Verwaltungsstation in Peking — als Jurist in China

Die Verwaltungsstation kann gut für einen Auslandsaufenthalt genutzt werden. Viele Unternehmen, Verbände, oder Außenhandelskammern bieten interessante Beschäftigungen für Rechtsreferendare. Unser Autor war in Peking.

Verwaltungsstation in China: Bewerbungsverfahren und Vorbereitungen

Wer seine Verwaltungs- oder Wahlstation über das Auswärtige Amt an einer deutschen Vertretung im Ausland absolvieren möchte, muss sich hierfür bis 7 Monate vor Antritt der Station bewerben. Die Bewerbung wird in einem internen Verfahren des Auswärtigen Amtes bewertet und man erhält nach kurzer Zeit eine Mitteilung darüber, ob man grundsätzlich für eine Auslandsstation über das Auswärtige Amt in Frage kommt.

Das Bewertungsverfahren ist sehr undurchsichtig, es fließen aber wohl die Examensnote, Abiturnote, Sprachkenntnisse sowie etwaige Auslandserfahrungen und soziales Engagement mit ein. Außerdem ist es hilfreich, mehrere Ziele anzugeben und sich dabei nicht nur auf beliebte Städte wie London, Paris oder Washington zu fokussieren, sondern lieber auch „exotischere“ Ziele mit aufzunehmen.

Da die grundsätzliche Mitteilung über die Eignung für eine Auslandstätigkeit noch keine Zusage darstellt, begann ab diesem Moment bei mir das gespannte Warten auf eine endgültige Zuweisung. Diese kam dann mit einer E-Mail des Auswärtigen Amts in der mir die Stadt Peking angeboten wurde. Da es keine Möglichkeit gab, das Ziel noch zu ändern oder zu tauschen, musste ich mir überlegen, ob ich das Angebot annehmen mochte.

Nachdem ich mich entschieden hatte, dies zu tun, begann eine zeitaufwändige Vorbereitung. Die Verwaltungsstation dauert in Hessen 4 Monate, hiervon müssen zwingend 2 Monate an einer deutschen Behörde verbracht werden. Da das Auswärtige Amt aber Referendare nur für mindestens 3 Monate nimmt, musste ich zwei Monate unbezahlten Sonderurlaub beantragen und die gesamte Verwaltungsstation auf 6 Monate ausdehnen, um genug Zeit für die Auslandsstation zu haben.

Nach meiner Rückkehr setzte ich mein Referendariat dann in der AG fort, die ursprünglich 2 Monate nach meiner AG begonnen hatte. Dieses Prozedere ist in Hessen üblich und anerkannt, erfordert aber trotzdem einiges an bürokratischem Aufwand. Es empfiehlt sich also, zeitnah nach der Zusage mit solchen Vorbereitungen zu beginnen.

Das Land Hessen zahlt seinen Referendaren für auswärtige Verwaltungsstationen die Reisekosten – teilweise sogar schon als Vorschuss – und bewilligt ein hälftiges Trennungsgeld. Das Auswärtige Amt war mir außerdem behilflich bei der Beantragung eines Visums.

„Die Verwaltungsstation dauert in Hessen 4 Monate, hiervon müssen 2 Monate zwingend an einer deutschen Behörde verbracht werden..“

Wohnungssuche in Peking

Bei der Wohnungssuche wurde ich schnell über eine in Peking ansässige Sprachschule fündig, die ihren Sprachschülern die Möglichkeit anbot, über sie eine WG zu beziehen. Es gab ein speziell auf deutsche Referendare zugeschnittenes Programm mit zwei Abenden Sprachunterricht in der Woche und einer botschaftsnahen WG. Andere Referendare bezogen ihre Wohnungen über AirBnb, was auch bei allen reibungslos klappte. Allerdings sprachen nicht alle Vermieter Englisch, sodass sich die Kommunikation teilweise schwierig gestaltete – aufgrund des internationalen Teams meiner Sprachschule funktionierte das bei mir aber reibungslos.

