Einstiegsgehälter und Karrierewege für Geisteswissenschaftler

Wer Geisteswissenschaften studiert, wird oftmals mit der Frage konfrontiert, womit man später sein Geld verdienen möchte. Die Antwort liegt für Außenstehende, aber auch für Studierende selbst, nicht immer auf der Hand. Im Gegensatz zu einer klassischen Berufsausbildung im engeren Sinne, erhalten Geisteswissenschaftler:innen vor allem eine breite Grundlage von Fähigkeiten und Methodenkenntnisse. Mit dem Abschluss in der Tasche sind sie erst einmal absolute Generalist:innen und können eine Vielfalt von Karrierewegen einschlagen.

Der Optionenreichtum kann überwältigend sein, hat aber durchaus Vorteile. Denn häufig entscheidet man sich schon in jungen Jahren für einen Beruf, den man in vielen Fällen ein Leben lang ausübt. Studierende auf Lehramt, der Medizin oder der Rechtswissenschaften wissen, wie der spätere Beruf höchstwahrscheinlich aussieht. Die Geisteswissenschaften erlauben es dir, dich zu orientieren, auszuprobieren und im Laufe der Zeit – mit Hilfe von guten Selbstkenntnissen und ersten Erfahrungen – deinen Beruf, deine Spezialisierung oder deine persönliche Nische zu finden.

Was sind also Geisteswissenschaften?

Klassischerweise werden die Geisteswissenschaften pauschal von den Naturwissenschaften unterschieden. Auch wenn die Linie nicht immer ganz so trennscharf ist, kann man nach wie vor sagen, dass sich Geisteswissenschaftler:innen im Gegensatz zu ihren Kolleg:innen aus anderen Studiengängen und Tätigkeitsbereichen vorwiegend mit sozialen, historischen, kulturellen, sprachlichen und ethischen Fragen befassen. Zu ihnen zählen beispielsweise Studierende der Philosophie, Geschichte, Kunst, Sprachen sowie Sozial- und Humanwissenschaften.

Was Geisteswissenschaftler:innen aber ausmacht: Sie können sich schnell in Themengebiete einarbeiten und recherchieren, haben Stärken in der Kommunikation, Organisation und Teamfähigkeit, besitzen eine gute Allgemeinbildung und können sich mündlich und schriftlich gut ausdrücken – zum Beispiel in Präsentationen oder Texten.

In welchen Berufen arbeiten Geisteswissenschafter:innen?

Die Fähigkeiten von Geisteswissenschaftler:innen sind fast immer gefragt, werden aber nicht selten auch schon vorausgesetzt. Deshalb müssen gerade Berufsanfänger:innen sich bei potenziellen Arbeitgebern von anderen Generalist:innen sowie Spezialist:innen abheben, um den Karriereeinstieg zu schaffen. Es ist ratsam, sich erste Zusatzqualifikationen und Praxiserfahrungen schon während des Studiums zu erarbeiten. Kurse, Seminare, Praktika, Werkstudent:innenjobs und auch ehrenamtliche Tätigkeiten helfen dir dabei, herauszufinden, was dir Spaß macht, dein Fachwissen zu erweitern und vertiefen, ein erstes berufliches Netzwerk aufzubauen und einen Fuß in die Tür bei potenziell interessanten Arbeitgebern zu bekommen.

So eröffnen sich am Arbeitsmarkt vielfältige Chancen, zum Beispiel im Medien- und Kulturbereich, der (Erwachsenen-)Bildung, der Öffentlichkeitsarbeit, dem Personalwesen, dem Tourismus, der Unternehmensberatung und Dienstleistung, bei Verbänden und Stiftungen, Museen und Archiven, Verlagen, Radio, Fernsehen und vielem mehr.

Eine Orientierungshilfe: Die Selbstanalyse

Das hört sich für dich alles interessant an und es fällt dir schwer, den ersten Schritt in eine bestimmte Richtung zu wagen? Dann setze dich zunächst mit deinem eigenen Profil auseinander. Fragen, die dir bei der Orientierung helfen können, sind zum Beispiel:

Bei deiner Selbsanalyse können dir auch Freunde und Familie gute Denkanstöße geben und dir helfen, die Perspektive zu wechseln – zum Beispiel indem sie dich daran erinnern, dass du mit deinem Organisationstalent schon die ein oder andere Freizeit gerettet hast, eine besonders geduldige Nachhilfelehrkraft bist oder aus jeder beliebigen Personengruppe ein motiviertes Team machen kannst. Zudem ist das eine tolle Möglichkeit, zu überprüfen, ob die äußere Wahrnehmung von deiner Person und deinem Verhalten mit deinem angestrebten Selbstbild übereinstimmt.

Wenn du deine Persönlichkeitsmerkmale, Kompetenzen und Verhaltensmuster kennst, kannst du diese gezielt vertiefen – und bekommst ein besseres Gefühl, welcher Job zu dir passen könnte.

Wichtig: Sei bei deiner Einschätzung selbstbewusst und bleibe authentisch – jede:r ist anders und es gilt nicht grundsätzlich, dass gewisse Eigenschaften besser sind als andere. Letztendlich bilden sie in ihrer Kombination dein einzigartiges Profil. Dennoch kannst du an der einen oder anderen Schwäche arbeiten. Umso sympathischer, wer auch mal Mut zur Selbstkritik hat.

