Zweites Staatsexamen – mit Online-Rep?!

Erfolgreich für das zweite Staatsexamen lernen – und das bequem von zu Hause aus. Genau das versprechen Online-Repetitorien Jura. Diese Art der Vorbereitung auf das 2. Staatsexamen gilt zwar als noch eher ungewöhnlich, doch immer mehr Jurist:innen machen ihre Wiederholungskurse am Bildschirm. Ein Erfahrungsbericht.

Klassisches Repetitorium oder Online-Rep?

Wenn es auf die Prüfungen für das zweite Staatsexamen zugeht, müssen die wichtigsten Inhalte des Studiums noch einmal wiederholt werden. Daran führt wohl kein Weg vorbei. Doch mit Online-Repetitorien Jura gibt es heutzutage viele Alternativen zum klassischen Wiederholungskurs. Auch ich habe mich für ein Online-„Rep“ entschieden.

Den Grund für meine Entscheidung kann wohl jede:r angehende:r Jurist:in nachvollziehen: Mit einem Online-Repetitorium Jura spart man Zeit und ist flexibler. Gerade vor dem 2. Examen ist das ein großer Vorteil, denn das Referendariat folgt meist einem unregelmäßigen Ablauf: Jede Station ist anders, mit manchen Ausbilder:innen trifft man sich häufiger und länger, für andere arbeitet man mehr zu Hause. Außerdem findet bei der eigenen Stammdienststelle (also dem jeweiligen Landgericht) Präsenzunterricht statt – ebenfalls unregelmäßig, denn dieser muss auf den Terminplan der dozierenden Richter:innen und Anwält:innen abgestimmt werden. Kurzum: Regelmäßige Lernzeiten gibt es eigentlich nicht.

Die Corona-Krise hat der Online-Variante zusätzlich noch ungeahnte Vorteile gebracht: Während Präsenz-Veranstaltungen oft nicht oder nur unter Auflagen stattfinden konnten, waren digitale Angebote leichter umsetzbar. In dieser Zeit hat sich ja vieles ins Internet oder nach Hause verlagert – auch das Arbeiten selbst. Laut einer Studie des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben während der Pandemie mehr als 60% der Beschäftigten voll oder
teilweise im Homeoffice gearbeitet – damit hat sich nach Angaben der Umfrage die Zahl der Arbeitsplätze im Homeoffice mehr als verdoppelt.

Wer ein „echtes“ Repetitorium besucht, hat zudem einen zusätzlichen fixen Termin pro Woche. Dieser findet in der Regel samstags statt und eventuell muss man dorthin auch noch recht weit fahren. Für mich war all das Grund genug, eine Alternative zum Wiederholungskurs in Präsenz auszuprobieren. Kurzerhand meldete ich mich zu einem Online-Repetitorium an. Lange suchen musste ich nicht, denn es gibt bereits einige Anbieter am Markt. Darunter sind zum Beispiel Juracademy, Jura Online, Akademie Kraatz und Lecturio.

Welches Online Repetitorium ist das richtige?

Welches Online-Rep das richtige für einen ist, ist sicherlich ganz individuell. Ich empfehle, sich über die verschiedenen Anbieter zu informieren und die angebotenen Online Repetitorien einem Vergleich in ein paar Eckpunkten zu unterziehen. Denn es gibt schon einige Unterschiede: Manche der digitalen Wiederholungskurse decken alle wichtigen Inhalte des Studiums ab; andere konzentrieren sich auf bestimmte Rechtsgebiete. Aus diesen thematischen Schwerpunkten kann man sich zum Beispiel ganz nach eigenem Bedarf einen persönlichen Lehrplan zusammenstellen. Unterschiedlich gehandhabt wird auch, ob man sofort die vollständigen Lernmaterialien erhält oder ob diese nach und nach freigeschaltet werden. Falls du mehr wissen möchtest über verschiedene Jura Online Repetitorien im Vergleich, empfehle ich einen Blick in die Testreihe Online-Repetitorien bei iurratio. Meine Wahl fiel übrigens letzten Endes auf den Anbieter Lecturio.

Wie funktioniert ein Online-Repetitorium?

Das Konzept ist denkbar einfach: Online-Reps kombinieren Videoinhalte mit Skripten zum Downloaden. Bei den Videos gibt es zwei Varianten: Entweder sind es Erklärvideos, bei denen ein Dozent anhand einer Präsentation vor der Kamera einen Vortrag hält – oder es wurde ein Präsenzrepetitorium mit echter Zuhörerschaft aufgezeichnet.

Mir gefällt die zweite Variante eindeutig besser. Denn in den Aufzeichnungen mit ZuhörerInnen stellen diese gelegentlich Zwischenfragen. Das lockert den Vortrag in der Regel etwas auf. Und nicht selten wurde genau die Frage gestellt, die ich selbst gerade hatte. Meiner Meinung nach lässt sich der Inhalt auf diese Weise besonders gut auffassen. Videos ohne Publikum laufen dagegen viel schneller ab – hier habe ich die Wiedergabe häufiger kurz pausiert, um die Informationen richtig aufnehmen zu können.

In dem von mir genutzten Repetitorium (Lecturio) sind die einzelnen Videos meistens zwischen einer und zweieinhalb Stunden lang. Dabei ist jedes in einzelne Kapitel unterteilt. Nach Beendigung eines Kapitels kann man mit einigen Multiple-Choice-Fragen testen, ob man bisher alles Wichtige verstanden hat. Diese Fragen sind bislang von sehr unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad – und bedeuten keinesfalls, dass man das Examen schon meistern wird, wenn man sie alle beantworten konnte. Trotzdem erfüllen sie einen wichtigen Zweck: Es wird eine kurze Pause eingelegt und das eben Gelernte rekapituliert. Wer zwischendurch gedanklich abgedriftet ist (und das kommt vor, wie jeder weiß), merkt das spätestens jetzt. Doch zum Glück ist das im Online-Repetitorium überhaupt kein Problem – es lässt sich schließlich einfach „zurückspulen“.

