arbeiten in der Dialyse. Rechtsanwalt und Notar Dr. Mathias Schäfer, berichtet, wie er erfolgreich eine Familien- und Erbrechtskanzlei in Limburg führt, ungeachtet einer Organtransplantation.

Gut anwaltlich arbeiten – auch mit körperlichen Handicaps, das  beschreibt Hanna Happel am Beispiel eines Anwalts im Rollstuhl. Währenddessen beantwortet Nina Kipper, Inhaberin und Geschäftsführerin der Seeheimer Agentur comyounicake die Frage nach Personal Branding mit Glatze mit: Ja, jetzt erst recht!

Für den dogmatischen Unterbau sorgt in arbeitsrechtlicher Hinsicht Eva Wißler: Exzellent mit Beeinträchtigung — auch im Arbeitsrecht, und mit Blick auf die wichtige Frage der Verträglichkeit von Handicap und öffentlichem Dienst einschließlich Ref Rechtsanwalt Michael A. Else.

In diesem Zusammenhang stellt sich noch eine andere Frage, nämlich die nach einer Absicherung von Risiken durch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung: Segen oder Falle? Eine weitere DAV-Anwältin, Johanna Mathäser aus Rosenheim, klärt auf. Dabei sollten Sie wissen: Anders als beispielsweise im Arbeitsrecht gibt es keine vergleichbar starke „Versicherungsnehmerlobby“!

Nun wäre unser Jahrbuch aber auch nicht, was Sie erwarten, wenn wir für Sie nicht einige besondere Erfahrungsberichte bereithielten! So ist mir beispielsweise auf dem letzten AnwaltsZukunftskongress eine deutsche Anwältin begegnet, die seit vielen Jahren in Paris praktiziert. Wie geht das? Ça va (bien)!, ruft Ihnen Rechtsanwältin und Avocat au Barreau Dr. Antje Luke zu.

Aber auch 30 Grad und mehr können großen Spaß machen. Davon scheibt Hannah Henseling mit Blick auf ihre Referendarstage bei der Auslandshandelskammer Malaysia. Ebenso ist bei Kartellrechtler Miroslav Georgiev Arbeiten, wo andere Urlaub machen, ein Leitmotiv.

Mit guter Auslandsvorbereitung – dazu auch Rechtsanwalt und Attorney-at-Law Dr. Max Alles – reüssiert man in allen Teilen der Juristenwelt: Sei es im Rahmen einer Verwaltungsstation in Peking (Rechtsanwalt Marius Garnatz) oder bei einem Forschungsaufenthalt in Delaware (Rechts­referendar Dr. Julius-Vincent Ritz).

Zur Abrundung lesen Sie einen Law School-Bericht aus dem 5. Kontinent aus der Feder von Peter Finneran. Als Head of Strategic Partnerships and External Engagement der Sydney Law School bringt er Ihnen diesen Zweig der University of Sydney näher… jedenfalls erst einmal in Gedanken.

Insoweit gilt dasselbe wie für alle anderen Beiträge unseres Jahrbuchs: Lassen Sie sich inspirieren, ermutigen und in Schwung bringen von unseren vielfältigen Texten und all den Schreibenden, die dafür stehen. Holen Sie sich Anregungen und haben Sie viel Spaß bei der Lektüre!

Grußwort des JURAcon Jahrbuchs 2020