Ankommen in Peking

Zwei Tage vor meinem ersten Arbeitstag flog ich nach Peking und war sehr gespannt, was mich erwarten würde, insbesondere da dies mein erster Aufenthalt in Asien war. Ein Mitarbeiter meiner Sprachschule erwartete mich bereits am Flughafen und brachte mich mit dem Airport Express, der den Flughafen in 20 Minuten mit der Innenstadt Pekings verbindet, zu meiner Wohnung.

Dort hatte ich das Glück auf zwei andere deutsche Referendare und einen deutschen Sprachschüler zu treffen, die alle bereits einen Monat in Peking waren und mir gleich am ersten Wochenende die wichtigsten Anlaufpunkte zeigen konnten. Alle Personen, die nach Peking einreisen, haben die Pflicht sich innerhalb von 24 Stunden bei der nächstgelegenen Polizeistation unter Vorlage ihres Mietvertrages zu registrieren.

„Als ich das Ziel Peking zugeteilt bekam, war ich skeptisch. Bilder einer Stadt im Dauer-Smog tauchten vor meinem geistigen Auge auf. Ich war mir nicht sicher, ob es mir gefallen würde, aber ich wurde positiv überrascht.“

Auch hierbei wurde ich von einem Mitarbeiter der Sprachschule unterstützt, genauso wie bei dem Erwerb einer SIM-Karte. Hierfür zahlte ich 150 Yuan, was umgerechnet ca. 20 € sind, und hatte jeden Monat 5 GB und 100 Freiminuten – so dachte ich. Überrascht wurde ich aber am Beginn meines zweiten Monats als partout mein Internet nicht funktionieren wollte – das lag daran, dass ich einen deutschen Besucher kurz auf seiner deutschen Nummer angerufen hatte und dies nicht in meinem Vertrag inkludiert war. Nach einem Besuch bei dem chinesischen Mobilfunkladen und einer Konversation mit Händen und Füßen, musste ich dann abermals 50 Yuan Gebühr für diesen Anruf zahlen, um mein Internet wieder nutzen zu können.

Die restliche Zeit bis zum ersten Arbeitstag nutzte ich, um mir einen kleinen Überblick über den Distrikt zu verschaffen, in dem ich lebte. Insbesondere wollte ich wissen, wie ich zur Arbeit komme und war aufgrund des Verkehrs sehr gespannt, ob mir dies pünktlich gelingen würde. Schon an den ersten Tagen merkte ich, dass die Lebenshaltungskosten in Peking geringer als in Deutschland sind, so konnte man zum Beispiel schon für umgerechnet 6 bis 7 € inkl. Getränken essen gehen. Auch der öffentliche Nahverkehr war sehr günstig, eine Durchquerung eines Großteils der Stadt kostete 5 Yuan, also nicht einmal 1€.

Arbeit an der Botschaft

Die deutsche Botschaft in Peking ist mit über 200 Mitarbeitern eine der größten der insgesamt knapp 230 Auslandsvertretungen der Bundesrepublik Deutschland. Ich war dort der Rechts- und Konsularabteilung zugeteilt. Deren Aufgabengebiet ist sehr weit gesteckt: Es werden unter anderem Visa-Anträge angenommen und bearbeitet, deutsche Staatsbürger in China betreut sowie rechtliche Fragen im Rahmen der Botschaftstätigkeit bearbeitet.

Die Arbeit war aufgrund des großen Aufgabenfeldes sehr unterschiedlich. Unter anderem unterstützte ich bei Remonstrationsbescheiden und Klageerwiderungen für Fälle, in denen Antragsteller gegen ihre abgelehnten Visa-Anträge vorgingen, führte Recherchen zu aktuellen juristischen Themen in China durch und besuchte Gerichtsverhandlungen als Beobachter. Ich unterstützte aber bei Bedarf auch Kollegen aus anderen Abteilungen und bekam dadurch einen guten Eindruck der verschiedenen Arbeiten in und an einer Botschaft.

