Positiv auffallen mit modernen, kreativen Bewerbungsschreiben

„Sehr geehrte Damen und Herren, mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenausschreibung gelesen“ – Dass dieser Satz heute niemanden mehr vom Hocker reißt, ist bekannt. Doch wie geht es richtig und wann ist ein Bewerbungsschreiben wirklich kreativ? Wir sagen es euch.

Das Wer, Wann, Warum und Wie des modernen Anschreibens

„Sehr geehrte Damen und Herren, mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenausschreibung gelesen“ – Dass dieser Satz heute niemanden mehr vom Hocker reißt, ist bekannt. Doch wie geht es richtig und wie schreibst du passend zum kreativen Lebenslauf ein modernes ein Bewerbungsschreiben?

Das Bewerbungsschreiben, auch Motivationsschreiben genannt, gehört, neben dem Lebenslauf und Zeugnissen, zu einer vollständigen Bewerbung fast immer dazu. Auch, wenn Online-Bewerbungsformulare oder Karrierenetzwerke wie LinkedIn heutzutage dazu einladen, sich mit nur wenigen Klicks zu bewerben, ist ein persönliches Schreiben meist unverzichtbar.

Denn während der Lebenslauf in der Regel chronologisch, tabellarisch und verhältnismäßig statisch den Werdegang abbildet, kann das Bewerbungsschreiben derselben Person je nach Situation ganz unterschiedlich aussehen.

Worauf achten Recruiter:innen beim Bewerbungsschreiben?

Für Personalverantwortliche bildet das Motivationsschreiben den ersten Eindruck, mit welchem Menschen sie es zu tun haben. Auf begehrte Stellen erhalten sie Dutzende bis Hunderte Bewerbungen und müssen diese in kürzester Zeit bewerten. Neben den zwingend erforderlichen fachlichen Qualifikationen ist entscheidend, dass ein:e Kandidat:in sich von der Masse abhebt. Dafür ist das Bewerbungsschreiben prädestiniert. Denn hier kannst du einen Einblick in deine Persönlichkeit und Motivation geben und herausstellen, warum man genau dich näher kennenlernen sollte. Und dabei sind deiner Kreativität grundsätzlich keine Grenzen gesetzt.

Bevor es nun ans Eingemachte des modernen Bewerbungsschreibens geht, ein kleiner Crashkurs zu den Basics:

  • Eine persönliche Anrede ist ein Must-have. Kennst du bereits jemanden im Unternehmen, kann diese Person unterstützen, die oder den richtige:n Ansprechpartner:in für beispielsweise Initiativbewerbungen zu finden. In den meisten Stellenausschreibungen ist ohnehin jemand benannt, ansonsten hilft ein Anruf vorab.
  • Rechtschreibung und Grammatik sind Pflicht – bist du dir unsicher, bitte jemanden, dein Schreiben Korrektur zu lesen, bevor du es abschickst.
  • Faktische Einzelheiten zu deinen Abschlüssen und beruflichen Stationen finden Platz in deinem Lebenslauf. Im Bewerbungsschreiben möchten Personalverantwortliche etwas Individuelles erfahren und sehen, was deine Beweggründe für die Bewerbung auf diesen speziellen Job sind.
  • Ein allgemeines Standardschreiben, das an zahlreiche potenzielle Arbeitgeber:innen verschickt wird, ist aus dem Grund ein No-Go. Personalverantwortliche erkennen das sofort und werten es als mangelndes Interesse. Natürlich kannst du die häufig wiederkehrenden Passagen aber nach dem Baukasten-Prinzip wiederverwenden, jeweils individuell zusammenstellen und das Schreiben an einzelnen Stellen auf den betreffenden Job zuschneiden.

Wann ist ein kreatives Bewerbungsschreiben sinnvoll?

Wer an diese Punkte jeweils einen Haken setzen kann, ist schon auf einem guten Weg. Um mit dem Bewerbungsschreiben einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und sich für ein Vorstellungsgespräch zu empfehlen, braucht es jedoch meist noch etwas mehr.

Ein originelles Motivationsschreiben hilft dir einerseits, zwischen vielen Kandidat:innen mit einem vergleichbaren Profil aufzufallen, und andererseits, dein kreatives Können direkt zu belegen.

Zu den Top Gründen, die für eine kreative Bewerbung sprechen, zählen daher:

  • Du bewirbst dich in einem kreativen oder schriftstellerischen Job, zum Beispiel im Marketing, einer Werbeagentur, im Medienbereich, im Grafikdesign, usw.
  • Deine Bewerbung erfolgt initiativ. Das heißt, der Arbeitgeber ist gar nicht auf der konkreten Suche und du musst sein Interesse von Grund auf wecken.
  • Du bist Berufs- oder Quereinsteiger:in und deine Erfahrung oder fachlichen Qualifikationen stehen nicht im Vordergrund deiner Bewerbung.

