Praktikum in der Großkanzlei – wie nutze ich diese Chance am besten?

Ein Praktikum in einer Großkanzlei bietet tolle Chancen – man kann in neue Rechtsgebiete hineinschnuppern, den Anwaltsberuf im Alltag erleben und vor allem neue Kontakte knüpfen. Doch bevor es los geht, hast Du bestimmt einige Fragen: Kann ich die Erwartungen erfüllen? Wie sieht der Tagesablauf in einem großen Anwaltsbüro aus? Wie viele Stunden werden wir arbeiten? Was ziehe ich an? Komme ich mit den Kollegen klar? Natürlich ist nicht jede Kanzlei gleich – aber es gibt ein paar Dinge, die man schon im Vorfeld berücksichtigen kann.

Vorbereitung auf das Praktikum

Es klingt ein bisschen nach einer Binsenweisheit – aber die Vorbereitung auf das Praktikum in der Großkanzlei ist wirklich wichtig. Meistens bewirbt man sich auf einen bestimmten Bereich der Kanzlei oder man bekommt vorher Bescheid, welcher Abteilung man zugeteilt wird. Setze dich ein paar Wochen vor dem Start an den Schreibtisch und wiederhole z.B. die Grundlagen des Gesellschafts- oder Prozessrechts. Keine Sorge: Niemand erwartet, dass Du schon ein umfassendes Wissen mitbringst – und es wird Dich auch keiner abfragen. Denn schließlich bist Du ja zum Lernen dort. Aber trotzdem sind die Basics wichtig und Du wirst positiv auffallen, wenn Du Dich in den Grundlagen auskennst – wenn Fragen aufkommen und Du Antworten parat hast, macht das einfach einen guten Eindruck. Außerdem könntest Du Dein Juristenenglisch ein wenig aufbessern. Der Alltag in der Großkanzlei läuft – teilweise abhängig vom Rechtsgebiet – oft auch auf Englisch ab. Da schaden ein paar Grundbegriffe definitiv nicht.

Bloß nicht rumsitzen – Interesse zeigen im Praktikum

Vor allem bei einem Praktikum in den Sommermonaten kann es passieren, dass aufgrund der Ferien auch mal weniger zu tun ist. In solchen Fällen sollte man natürlich nicht desinteressiert am Schreibtisch sitzen und im Internet surfen. Werde stattdessen selbst aktiv und frage die Kollegen, ob Du ihnen etwas abnehmen kannst oder ob sie eine Aufgabe für Dich haben. Wenn in Deiner Abteilung wirklich gerade nichts zu tun ist, kannst Du vielleicht auch bei anderen Anwälten nachfragen, ob sie kleinere Aufgaben für Dich haben. Das zeigt nicht nur Engagement, sondern gibt Dir unter Umständen sogar die Möglichkeit, noch in ein zusätzliches Rechtsgebiet reinzuschnuppern. Das sollte vorher aber immer mit dem für Dich zuständigen Partner abgeklärt sein. Das gilt übrigens auch fürs Lernen: Nicht überall wird es gerne gesehen, wenn Du die Zeit mit deinen Uni-Materialien verbringst. Auch hier gilt es also, das vorher abzuklären!

Eine weitere Möglichkeit für ruhige Tage sind beispielsweise auch Webinare oder andere Online-Kurse, die oftmals intern für die Mitarbeiter der Kanzleien angeboten werden. Frage einfach mal nach, ob es ein solches Angebot gibt und klicke Dich ein wenig durch. Das zeigt, dass Du Dich wirklich bemühst und etwas dazu lernen willst.

Kontakte knüpfen beim Mittagessen

Die Verabredung zur Mittagspause ist oft ein wichtiger Teil des Büroalltags. Doch von dem ohnehin nicht immer sehr üppigen Gehalt der Großkanzlei bleibt nicht wirklich etwas übrig, wenn Du jeden Tag mit den Kollegen zum Mittagessen losziehst. Eine eigene Mensa gibt es nur selten und der Partner oder die Anwälte sind nicht immer so großzügig, Dich ständig einzuladen. Dennoch ist das gemeinsame „Lunchen“ eine super Möglichkeiten, mit Anwälten aus anderen Bereichen in Kontakt zu kommen und Deine Bekanntschaften ein wenig auszuweiten. Ein guter Kompromiss ist es, sich zwei oder drei Mal die Woche etwas Eigenes zu Essen mitzubringen und vielleicht mit anderen Praktikanten zusammen zu sitzen. Manche Einladungen zum Mittagessen sollten aber definitiv nicht ausgeschlagen werden – besonders, wenn sie von den Chefs kommen.

Wie geht man mit Klatsch und Tratsch in der Kanzlei um?

Wenn Du längere Zeit in einer Kanzlei verbringst, bekommst Du sicher einiges aus dem Büroalltag mit – vielleicht auch den Klatsch und Tratsch der Kollegen. Mein Tipp dafür: Unbedingt raushalten! Auf keinen Fall solltest Du Dich als „Außenstehender“ einmischen. Sollten Kollegen sich Dir gegenüber über Andere oder ihren eigenen Unmut äußern, dann lasse dich nicht darauf ein, bleibe neutral und versuche am besten, das Thema zu wechseln.

Die Kleider-Frage in der Großkanzlei: Was ziehe ich an?

Zu guter Letzt eine Frage, die sich wohl die meisten angehenden Praktikanten stellen: Was ziehe ich bloß an? Mittlerweile finden sich im Internet zahlreiche Anleitungen, Do’s und Don’ts und andere Tipps. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: lieber overdressed als underdressed! Unter den Kollegen fällt es eher auf, wenn jemand zu lässig oder sportlich unterwegs ist. Es wird Dich aber vermutlich keiner schief angucken, wenn Du gutsitzende und aufeinander abgestimmte Kleidung trägst. Gut angezogen zu sein, zeigt auch, dass Du Dein Praktikum in der Kanzlei ernst nimmst.

Fazit: Das Praktikum in der Großkanzlei bietet viele Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln

Das Praktikum in der Großkanzlei ist eine super Gelegenheit, spannende Erfahrungen im täglichen Juristenalltag zu machen. In erster Linie sollst Du interessante Einblicke gewinnen. Vieles pendelt sich schneller ein, als Du denkst, und man bekommt ein Gefühl für die Abläufe und Gepflogenheiten der Kanzlei. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sowohl die Anwälte als auch die Personaler stets sehr freundlich sind und versuchen, dir bei allen Unklarheiten weiterzuhelfen. Die allermeisten haben ja genauso angefangen wie du selbst. Und Fragen kostet bekanntlich nichts!

Mein allerletzter Tipp aber, den du während deiner Praktikumszeit immer im Kopf behalten solltest: Hab vor allem Spaß! Schnuppere die Großstadtluft und freue dich auf die schicken Büros und neuen Kontaktmöglichkeiten – denn der Unialltag kommt schneller zurück, als man denkt.

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