Online-Repetitorium Jura: Das sind die Vorteile

+ Nicht an einen Ort gebunden

Dieser Vorteil liegt auf der Hand: Wo auch immer ich Zugang zum Internet habe, kann auch mein Rep stattfinden. Dank App sogar ohne Laptop. Das spart Zeit, die ich sonst damit zubringen würde, zum Repetitor und wieder zurück zu gelangen. Dabei muss man bedenken, dass die Repetitorien für Referendare nicht in jeder Universitätsstadt ansässig sind – es können also durchaus lange Fahrtzeiten eingespart werden. Mit einem Online-Repetitorium Jura kann ich auch, wenn ich mal unterwegs bin, die Zeit sinnvoll nutzen – zum Beispiel auf einer Zugfahrt.


+ Eigene Zeiteinteilung

An manchen Tagen will einfach nichts so richtig funktionieren oder man hat plötzlich das allseits bekannte Mittagstief. Bei einem Online-Repetitorium, das flexibel auf Knopfdruck stattfindet ist das kein Problem. Es lässt sich ganz nach Belieben pausieren. Umgekehrt kann jeder, der zu ungewöhnlichen Zeiten, spätabends oder sogar nachts, besonders fit ist, auch diesem individuellen Rhythmus nachgehen.

+ Eigene Geschwindigkeit

Manche Inhalte hat man einfach schon tausendmal gehört. Für mich waren das zum Beispiel die Klagearten der VwGO, denn die hatte ich schon für das erste Examen allzu oft wiederholt. Statt die Zeit abzusitzen, konnte ich hier auch mal etwas überspringen oder mit erhöhter Geschwindigkeit abspielen. Letzteres hat den Vorteil, dass trotzdem noch ein gewisser Wiederholungseffekt entsteht.

+ Wiederholen, so oft man möchte

Manches kann man tausendmal hören, versteht es aber erst beim tausendundersten Mal. Die Lernvideos lassen sich unbegrenzt oft ansehen.

+ Preiswerter als ein Präsenzrepetitorium

Ein Online-Repetitorium Jura ist meist günstiger als ein entsprechender Präsenzkurs. Dieses Argument ist meiner Meinung nach nicht zu unterschätzen. Denn allzu große Ausgaben muss man sich mit dem üblichen Referendargehalt stets zweimal überlegen.

Wiederholungskurs Jura am Bildschirm: Das sind die Nachteile

– Kein Druck, kein Rhythmus

Viele sind der Ansicht, dass sie zum effektiven Lernen genau den Druck brauchen, der bei dem Online-Rep entfällt. Nämlich, zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein zu müssen.

Wenn ich dagegen das Online-Lernen ein paar Wochen sein lasse oder nach einer halben Stunde doch nur im Internet surfe, stört sich niemand daran. Letztlich muss man also mehr Selbstdisziplin aufbringen als bei einem herkömmlichen Rep. Das ist nicht immer leicht.

– Keine echte Kommunikation

Zwar kann man in einer Art Forum Fragen an die Dozenten stellen, die (meistens) sehr zeitnah beantwortet werden. Die direkte Kommunikation kann das bei Verständnisschwierigkeiten aber kaum ersetzen. Zudem gibt es für die eigene Lernleistung kein persönliches Feedback.

Ein Klausurenkurs wird meines Wissens noch von keinem Online-Repetitor angeboten, man muss sich also separat darum kümmern. Weglassen kann man das Klausurenschreiben auf keinen Fall, es ist vielleicht sogar das Wichtigste in der Examensvorbereitung. Zu den angesprochenen geringeren Kosten kommen also im Zweifel doch nochmal weitere hinzu. Ein All-inclusive-Paket, bei dem man nichts weiter organisieren muss, bietet das Online-Rep also keinesfalls.

– Klausurenkurs nicht inbegriffen

Ein Klausurenkurs wird meines Wissens noch von keinem Online-Repetitor angeboten, man muss sich also separat darum kümmern. Weglassen kann man das Klausurenschreiben auf keinen Fall, es ist vielleicht sogar das Wichtigste in der Examensvorbereitung. Zu den angesprochenen geringeren Kosten kommen also im Zweifel doch nochmal weitere hinzu. Ein All-inclusive-Paket, bei dem man nichts weiter organisieren muss, bietet das Online-Rep also keinesfalls.

Online Rep – Fazit:

Die Prüfungsvorbereitung sollte am besten auf den eigenen Lerntyp abgestimmt werden. Wer genau weiß, dass er/sie am besten durch Lesen lernt, dem/der wird das Anschauen von Videos wenig bringen. Wer einen festen Lernrhythmus braucht, ist vielleicht mit Präsenzunterricht besser bedient – oder muss sich diesen Rhythmus selber schaffen.

Ich selbst habe durch ein interaktives Lernprogramm, das uns baden-württembergischen Referendar:innen zur Einführung zur Verfügung gestellt wurde, gemerkt, dass ich mit dieser Art zu lernen gut zurechtkomme. Bei anderen ist das gleiche Programm dagegen sehr schlecht angekommen – das ist wirklich eine Typfrage.

Ich möchte daher für Online-Repetitorien weder werben noch von ihnen abraten, sondern kann nur folgenden Tipp geben:
Überlegt euch, wie ihr wirklich am besten lernt und arbeitet dann genau so und nicht anders. Dann kann auch ein (noch) eher ungewöhnlicher Weg wie das Online-Rep der richtige für euch sein.

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