Leben und Arbeiten als Rechtsanwalt in Luxemburg

Unser Autor gibt Einblicke in seine Karriere als Rechtsanwalt in Luxemburg, die multikulturelle Arbeitswelt und berufliche Entwicklungschancen.

Von Deutschland nach Luxemburg: Eine juristische Entdeckungsreise

Ich bin über einige Umwege nach Luxemburg gekommen. Während meiner Ausbildung habe ich festgestellt, dass ich gern in einem internationalen Umfeld arbeiten möchte. Luxemburg ist der Ort dafür.

Seit Mai 2017 arbeite ich sowohl in Deutschland als auch in Luxemburg als zugelassener Rechtsanwalt bei Arendt & Medernach, einer führenden und unabhängigen Rechtsanwaltskanzlei in Luxemburg. Unser internationales Team von 400 Rechtsanwält:innen und Jurist:innen ist auf die Rechtsberatung und rechtliche Vertretung von luxemburgischen sowie ausländischen Mandanten im Bereich des Finanz- und Wirtschaftsrechts spezialisiert. Arendt verfügt über Büros in Hongkong, London, New York und Paris.

Ich habe mich hier im Investment Fonds-Bereich spezialisiert und berate schwerpunktmäßig größere Fondsgesellschaften sowie bekannte Asset-Manager bei der Strukturierung und dem Vertrieb von alternativen Investmentfonds sowie bei allen hiermit verbundenen regulatorischen Fragestellungen.

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Interkulturelle Erfahrungen in der Juristenausbildung

Wie ich nach Luxemburg gekommen bin? Über einige Umwege! Angefangen habe ich das Studium der Rechtswissenschaften im Rahmen des deutsch-französischen Jurastudiengangs der Universität zu Köln sowie der Universität Panthéon-Sorbonne in Paris. Die ersten zwei Jahren habe ich das Grundstudium in Köln absolviert, dann ging es für zwei Jahre nach Paris. Von Beginn an war für mich ein international und kulturell diverses Umfeld sehr wichtig. Vor allem während der beiden Jahre in Paris konnte ich wertvolle und für meine weitere Karriere bereichernde Erfahrungen sammeln.

Die rechtswissenschaftliche Ausbildung in Deutschland hat den Vorteil, dass man auf viele Berufsfelder vorbereitet wird, ohne sich frühzeitig inhaltlich spezialisieren zu müssen. Obgleich ich von Beginn an zu den Bereichen öffentliches sowie allgemeines Zivilrecht tendierte, habe ich mich nie auf einen speziellen Schwerpunkt fokussiert.

Erster Kontakt mit Luxemburg während des Studiums

Während meines Studiums in Paris nahm ich mehr oder weniger zufällig an einer Studienfahrt nach Luxemburg teil. Ein Besuch der EU-Institutionen, des Europäischen Gerichtshofs sowie der Europäischen Investitionsbank standen damals auf dem Programm. Das war mein erster Kontakt mit dem Großherzogtum, welches, so stellte ich fest, nicht nur ein kleiner Fleck auf der europäischen Landkarte ist, sondern gerade für Juristen mit deutsch-französischem Hintergrund einzigartige Karriereperspektiven bietet.

Berufliche Orientierung nach dem Studium

Nach der Studienzeit an der Sorbonne ging es zurück nach Deutschland, wo ich dann sowohl das erste und schließlich das zweite Staatsexamen abgelegt habe. Durch die verschiedenen Einblicke, die ich während des Referendariats in die berufliche Praxis bekam, stellte sich mir die Frage, wie denn der Berufseinstieg konkret für mich aussehen soll. Inhaltlich tendierte ich eher zum Verwaltungsrecht, generell kam das Arbeiten in einer Behörde für mich aber weniger infrage. Obgleich ich den Anwaltsberuf zuvor nie bewusst angestrebt hatte, gefiel mir hier das Arbeitsumfeld und die Atmosphäre am besten. Weiter wurde mir immer stärker bewusst, dass ich eine Karriere in einem internationalen Umfeld verfolgen möchte.

Luxemburg als multikultureller Karrierestandort

Bei der Suche nach verschiedenen Optionen wurde ich auf einem Stellenangebotsportal für Juristen unter der Suchmaske „International“ auf eine Stelle bei Arendt in Luxemburg aufmerksam. Nach ein paar Recherchen und Hervorkramen der Erinnerungen an meine Studienfahrt konnte Luxemburg bei mir als einer der wenigen wirklich multikulturellen Standorte in Europa punkten.

Neben den drei Verwaltungssprachen Luxemburgisch, Französisch und Deutsch hört man auf den Straßen und in den Bars tatsächlich neben Englisch häufig auch Italienisch, Spanisch und Portugiesisch. Zusätzlich sind durch die EU-Institutionen und die Finanzindustrie viele Osteuropäer vertreten. Eine der Herausforderungen im Alltag ist, immer erst herauszufinden, in welcher Sprache man sich denn nun sich unterhalten möchte.