Zudem spielt eine Rolle, wo du arbeiten möchtest. Bewirbst du dich bei einem eher traditionellen Unternehmen, einer konservativen Kanzlei oder im öffentlichen Dienst? Dann liegst du mit einem klassischen Brief und dem höflichen „Sie“ wahrscheinlich genau richtig. Fällt deine Wahl auf ein Start-up oder eine trendige Lifestyle-Marke, die mit Influencern auf TikTok kooperiert und auf ihren (Karriere-)Seiten duzt, kannst auch du das Schreiben deutlich lockerer und kreativer gestalten.

Schaden kann es übrigens nie, dein bestehendes Bewerbungsschreiben mal unter die Lupe zu nehmen. Teamfähigkeit, Belastbarkeit und Proaktivität sind zum Beispiel Grundvoraussetzungen und wenig aussagekräftig, den Platz für diese Floskeln kannst du dir also in vielen Fällen sparen. Besser als eine Aufzählung deiner Skills ist eine persönliche Geschichte, wo du diese erlernt, unter Beweis gestellt und zum Erfolg eines Projekts beigetragen hast. Auch das fragt schon ein gewisses Maß an „Kreativität“.

Wie erstelle ich ein modernes Bewerbungsschreiben?

Der große Vor- und gleichzeitige Nachteil des originellen Bewerbungsschreibens ist wohl: Es gibt dafür keine Blaupause, keine Checkliste und keine Vorlage zum Ausfüllen. Hier geht es um deine ganz eigene Idee und persönliche Vorstellung, was dein potenzieller Arbeitgeber als ersten Eindruck von dir bekommen soll. Nichtsdestotrotz kann eine kleine Anschubhilfe diese Ideenfindung erleichtern und deshalb haben wir ein paar Tipps, Vorschläge und Inspirationen für dich.

Der Einstieg

Dieser Teil wird von Bewerbenden oft als schwierigster wahrgenommen. Hast du schon einmal von einem Elevator Pitch gehört? Diese Selbstpräsentation in wenigen Sätzen hat das Ziel, neugierig zu machen und kann eine super Einleitung in dein Bewerbungsschreiben sein.

Der Inhalt

Im Bewerbungsschreiben geht es darum, dich als geeignete:r Kandidat:in für den Job vorzustellen. Deine Qualifikation, Erfahrung und Motivation für die Stelle sind deshalb im Hauptteil des Schreibens unverzichtbar. Hier geht es mehr um die Frage: Wie bringe ich das originell rüber? Spiele zum Beispiel mal mit unterschiedlichen Perspektiven, überraschendem Insiderwissen, einer Geschichte aus deiner Kindheit oder einem Ereignis, das dich aktuell beschäftigt. Achte nur darauf, dass das Schreiben nicht zu lang wird. Es sollte nach wie vor bestenfalls auf eine Seite passen.

Das Format

Viele Bewerbungsprozesse erfolgen heute online – das heißt, das Bewerbungsschreiben ist meistens eine Email, Bestandteil eines Formulars oder eine Anlage dazu. Kreative Möglichkeiten hast du hier in der grafischen Gestaltung, zum Beispiel in den Unternehmensfarben, oder mit weiterführenden Links: Kannst du programmieren, baue doch eine Website, auf der du dich präsentierst. Animierst du gern, entwerfe einen Avatar von dir, der sich persönlich vorstellt. Vielleicht lädst du ein Bewerbungsvideo hoch. Oder du schreibst einen Teil deines Anschreibens in Code oder Formeln, wenn du MINTler bist.

Die Tonalität

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie dein potenzieller Arbeitgeber tickt, sammle vorab erste Informationen über die Unternehmenskultur. Dafür kannst du die Stellenausschreibung, aber auch die Website, Social-Media-Kanäle oder Erfahrungen aus deinem Netzwerk nutzen. Dies hilft dir, im Bewerbungsschreiben den richtigen Ton zu treffen und die Firmensprache zu sprechen. Glaubst du, es passt zu dem Unternehmen, kann auch ein clever eingesetztes Augenzwinkern oder Humor dir Pluspunkte verschaffen.

Übrigens: du musst natürlich nicht alles Bewährte auf einen Schlag umkrempeln. Setze Kreativität dosiert ein und drehe an ausgewählten Stellschrauben – so, dass es sich für dich richtig und authentisch anfühlt. Du darfst dich aber ruhig etwas trauen!

Wie löse ich Kreativitäts- und Schreibblockaden?

Auf Knopfdruck kreativ zu sein, ist eine Kunst. Während an manchen Tagen die Ideen nur so sprudeln, braucht es an anderen länger, um aus der Komfortzone herauszukommen. Keine Sorge: Das geht auch den erfahrensten Berufs-Kreativköpfen manchmal so. Ihr Geheimnis? Sie arbeiten mit verschiedenen Kreativitätstechniken, die es sich auch bei Schreibblockaden auszuprobieren lohnt.

