Go East Stipendium – LL.M. an der Jagiellonen Universität in Krakau

Die Austauschbilanz zwischen deutschen Hochschulen und Hochschulen in den Ländern Ost- und Südosteuropas sowie des Südkaukasus und Zentralasiens ist nicht ausgewogen. Im Jahr 2002 wurde vom DAAD mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) das Programm „Go East“ initiiert, um das Interesse deutscher Studierender an den o.g. Ländern zu steigern.

2021 ermöglichte der DAAD 239 deutschen Studierenden die Teilnahme an Sommerschulen in Ostmittel-, Südost- und Osteuropa, Zentralasien und dem Südkaukasus. 48 deutsche Studierende und Graduierte konnten mit einem DAAD Stipendium ein Praktikum in einem Unternehmen in der Russischen Föderation absolvieren.

Go East Stipendium

Go East ist nicht nur die Bezeichnung eines Stipendiums, mit dem LL.M. Kandidat:innen in Polen gefördert werden, sondern gleichzeitig auch eine herzliche Aufforderung an alle Leser:innen dieses Beitrags. Es gibt viele gute Gründe für ein LL.M. Studium in Krakau. Allen voran das kulturelle Erbe der Stadt und der Universität. Daneben sprechen aber auch Karrierechancen und Finanzierbarkeit eindeutig dafür, den Blick auch in Richtung unseres östlichen Nachbarn zu richten.

Die Jagiellonen-Universität Krakau

Die Jagiellonen-Universität (UJ) ist die zweitälteste Universität Mitteleuropas. Sie wurde durch den polnischen König Kasimir den Großen 1364 gegründet. Das Collegium Maius der UJ steht damit seit 658 Jahren im Zentrum der Stadt und sieht nach einer Sanierung zum 650. Geburtstag besser aus denn je. Aufgrund ihres Alters zählt die UJ viele Vordenker:innen unserer heutigen Zeit zu ihren Alumni.

Dem bekanntesten wurde auf dem zentralen Platz vor dem Collegium Novum ein Denkmal gesetzt: Nikolaus Kopernikus, auf den unser heutiges, heliozentrisches Weltbild maßgeblich aufbaut, studierte von 1491 bis 1494 die „Sieben Freien Künste“ an der UJ, namentlich Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. Die Universität ist regelmäßig unter den besten osteuropäischen Universitäten gelistet und ist die renommierteste Universität Polens. Das macht sich in der hohen Qualität der Dozent:innen bemerkbar.

Das deutschsprachige LL.M. Programm

Das deutschsprachige LL.M. Programm ist eine Kooperation deutscher Universitäten und der UJ, das maßgeblich vom DAAD finanziell unterstützt wird. An der „Schule des polnischen Rechts“ der UJ werden deutsche Jurist:innen in die Grundlagen des polnischen Rechts eingeführt. Daneben beinhaltet das Programm ein breites Spektrum europarechtlicher Themen und Einschläge sowie umfassende Vergleiche zum deutschen Recht. Die polnischen Dozent:innen halten die Vorlesungen auf Deutsch, sodass es nicht notwendig ist, Polnisch zu sprechen.

Teil des Programms ist darüber hinaus ein 80-stündiger Sprachkurs, um vor Ort Polnisch zu lernen oder seine Sprachkenntnisse auszubauen beziehungsweise zu festigen. Ebenso wird ein Landschaftskunde Kurs angeboten, der aus gemeinsamen Ausflügen zu Sehenswürdigkeiten und Exkursionen ins Umland besteht. Das erste Semester beinhaltet diverse, sehr interessante Vorlesungen, unter anderem zum Verfassungsrecht – Polen hat die zweitälteste Verfassung der Welt! – mit den entsprechenden Abschlussklausuren. Im zweiten Semester wird dann neben einem Präsenzseminar die Masterarbeit geschrieben.

Die Gesamtkosten des LL.M. betragen 4.500 Euro, mit dem Stipendium des DAAD können sie aber auf 3.000 Euro verringert werden. Das Stipendium beinhaltet darüber hinaus auch noch einen Zuschuss zu den Lebenshaltungskosten in Höhe von 300 Euro für die ersten vier Monate. Es gibt natürlich keine Garantien für die Gewährung eines Stipendiums, man hat bei einer Bewerbung aber sehr gute Chancen, in den Genuss der Förderung zu kommen.

Krakau – die „heimliche Hauptstadt“ Polens

Krakau ist eine der schönsten Städte Europas. Vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont geblieben, stehen Jahrhunderte alte Markthallen neben Kirchen, Stadtmauern und einer fast 1.000 Jahre alten Burg. Mitten durch die Stadt fließt die Wisla, an der man verweilen und entspannen kann. Der Zentrale Marktplatz in Universitätsnähe bietet Restaurants, Bars, Clubs und vieles mehr.

Das jüdische Viertel Kazimierz im Süden der Stadt ist mit vielen alternativen Bars und Ausgehmöglichkeiten das Szene-Viertel und steht dem Stadtkern in nichts nach. Für Naturbegeisterte gibt es Berge, Wälder, Seen in unmittelbarer Nähe. Alles in allem unschlagbar. Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu Deutschland sehr angenehm. Zwar liegen die Mieten auf ähnlichem Niveau. Für Essen, Trinken, Eintrittsgelder oder Einkäufe muss allerdings nur ungefähr die Hälfte veranschlagt werden.

Der unterschätzte Nachbar als Karrierechance

Polen ist der drittgrößte europäische Handelspartner Deutschlands mit einem Volumen von ca. 123 Milliarden Euro jährlich. Dieses enorme Handelsvolumen bringt eine Vielzahl rechtlicher Fragestellungen aus Handelsrecht, Gesellschaftsrecht sowie dem Europarecht mit sich.

Alle bekannten Großkanzleien haben entweder eigene Büros in Polen (Linklaters, Noerr, CMS etc.) oder arbeiten eng mit Partnerkanzleien zusammen. Aber auch kleinere Kanzleien beschäftigen sich regelmäßig mit grenzüberschreitenden Sachverhalten, die Polen und Deutschland betreffen. Mit einem Einblick in die Rechtssysteme beider Länder haben LL.M. Kandidat:innen einer in Polen so bekannten und renommierten Universität wie der UJ einen klaren Vorteil.

Go East, es lohnt sich!

Dieser Artikel erschien zuerst im mylawguide 2021, dem Karrierehandbuch für Juristinnen und Juristen.

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