Der Einstieg in die Welt der Investmentfonds

Das Einstellungsverfahren bei Arendt lief recht unproblematisch. Die Tatsache, dass ich keine Erfahrung im Bereich der Investmentfonds vorweisen konnte, spielte keine Rolle. Nach einigen Jahren im Beruf kann ich sagen, dass die wenigsten Berufsanfänger bereits Erfahrungen mitbringen. So fing ich im Mai 2017 an, die Welt der alternativen Investmentfonds kennenzulernen.

Unser Fonds-Team ist eines der größten in diesem Bereich weltweit und besteht aus Kolleg:innen mit mehr als 15 Nationalitäten u. a. aus Frankreich, Belgien, Deutschland sowie Ländern weit über die europäischen Grenzen hinaus – von Chile bis China. Unsere Mandanten sind in der ganzen Welt ansässig (von Australien über die USA bis Indien und Japan) und wählen Luxemburg als Standort für ihre Geschäftsaktivitäten.

Dies macht das Arbeiten extrem interessant und vielfältig. Arendt legt sehr großen Wert auf „Networking“, d. h. den Austausch mit Kolleg:innen unterschiedlicher Geschäftsbereiche. Man trifft sich regelmäßig entweder auf den unzähligen „Social Events“ innerhalb der Kanzlei oder auch außerhalb der Arbeit. Ein ganz besonderes Highlight ist natürlich das alljährliche Skiwochenende mit allen Mitarbeiter:innen.

Entwicklungsmöglichkeiten in einer internationalen Kanzlei

Obwohl die meisten Gesetze auf Französisch verfasst sind, ist das Beherrschen der französischen Sprache in den meisten Teams kein Einstellungskriterium. Lingua franca kanzleiintern ist Englisch. Nach dem Berufseinstieg stellt sich natürlich die Frage der Entwicklungsmöglichkeiten. Als deutschsprachiger und in Deutschland zugelassener Rechtsanwalt sind diese recht gut. Verschiedene Gründe spielen hier eine Rolle. Unter anderem sind deutschsprachige Rechtsanwälte vergleichsweise unterrepräsentiert, vorwiegend in Bezug auf das wirtschaftliche Gewicht der DACH-Region.

Des Weiteren hat die juristische Ausbildung in Deutschland den Vorteil, dass man sich recht zügig neue Strukturen aneignen kann. Es wird Wert auf eine systematische Herangehensweise gelegt. Dies führt dazu, dass man recht schnell mit der selbstständigen Betreuung von Mandaten betraut wird.

Wachstum und Vielseitigkeit in der Luxemburger Fondsbranche

Ein weiterer Faktor für die guten Berufsaussichten ist auch, dass das Wachstum der Fondsbranche in Luxemburg in den vergangenen Jahren einen enormen Schub erhalten hat und dadurch immer neue Perspektiven entstehen. Kurzum, es mangelt nicht an Arbeit! So kommt es regelmäßig vor, dass man beispielsweise innerhalb von einer Stunde von einem „Call“ mit deutschen Mandanten in einen „Call“ mit Mandanten aus Hong Kong wechseln muss. Da ist nicht nur schnelle sprachliche Anpassungsfähigkeit gefragt, sondern auch interkulturelle Flexibilität.

Der Schwerpunkt der Arbeit im Fondsbereich liegt zu Beginn natürlich vor allem im Prüfen und Verfassen von Gesellschaftsverträgen und Emissionsdokumenten, allerdings wird man direkt von Anfang an in Mandantengespräche und Videokonferenzen eingebunden, um dadurch einen möglichst großen Lerneffekt „on the job“ zu erzielen. Recht zügig wird man dazu motiviert, an diesen auch aktiv teilzunehmen und mit fortgeschrittener Berufserfahrung die Verhandlungen selbstständig zu führen.

Die Aufgaben verschieben sich mit der Zeit vom Erstellen der ersten Entwürfe zum Management von Akten und Mitarbeiter:innen. Es ist immer wieder interessant, ein Meeting mit einem Brasilianer, einer Kroatin und einem Franzosen zu leiten. Vor allem dann, wenn gerade Fussball-WM ist.

Persönliches Resümee: Rechtsanwalt in Luxemburg

Als mein persönliches Fazit zum Thema Leben und Arbeiten als Rechtsanwalt in Luxemburg kann ich festhalten, dass ob als Student auf der Suche nach einem Praktikum, als Referendar auf der Suche nach einer passenden Stage für die Wahl- oder Anwaltsstation oder als Berufseinsteiger: Luxemburg bietet gerade für deutschsprachige Anwälte auf der Suche nach einem Job in einem internationalen, weltweit vernetzten Umfeld vielfältige Berufs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Diese suchen m. E. innerhalb Europas in einer Konzentration auf vergleichsweise wenige Quadratkilometer ihresgleichen.

Dieser Artikel erschien zuerst im mylawguide 2023, dem Karrierehandbuch für Juristinnen und Juristen.

Eduard Westereicher
Autor
Eduard Westreicher
Eduard Westreicher hat in Köln und Paris Rechtswissenschaften studiert. Er hält ein Maîtrise en Droit  (University Paris I Panthéon-Sorbonne) sowie ein LL.M. der  Universität zu Köln. Er ist zurzeit tätig als Senior Associate, Investment Funds bei Arendt & Medernach.
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