Referendariat Jura, Lernen und Nebenjob vereinbaren: Die besten Tipps

Wann und wo soll ich mein Referendariat absolvieren? Sobald man für sich persönlich eine Antwort auf diese Frage gefunden hat, geht es an die Bewerbung für das Referendariat. Was ist dabei zu beachten? Der folgende Beitrag soll anhand des Beispiels Hessen einige Tipps und Hinweise für die Bewerbung und den typischen Ablauf des Referendariats geben.

Bewerbung für das Referendariat

Die Bewerbung für einen Referendariatsplatz ist nicht einheitlich geregelt. Klar sollte man sich auch darüber sein: Das Examen selbst garantiert noch nicht die Aufnahme in den juristischen Vorbereitungsdienst zum gewünschten Zeitpunkt am Wunschort. Berlin gilt beispielsweise seit Jahren als überfüllt und ist mit erheblichen Wartezeiten verbunden, selbst wenn man sich mit einem zweistelligen Examen bewirbt. Gleiches gilt in Hessen wohl für Frankfurt. Auch hier sind die Schwierigkeiten für Auswärtige in der Regel größer. In Hessen muss man aber mindestens drei Wunschorte bzw. Gerichtsbezirke angeben. Häufig ist es dann so, dass es zwar nicht Frankfurt, aber beispielsweise Darmstadt oder Hanau wird. Sollte man sich dafür aber nicht erwärmen können, muss man Wartezeit in Kauf nehmen. Dabei bietet die Ausbildung in Darmstadt oder Hanau sicherlich die gleichen Chancen wie in Frankfurt. Es kommt – wie immer – auch auf die eigene Einstellung und den Ausbilder an, ob einem die Station zusagt oder nicht und ob man etwas mitnehmen kann.

Bewerbungsunterlagen frühzeitig anfertigen

Bei den Bewerbungsunterlagen kann auf die Merkblätter der jeweiligen Oberlandesgerichte verwiesen werden. Wichtig und sicher für viele überraschend ist sicherlich, dass man zumindest in Hessen auch zwei beglaubigte Kopien der Geburtsurkunde benötigt sowie gegebenenfalls beglaubigte Kopien der Ehe-, Scheidungs- und Geburtsurkunden der Kinder (dreifach). Ebenfalls benötigt man ein polizeiliches Führungszeugnis. Man sollte sich daher frühzeitig um diese Unterlagen kümmern, damit man nicht die Fristen versäumt, weil diese Unterlagen noch nicht vorliegen!

Kann man sich im Referendariat eine Station wünschen?

Häufig haben Referendare den Wunsch, einem bestimmten Gericht oder einem bestimmten Bereich – beispielsweise der Kammer für Handelssachen – zugewiesen zu werden. Dies kann man selbstverständlich in der Bewerbung erwähnen, allerdings besteht kein Anspruch, dass man wirklich zugewiesen wird. Wer wegen einem besseren Anfahrtsweg einen Wunsch nennt oder weil die Ausbildung an dem Gericht sehr gut sein soll, kann Glück haben, dass die Stelle frei ist und man am Ende dort startet – regelmäßig wird dies aber aufgrund der Kapazitäten nicht möglich sein.

Nebentätigkeit muss genehmigt werden

Wie schon im vorherigen Beitrag erwähnt – von der Unterhaltshilfe kann man kaum leben. Das gilt vor allem, aber nicht nur, für ein Referendariat in der Großstadt. Alleine die Wohnkosten werden regelmäßig einen Großteil der Beihilfe verschlingen. Daher ist häufig eine Nebentätigkeit notwendig – und diese muss genehmigt werden. Das sollte am besten direkt bei der Bewerbung angesprochen werden. Auch hier gibt es bestimmte Vorgaben, an die sich gehalten werden muss. Z.B. muss im Vertrag stehen, dass man die Tätigkeit nur außerhalb des Referendariats wahrnimmt und Referendariatsaufgaben immer Vorrang haben. Achtung: Es genügt nicht, dass sich dies aus dem Vertrag ergibt. Vertragsauslegung wird nicht betrieben.

Einführungslehrgang markiert den Start des Vorbereitungsdienstes

War die Bewerbung erfolgreich, erhält man die Zusage und im Anschluss die Zuweisung zu einem Gericht und dem jeweiligen Ausbilder in der Zivilstation. Nach einer kurzen Einführungsveranstaltung lernt man dann seine Referendariatsgruppe kennen sowie den AG-Leiter. Danach folgt ein Einführungslehrgang, je nach Bundesland ein bis zwei Wochen, bevor es zum Ausbilder geht. Der Einführungslehrgang soll dabei die Grundlagen für die Zivilstation bereiten. Auch hier gilt wie immer: Es gibt gute und weniger gute AG-Leiter – beeinflussen kann man dies nicht.