Brainwriting

Eine niedrigschwellige Methode ist das Brainwriting. Ähnlich wie beim Brainstorming sammelst du hier erst einmal alle Ideen, die dir in den Sinn kommen, ohne diese zu bewerten. Stelle dir einen Timer, zum Beispiel für fünf Minuten, und schreibe ohne Pause einfach darauf los. Du darfst dabei frei assoziieren, vom einen zum nächsten Thema springen, einen Fließtext oder nur einzelne Schlagworte aufschreiben.

Wenn die Zeit abgelaufen ist, nimmst du dir eine kurze Pause und fängst erst dann mit der Sortierung und Bewertung deiner zusammengetragenen Ideen und Gedanken an. Ergibt sich daraus vielleicht sogar schon eine Struktur, ein roter Faden oder ein zentrales Thema für dein Schreiben?

Bisoziation

Kommen dir die besten Ideen auch immer dann, wenn du gerade mit etwas ganz anderem beschäftigt bist? Dann ist die Bisoziation vielleicht eine passende Methode für dich. Diese Kreativitätstechnik funktioniert nach dem Prinzip, zwei augenscheinlich ganz verschiedene Dinge zusammenzubringen. Auf der einen Seite steht dein Traumjob oder du als Kandidat:in – auf der anderen ein zufällig ausgewählter Gegenstand, ein Tier oder ein Wort von einer willkürlich aufgeschlagenen Seite in einem Buch.

Vielleicht möchtest du auch raus an die Luft gehen und dir etwas aussuchen, was dir spontan über den Weg kommt. Jetzt versuchst du, diese beiden Themen auf dem Papier zu verbinden. Wie hängen sie zusammen? Wo treffen sie aufeinander? Worin ähneln sie sich? Wie ergänzen sie sich? Auf diese Weise erzwingst du ungewöhnliche Ideen und trainierst deine Kreativität.

Reverse Assumptions

Bei dieser Methode wird die Frage, das Problem oder die damit verbundenen Annahmen umgekehrt. Das kann dir helfen, unkonventionell an dein Bewerbungsschreiben ranzugehen. Stelle dir beispielsweise vor, du möchtest diesen Job auf gar keinen Fall. Wie würde dein Brief dann aussehen? Oder bilde dir ein, der Recruiter ist der Bundeskanzler oder ein kleines Mädchen im Schulalter. Wie könntest du sie überzeugen, dich zum Vorstellungsgespräch einzuladen?

Walt-Disney-Methode

Diese Kreativitätstechnik hilft dir, die Perspektive zu wechseln und dich von hemmenden Gedanken zu lösen. Nacheinander versetzt du dich in drei verschiedene Rollen: der Träumer, der Realist und der Kritiker. Sie werden nicht vermischt! Solange du in der Rolle des Träumers bist, tust du genau das: Du stellst dir vor, was alles möglich wäre, wenn du deinen Traumjob schon hättest.

Du blickst in die Zukunft und malst dir den Erfolg aus, den du mit deinem Arbeitgeber gemeinsam schaffen möchtest. Als Kritiker darfst du hinterfragen: Wo sind deine Schwächen, was musst du vielleicht noch lernen? Und als Realist schaust du auf das Hier und Jetzt. Was kannst du mit deinen bestehenden Kompetenzen und Ressourcen konkret tun und bewirken?

Unser Tipp

ChatGPT ist gerade in aller Munde – das Tool gibt dir per künstlicher Intelligenz Tipps und Tricks für deine Bewerbung, oder schreibt sie gleich ganz für dich. Wenn du möchtest, spiele gerne einmal damit und probiere es aus. Auch so können ganz neue Ansätze, Inspirationen und Ideen entstehen. Dein komplettes Bewerbungsschreiben per KI zu generieren ist allerdings nicht empfehlenswert.

Schließlich suchen Personalverantwortliche nicht nach einer Maschine, sondern nach einem Menschen, der ins Team passt. Und spätestens bei der ersten kreativen Aufgabe im neuen Job fällt auf, dass du darin vielleicht doch nicht so geübt bist.

Birgit Klaus, Bewerbermarketing, IQB Career Services
Autorin
Birgit Klaus

Birgit Klaus ist Expertin für den Berufseinstieg. Seit 2015 ist sie selbständige Personalberaterin. Spezialisiert ist sie auf die Beratung von Studierenden am Beginn von Arbeitsleben und Karriere. Dabei gibt sie ihre Erfahrungen aus langjähriger Tätigkeit im Personal- und Hochschulmarketing im gesamten deutschsprachigen Raum weiter. Als Projektleiterin hat sie zudem zahlreiche Recruitingprozesse begleitet. Bei IQB Career Services führt Birgit Klaus die Workshops für Bewerberinnen und Bewerber durch und ist für das Marketing und die Kommunikation mit Kooperationspartnern verantwortlich.