Ein besonderes Highlight der Zeit an der Botschaft war der Tag der Deutschen Einheit. Dieser wird dort bereits Ende September gefeiert, da der 3. Oktober auch ein chinesischer Nationalfeiertag ist. Die deutsche Botschaft in Peking richtet hierfür die größte Feier aller deutschen Botschaften weltweit aus und es kamen mehrere tausend in Peking lebende Deutsche, aber auch viele internationale Gäste aus den umliegenden Botschaften und Firmen. Man kam an diesem Abend mit Gästen aus vielen Nationen, aber auch mit deutschen Auswanderern ins Gespräch und bei typisch deutschem Essen, Bier und Musik wurde wesentlich länger gefeiert als eigentlich vorgesehen war.

Besonders beeindruckend war die Offenheit der vielen Mitarbeiter an der Botschaft, es gab hierbei keinerlei Annäherungsprobleme und man fühlte sich direkt vom ersten Tag als vollwertiges Mitglied des Botschafts-Teams. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass die Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes selbst alle paar Jahre ihren Posten wechseln (müssen) und es somit gewohnt sind, sich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden.

In vielen Gesprächen konnte ich Eindrücke aus verschiedenen Regionen und Orten weltweit gewinnen und war oft sehr beeindruckt von den exotischen Plätzen der Welt, an denen viele meiner Kollegen schon gelebt hatten. Zusätzlich zu den Angestellten des Auswärtigen Amtes waren auch viele von anderen Behörden und Unternehmen abgeordnete Personen vor Ort. So war es ein Leichtes, in kurzer Zeit Einblicke in verschiedene Berufsmöglichkeiten zu bekommen.

Leben in Peking

Als ich das Ziel Peking zugeteilt bekam, war ich zunächst sehr skeptisch. Direkt hatte ich die Bilder einer Stadt im Smog und aus Beton vor Augen und war mir nicht sicher, ob es mir dort gefallen würde. Um es vorweg zu nehmen: Ich wurde mehr als positiv überrascht! Ich hatte mit September und Oktober die beste Reisezeit für Peking erwischt: Genau zwischen den sehr heißen und schwülen Sommermonaten und der dunklen und trockenen Winterzeit.

Die Stadt bietet neben einer unglaublich hohen Anzahl an Sehenswürdigkeiten und vielen Parks fast an jeder Ecke irgendwas Interessantes zum Anschauen an. Natürlich waren die berühmten Highlights wie Chinesische Mauer, Verbotene Stadt, Sommerpalast, Himmelstempel etc. sehr beeindruckend. Besonders prägend aber waren die Tage, an denen ich einfach durch die Stadt lief und an jeder Ecke etwas Neues entdeckte – was manchmal drei Tage vorher noch gar nicht da war. Insbesondere die Hutongs, die traditionelle chinesische Wohn- und Bauweise, boten jeden Tag skurrile Anblicke und waren ein wahnsinniges Kontrastprogramm.

Trotz seiner über 21 Millionen Einwohner ist Peking sehr gut organisiert, der öffentliche Nahverkehr mit Bussen und U-Bahnen funktioniert auf die Minute genau und reibungslos. Auf den Straßen gewöhnt man sich sehr schnell an den vorherrschenden Fahrstil: viel Klingeln, Rufen und auf Sicht fahren. Nur auf Verkehrszeichen sollte man sich nicht verlassen und schon gar nicht erwarten, dass ein Zebrastreifen ähnlich respektiert würde wie in Deutschland.

Überhaupt ist das mit Abstand beste Fortbewegungsmittel in Peking das Fahrrad. Auf nahezu jeder Straße gibt es eigene Fahrradwege und da die Stadt sehr flach ist und man mit dem Auto oft im Stau steht, bewegt man sich hierauf am schnellsten durch die Stadt. Durch die beinahe lückenlose Videoüberwachung herrscht in Peking so gut wie keine Kriminalität und man kann sich zu jeder Tages- und Nachtzeit sicher durch die Stadt bewegen – fühlt sich allerdings auch sehr beobachtet.

