Wie wichtig ist der Lebenslauf? – Darauf achten Personaler wirklich

Da sitzt man stundenlang an der Bewerbung und dann schauen Personaler nur ein paar Sekunden hin. Was? Wirklich? Eine Umfrage unter Personal-Experten zeigt, welche Bausteine bei Bewerbung und Lebenslauf besonders wichtig sind und wie lange sie sich damit beschäftigen. 

Wie viel Zeit verbringt man als Bewerber:in wohl mit dem Schreiben einer Bewerbung? Man informiert sich gründlich über das Unternehmen, verfasst ein eloquentes Anschreiben, formatiert den Lebenslauf drei mal um, damit er auf eine Seite passt und trotzdem alle besonders wichtigen Qualitäten und Qualifikationen abbildet, sortiert Arbeitszeugnisse … Das kann ja schon mal ein paar Stunden dauern! Und wie lange schauen Personaler drauf? Das zeigt eine Umfrage von Stepstone (1). 

Umfrage: Wie wichtig ist der Lebenslauf? 

Von den drei Bestandteilen einer Bewerbung – Lebenslauf, Motivationsschreiben, Arbeitszeugnis – ist der Lebenslauf mit Abstand der wichtigste. Das ergab eine Umfrage unter Personalern. 68 Prozent sehen ihn auf Platz 1. 

Grafik: Für 68% der Personaler steht der Lebenslauf an erster Stelle - Die wichtigsten Bausteine der Bewerbung aus Sicht von Personalern
Infografik „Der Lebenslauf unter der Lupe“:
Für 68% der Personaler steht der Lebenslauf an erster Stelle

Welche Art von Lebenslauf wird von Personalern bevorzugt? 

Was das Ergebnis dieser Umfrage nun für dich als Bewerber:in bedeutet? Schenk deinem Lebenslauf wirklich Aufmerksamkeit, wenn du ihn erstellst. 

Rechtschreibfehler sind sowieso ein absolutes No-Go beim Bewerben, aber auch Format und Aufbereitung spielen eine große Rolle. 

Knapp 55 Prozent der befragten Personalverantwortlichen gaben darüber hinaus an, dass sie einen klassischen CV bevorzugen. Etwas weniger, 45 Prozent, sehen lieber einen grafisch besonders aufbereiteten Lebenslauf. 

Hier kommt es auch auf die Branche und auf die Stelle an, für die du dich bewirbst. Hippe Start-ups sind womöglich offener für außergewöhnliche Formate als Behörden, die unter Umständen einen klassischen Lebenslauf bevorzugen. 

Wie lange beschäftigen sich Personaler mit einem Lebenslauf? 

Tja, das ist nun wirklich extrem einschüchternd: 43 Sekunden. Die befragten Recruiter schätzen, dass sie sich pro Lebenslauf zwei Minuten Zeit nehmen. Studien mit Eyetracking widerlegen diese Einschätzung und belegen, dass es nicht mal eine Minute ist. 43 Sekunden, die über deine berufliche Zukunft entscheiden können. Da zählt der erste Eindruck wirklich! 

Das bedeutet: Lebenslauf besonders ordentlich und gut aufbereiten, doppelt und dreifach auf Rechtschreibfehler checken oder checken lassen. 

Wie wichtig ist das Motivationsschreiben? 

Auf Platz zwei der Bewerbungsolympiade steht das Motivationsschreiben mit 22 Prozent. Somit landet es weit hinter dem Lebenslauf, ist aber natürlich trotzdem nicht zu vernachlässigen. Über das Motivationsschreiben erfährt der potenzielle Arbeitgeber mehr über dich. Hier kann man mit Inhalten überzeugen, die nicht ins Anschreiben gehören und keinen Platz in einem formellen, klassischen Lebenslauf haben. 

Was ist ein Motivationsschreiben? 

Das Motivationsschreiben ist nicht das Anschreiben. Das Motivationsschreiben wird auch als „dritte Seite“ betitelt, da es nach dem formellen Anschreiben und dem Lebenslauf als wichtiges Dokument bei der Bewerbung gilt. 

Diese Inhalte sollte ein Motivationsschreiben enthalten: 

Hier findest du vier wertvolle Tipps, welche Soft Skills du in deiner Bewerbung unterbringen kannst: 

Wie wichtig sind Arbeitszeugnisse? 