Klausurenkurs direkt zu Beginn des Referendariats belegen?

Eine Frage, die sich viele stellen, ist, ob man gleich in den Klausurenkurs am Gericht gehen soll. Das ist aber klar zu verneinen. Erstmal sollte man lernen, wie man ein Urteil schreibt, und man kann sich nach der Station entscheiden, zu den zivilrechtlichen Klausuren zu gehen. Das Strafrecht empfiehlt sich dann auch nach der Station mit den Klausuren am Gericht.

Sollte man während des Referendariats ein Repetitorium machen oder nicht?

Repetitorium ja oder nein? Was mich betrifft, so habe ich zwar für das erste Examen, aber nicht für das zweite Examen ein Repetitorium (kurz: Rep) genutzt. Hier muss man wie beim ersten Examen für sich selbst entscheiden, ob man diese Art der Examensvorbereitung benötigt oder es auf anderen Wegen versucht. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten: Diejenige des Reps mit festen Zeiten für die Disziplin, wenn man diese nicht selbst aufbringt, das Online-Rep, die Lerngruppe oder die klassische Selbstdisziplin. Hier muss wirklich der eigene Weg gefunden werden – nur man selbst kennt sich am besten.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Repetitorium während des Referendariats? Aus den Erfahrungen, die ich mitbekommen habe, mag das Rep gleich zu Beginn überfordern, sodass man doch schon einige Grundlagen mitbringen sollte, um sich mit der neuen Arbeitsweise bekannt zu machen. Es gibt natürlich Sonderfälle wie bei mir, die schon zu Beginn deutlich mehr machen mussten. Bei mir lag dies an meinem Auslandsaufenthalt in der Verwaltungsstation, während der ich natürlich weniger lernte und stattdessen das Land erkundete. Hätte ich die Station in Deutschland absolviert, hätte ich mich möglicherweise wieder ganz klassisch für ein Rep entschieden.

Die Verwaltungsstation im Referendariat: Nicht dem Zufall überlassen

In Hessen kann man im Anschluss den Wunsch äußern, ob man zur Staatsanwaltschaft oder einem Strafrichter möchte. Eine Garantie, dass der Wunsch berücksichtigt wird, gibt es nicht. Selbst den Ausbilder auszusuchen, soll nicht mehr möglich sein. Die Verwaltungsstation kann man sich frei aussuchen. Macht man dies nicht, wird man zugewiesen. Meiner Meinung nach sollte man dies vermeiden – auch die Ausbilder wissen, wer zugewiesen wurde. Die Verwaltungsstation in meinem Umfeld die unbeliebteste Station –  ich kannte niemanden, der im Anschluss in die Verwaltung oder gar in das Verwaltungsrecht wollte. Trotzdem kann man hier während des Referendariats eine sehr gute Zeit verbringen. 

Auslandsaufenthalt im Referendariat planen: So viel Vorlauf muss sein

Will man ins Ausland, sollte man sich frühzeitig kümmern. Ich kenne aber genug Personen, die dies in Hessen für die Auslandsstation in der Verwaltung in der Strafstation, also zwei bis drei Monate vor Beginn der eigentlichen Station vornahmen. Gleiches gilt für die Anwalts- und Wahlstation. Natürlich erhöht ein frühzeitiges Bewerben die Chancen, sodass ich ein halbes Jahr, bei der Wahlstation im außereuropäischen Ausland sogar acht bis neun Monate Vorlauf empfehle. Tipps für die besten Stationen kann ich dabei leider nicht geben – ich hatte durchweg gute Stationen, habe diese aber auch nach meinen Interessen ausgerichtet. Daher war ich gleich zweimal im Ausland uns musste zu Beginn deutlich mehr lernen, als wenn ich die gesamte Verwaltungsstation in Deutschland absolviert hätte.

Im Vorbereitungsdienst die Weichen für die Zukunft stellen

Aber im Referendariat kann man schon einige Weichen stellen. Wer später zur Staatsanwaltschaft möchte, sollte sicherlich versuchen, dies auch in der Ausbildung kennenzulernen. Wer zum Landratsamt möchte, sollte dort die Verwaltung absolvieren, wer die Wunschkanzlei hat, sollte versuchen, dort erste Erfahrungen zu sammeln. Hier kommt es wie so oft auf den eigenen Weg an. Der einzige Tipp, den ich geben kann, ist zu versuchen, im Referendariat möglichst viel mitzunehmen und kennenzulernen. 

Abschließend kann ich nur sagen: Im Referendariat kann man tolle Erfahrungen sammeln und trotz mitunter großem Arbeitsvolumen die Zeit auch genießen – und dies sollte man auch nutzen!