Mit den Luftverhältnissen kam ich sehr gut zurecht, ich hatte aber auch Glück, dass ich aufgrund der Jahreszeit und des starken Windes sehr wenige Smog-Tage erlebt habe.

Arbeiten in China: Eingeschränkter Zugang zum Internet

Ungewohnt und anstrengend ist, dass der Zugang zum Internet von der chinesischen Regierung blockiert wird, so dass es ohne einen VPN nicht möglich ist, Google, Whatsapp, Instagram und Co. zu benutzen. Wenn man einen VPN gefunden hat, der funktioniert und einem den Zugang zu den eben genannten Portalen ermöglicht, muss man hoffen, dass dieser nicht irgendwann blockiert wird, da die chinesische Regierung das Ziel verfolgt, den Zugang über alle möglichen VPNs zu verhindern.

Essentiell für das Leben in Peking ist die App „WeChat“, das chinesische Pendant zu Whatsapp. Hierüber kommuniziert man nicht nur, sondern bezahlt auch ausnahmslos alles damit. Bei jedem Straßenhändler konnte man hierüber bezahlen und gerade wenn man in einer größeren Gruppe essen war, war es sehr hilfreich, sich gegenseitig das Geld per Nachricht zusenden zu können, um die Rechnung zu teilen.

Außerdem funktionierte z.B. auch die Einlasskontrolle zu meinem Fitnessstudio über Scannen des QR-Codes mit WeChat. Zur barrierefreien Nutzung der Zahlungsfunktion von WeChat ist ein chinesisches Bankkonto erforderlich, dessen Eröffnung aufgrund der oft rudimentären Englisch-Kenntnisse der dortigen Bankangestellten eine kleine Hürde darstellt, die man aber durch Kommunikation mit diversen Übersetzungs-Apps und Händen und Füßen überwinden kann.

Essenziell für das Leben in Peking ist die App „WeChat“, das chinesische Pendant zu WhatsApp. Hierüber kommuniziert man nicht nur, sondern bezahlt auch ausnahmslos alles damit.

Abgesehen von wenigen Ausnahmen konnte ich mich an den meisten Hot Spots und westlichen Lokalen sehr gut auf Englisch verständigen, die nötigen Wörter für andere, authentischere einheimische Lokalitäten und Orte hatte man auch relativ zügig drauf. Gerade die jüngeren Bewohner Pekings haben sich aber auch oft gefreut, an westlich aussehenden Personen ihre Englisch-Kenntnisse ausprobieren zu dürfen und gab es doch mal Kommunikationsprobleme, dann blieben einfach immer mehr Personen stehen bis einer darunter war, der einem weiterhelfen konnte.

Außerdem spielte ich Fußball für ein irisches Team, die Beijing Celtics, in einer Liga internationaler Teams. Diese wurde von einem in Peking ansässigen Laden für Sportbedarf organisiert und es war wirklich interessant gegen Mannschaften aus verschiedenen Ländern zu spielen, die alle einen ganz eigenen und unterschiedlichen Stil pflegten. Die Atmosphäre war immer sehr freundschaftlich und dies war auch eine absolute Bereicherung meiner Zeit in Peking.

Verwaltungsstation in Peking — Fazit

Als Fazit kann ich nur sagen, dass ich jedem einen Besuch in Peking und auch eine Station an einer Vertretung des Auswärtigen Amtes empfehlen kann. Peking mag zwar keine Stadt sein, in der man sich nach 2 bis 3 Tagen bereits wohl fühlt – auf den zweiten Blick gibt es aber viele faszinierende Ecken und Einblicke. Für mich war die Zeit sowohl menschlich als auch fachlich absolut bereichernd und ich habe eine Menge interessanter Menschen kennen lernen und viele Kontakte knüpfen können.

Dieser Beitrag erschien zuerst im JURAcon Jahrbuch 2020