Laut der Umfrage unter Personalern steht das Arbeitszeugnis nur auf dem dritten Platz im Rennen um die wichtigsten Bausteine der Bewerbung. Das heißt aber nicht, dass du damit schlampig umgehen kannst. Arbeitszeugnisse müssen trotzdem eingereicht werden. Denn wie eine andere Umfrage gezeigt hat, führen unzureichende Arbeitszeugnisse in vielen Fällen zu einer Ablehnung der Bewerbung. 

Was führt zu einer Ablehnung einer Bewerbung? 

Manchmal hat man einfach Pech, es gab bessere Bewerber oder die Stelle wurde schon intern vergeben. Klar, kann sein. Oder es ist doch einer der folgenden Gründe, die von Personalern als Hauptgründe für das Nicht-Einstellen von Bewerber:innen genannt werden (2): 

Wie du diese Stolperfallen lässig umgehen kannst, erfährst du hier:  

Wie wichtig ist die Rechtschreibung in der Bewerbung? 

Wenn es um Rechtschreibung und Grammatik geht, sind Personaler:innen strenger als man vermutet. So ein kleiner Fehler kann ja nicht schlimm sein, denkt wohl manche:r Bewerber:in. Falsch. Bei Rechtschreibfehlern und groben Grammatik-Schnitzern verstehen die Personalverantwortlichen keinen Spaß! Einem Drittel genügt schon ein Fehler in der vorliegenden Bewerbung, um eine Absage zu erteilen, ergab eine Umfrage von Alma Mater und Karrierebibel.de (3).

Infografik "Darauf achten Personaler": Bei mehr als 3 Rechtschreibfehlern ist Schluss
Infografik „Darauf achten Personaler“: Bei mehr als 3 Rechtschreibfehlern ist Schluss

Noch radikaler wird es bei mehr als drei Fehlern: Das ist für ca. 70 Prozent der Personaler:innen ein absolutes Ausschlusskriterium. Drei Fehler – das kann bei Anschreiben, Motivationsschreiben, Lebenslauf etc. schnell passieren. 

Wie vermeidet man Rechtschreibfehler in der Bewerbung? 

Natürlich könnte man sich auf die gängigen Rechtschreibprogramme verlassen. Besser ist es jedoch, wenn ein zweites Augenpaar deine Unterlagen nochmal checkt und auf Fehler untersucht. 

Tipp: Nicht nur Rechtschreibung und Grammatik sind außerordentlich wichtig in deinen Bewerbungsunterlagen. Auch Ansprechpartner, Adressen und der exakte Jobtitel, auf den man sich bezieht, sollten stimmen. Sonst wird`s entweder sehr peinlich oder deine Bewerbung landet einfach direkt auf dem Absagenstapel. 

Checken Personaler:innen meine Social Media Kanäle? 

Ja. Es ist mittlerweile fast unmöglich, im Internet keine Spuren zu hinterlassen. Wer keine eigenen Social Media Accounts hat, wird vielleicht auf einem Bild von Freund:innen, Kolleg:innen oder Bekannten erwähnt … 

62 Prozent der Personaler:innen checken die Internetprofile der Bewerber:innen. Der erste Weg führt die meisten dabei auf die Jobprofil-Plattform Xing, aber es wird auch nach deinem Namen gegoogelt oder auf Facebook nach dir gesucht. 
Im Jobkontext sollte dein Xing-Profil auf dem neusten Stand und mit sinnvollen Informationen angereichert sein. Für andere Social Media Kanäle gilt: Ein privat eingestelltes Profil ist meistens eine gute Idee.

Beim Bewerben ist es wie so oft im Leben: Der erste Eindruck zählt

Auf den ersten Blick mag es ungerecht erscheinen, dass man sich selbst stundenlang mit einer Bewerbung auseinandersetzt, ein Personaler aber in Sekundenschnelle (wortwörtlich) darüber entscheidet, ob man zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird oder nicht. 

Aber zum Einen sind Personaler gut darin trainiert, die wesentlichen Details zu erfassen und haben ein geschultes Auge für Bewerbungen. Zum Anderen muss man als Bewerber:in irgendwann nicht mehr alle Unterlagen von Grund auf neu aufsetzen. 

Deine Unterlagen sollten natürlich immer individuell zur Stelle passen, aber wenn man die Bausteine seines Lebenslaufs grundsätzlich aufbereitet hat, ist er zukünftig schnell angepasst. Wer seine Fachkompetenzen, die Soft Skills und berufliche Ziele einmal schriftlich erarbeitet hat, kann auf diesen Bestandteilen aufbauen. 

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