Die ersten Schritte auf Deinem persönlichen Karriereweg als Geisteswissenschaftler:in

Nun, da du ein Bild davon hast, wohin dein beruflicher Weg führen soll, kannst du fokussiert darauf hinarbeiten und deine ersten Bewerbungen für beispielsweise ein Praktikum schreiben. Mit Hilfe deiner Selbstanalyse kennst du dein persönliches Profil und damit dein Alleinstellungsmerkmal (Dein USP, engl. Unique Selling Proposition). Damit hebst du dich vom Wettbewerb ab und kannst dich überzeugend bei Arbeitgeber:innen, die auf deinem Wunschgebiet tätig sind, vermarkten. Wer sich in den/die Personalverantwortliche:n reinversetzt, wird feststellen, dass verschiedene Kriterien über den Erfolg einer Bewerbung entscheiden.

Zunächst einmal deine Qualifikation: Dazu gehört dein Studium, aber auch Erfahrungen die du bereits sammeln konntest oder besondere Skills, wie Fremdsprachen (kulturelle Kompetenzen), ein routinierter Umgang mit neuen Medien (fachlich-methodische Kompetenzen), Kreativität (persönliche Kompetenzen) oder Belastbarkeit (Schlüsselqualifikationen). Von dir als Geisteswissenschaftler:in wird zum Beispiel eine ausgeprägte Eigeninitiative und ein hohes Maß der Selbstorganisation erwartet.

Darüber hinaus interessiert Entscheider:innen deine Leistungsmotivation: Was bewegt dich? Was treibt dich an? Das kann beispielsweise eine schnelle Weiterentwicklung und angesehene Karriere mit Führungsverantwortung, die Entfaltung deiner Kreativität und Ideen, oder auch ein gesellschaftlicher Beitrag in einer Not for Profit-Organisation sein, und ist eine ganz individuelle Sache.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist zudem, dass die Chemie zwischen dir und deinem Gegenüber passt – das gilt in beide Richtungen. Ein Vorstellungsgespräch ist kein einseitiges Prozedere und auch du darfst und solltest Dir die notwendige Sicherheit verschaffen, dass du dich in deiner neuen Rolle, mit deinen Aufgaben, mit deinem Arbeitgeber und mit deinen Kolleg:innen zukünftig wohlfühlst.

Deine Nische besetzen und ein Netzwerk aufbauen

Falls du schon ein erstes Praktikum oder einen Werkstudent:innenjob hinter dir hast, dieser dir Spaß gemacht hat und du dir grundsätzlich eine spätere Mitarbeit in der Organisation oder Branche vorstellen kannst, hast du deine persönliche Nische vielleicht bereits entdeckt. Schaden tut es in keinem Fall, den Kontakt zu deinen Kolleg:innen und Vorgesetzten aufrecht zu erhalten. Sie haben höchstwahrscheinlich weitere Kontakte in vergleichbaren Unternehmen, die für dich zukünftig spannende Aufgaben bereithalten könnten.

Das Stichwort hier lautet: Netzwerk. Wer Präsenz zeigt und im Gedächtnis bleibt, erhöht seine Chance, von Stellen zu erfahren, bevor diese überhaupt ausgeschrieben werden – oder auf persönliche Empfehlung zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Welche Geisteswissenschaften haben Zukunft?

Studiengänge der Geisteswissenschaften geraten immer mal wieder in die Kritik. Zweifel, ob du damit überhaupt eine Zukunftsperspektive hast, sind daher durchaus verständlich. Aber: Die Geisteswissenschaften unterliegen vielleicht mehr als alle anderen dem gesellschaftlichen Wandel – sie bewegen und entwickeln sich mit. Auch hier liegt der Schlüssel daher in deiner persönlichen Spezialisierung und Positionierung. Chancen winken zum Beispiel im Bereich der IT und digitalen Medien. [1]

Hier werden flexible und lernfähige Mitarbeiter:innen gesucht, die fachliche Kenntnisse, vor allem aber ausgeprägte Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten vorweisen. [2] In unserer globalisierten Welt haben interkulturelle Kompetenzen eine immer größere Relevanz. Und auch das Analysieren und Diskutieren von ethischen Fragestellungen zu rasanten technologischen Innovationen, ist für Geisteswissenschaftler:innen eine geradezu prädestinierte Aufgabe.

Wieviel verdient man als Geisteswissenschaftler?

Das Brutto-Einstiegsgehalt von Geisteswissenschaftler:innen liegt laut Stepstone-Gehaltsreport für Absolvent:innen 2021 pro Jahr bei rund 36.500 Euro. Im Durchschnitt verdienen Geisteswissenschaftler:innen etwa 52.000 Euro brutto pro Jahr – allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den verschiedenen Fachbereichen. [3]

In manchen Fällen liegt das Einstiegsgehalt gerade mal auf Mindestlohnniveau. Jedoch stehen die Entwicklungs- und Aufstiegschancen, egal ob Bachelor oder Master, in vielen einschlägigen Berufsgruppen nicht schlecht, sodass je nach Branche und mit einigen Jahren Erfahrung ein Jahresbruttogehalt um die 60.000 Euro im Rahmen der Möglichkeiten liegt.

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