Juristenmangel in Deutschland: Richterinnen und Anwälte dringend gesucht

Von der Schwemme zur Lücke: In Deutschland wird es in der nächsten Zeit immer weniger Juristinnen und Juristen geben. Während viele Anwälte und Richterinnen auf die Rente zusteuern, kommen zunehmend weniger Absolvent:innen auf den Arbeitsmarkt. Was bedeutet der kommende Juristenmangel für die Nachwuchskräfte? Wir haben uns die Zahlen ein wenig genauer angeschaut.

Wie viele Juristen und Juristinnen gibt es überhaupt in Deutschland?

165.680 Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen gibt es derzeit in der Bundesrepublik. Das geht aus aktuellsten Zahlen der Bundesrechtsanwaltskammer hervor (1). Interessant dabei: Der Zuwachs ist schon seit einigen Jahren nicht mehr so stark wie früher. Während von 1997 bis 2002 die Zahl der Jurist:innen in Deutschland jedes Jahr um mindestens 6000 stieg, waren es zwischen 2015 und 2019 jeweils nur wenige Hundert. Von 2020 auf 2021 ging die Zahl sogar um 221 Anwälte und Anwältinnen zurück. 

Die Zahl der Richter:innen in Deutschland lag nach Angaben des Bundesamt für Justiz (2) im Jahr 2018 bei knapp 21.340. Die Zahl der Staatsanwält:innen gibt die Behörde für das gleiche Jahr mit rund 5.882 an. Eine komplette Übersicht für den Jura-Bereich ist nicht so leicht zu finden, da Jurist:innen in zahlreichen Berufsfeldern arbeiten können.

Juristenlücke | Grafik: Statistik zum Juristenmangel in Deutschland
Grafik: Die Anzahl der abgeschlossenen zweiten juristischen Staatsprüfungen nimmt weiter ab

Warum nimmt die Zahl der Juristen ab?

Zwei Punkte könnten dabei vor allem eine Rolle spielen: Zum einen steht in den nächsten Jahren ein Generationswechsel an. So waren beispielsweise in der sächsischen Justiz 600 von 1.000 Richter:innen im Jahr 2019 mindestens 55 Jahre alt. In Bayern fehlten im selben Jahr bereits mehr als 150 Staatsanwält:innen und Richter:innen. Das Forschungsinstitut Prognos rechnet damit, dass bis 2030 rund 40 Prozent aller Jurist:innen aus dem Dienst ausscheiden werden – länderübergreifend. Dadurch würde die Justiz in Deutschland innerhalb kurzer Zeit mehr als 10.000  Jurist:innen verlieren. 

Wie viel Nachwuchskräfte kommen im Jura-Bereich nach?

Der zweite Punkt: Es kommen nicht genug Nachwuchskräfte auf den Arbeitsmarkt. Nach Zahlen von Prognos absolvierten vor 20 Jahren noch mehr als 10.500 Studierende erfolgreich das zweite Staatsexamen. 2017 waren es nach Angaben des Bundesamtes für Justiz noch rund 7.500. Das entspricht einem Rückgang von fast 30 Prozent. Hinzu kommt, dass der Notenspiegel nahezu gleichbleibend ist – das bedeutet, dass es nicht nur insgesamt weniger neue Jurist:innen gibt, sondern auch noch weniger Absolvent:innen mit Spitzen-Noten.

Grafik: 40% aller Juristen und Juristinnen werden bis 2030 voraussichtlich aus dem Dienst ausscheiden
Grafik: 40% aller Juristen und Juristinnen werden bis 2030 voraussichtlich aus dem Dienst ausscheiden

Was bedeutet das für den Einstieg von Absolvent:innen auf dem Arbeitsmarkt?

Wer als Nachwuchs-Jurist:in einen Job sucht, hat gute Chancen: Im Jahr 2017 lag die Arbeitslosigkeit in der Branche bei 2,3 Prozent, wie das Magazin audimax unter Berufung auf Zahlen der Arbeitsagentur schreibt (3). „Im Jahresdurchschnitt waren 4.600 Juristen arbeitslos gemeldet. Das waren drei Prozent weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2007 sank die Arbeitslosenzahl sogar um ein knappes Viertel.“

Was ist ein Volljurist?

Als Volljurist:in gilt jemand, der nach seinem juristischen Hochschulstudium beide Staatsexamen und ein staatliches Referendariat absolviert hat und deshalb die Befähigung zum Richteramt hat.

In welchen Berufsfeldern kann ich als Jurist arbeiten?

Wer Jura studiert hat, der kann in zahlreichen Berufsfeldern arbeiten. Der klassische Weg führt viele Absolvent:innen entweder in einen Job als Rechtsanwält:in, Staatsanwält:in oder Richter:in. Daneben kann man beispielsweise in einem Notariat arbeiten. 

Manche Absolvent:innen bleiben auch für eine wissenschaftliche Karriere an der Universität. Wieder andere arbeiten als Justiziar:in, in der Politik oder für Unternehmen. 

Die Bucerius Law School hat einmal ausgewertet, in welchen Bereichen ihre Absolvent:innen arbeiten – mehr als ein Drittel ist inzwischen in Großkanzleien beschäftigt (4). Im Öffentlichen Dienst sind es knapp 20 Prozent, in kleineren und mittelständischen Kanzleien knapp 15 Prozent. Der Rest arbeitet beispielsweise in Unternehmen, in der Beratung, bei Banken oder hat sich selbstständig gemacht.

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