Der Kurzvortrag im Ersten Juristischen Staatsexamen – Aufbau, Vorbereitung & Tipps

Der Kurzvortrag im Ersten juristischen Staatsexamen ist ein wichtiger Teil der Prüfung. Unsere Autorin hat Tipps für Vorbereitung und Prüfung.

Der Kurzvortrag im Ersten Juristischen Staatsexamen

Nach der Ruhe kommt der Sturm. Sind die schriftlichen Prüfungen des Staatsexamens erst einmal geschafft, ist in der Regel einige Monate später die mündliche Prüfung zu bewältigen. Neben den Prüfungsgesprächen leitet der Kurzvortrag die mündliche Prüfung ein und ist bereits deshalb ein essenzieller Teil der Prüfung.

Doch was genau steckt hinter einem solchen Vortrag, der bis dato während des Studiums nie gehalten werden musste? Welche Faktoren spielen bei dessen Bewertung eine Rolle? Wie bereitet man sich auf diesen Teil der mündlichen Prüfung vor?

Wir beantworten die brennendsten Fragen bezüglich des Kurzvortrags im Ersten Staatsexamen und erklären, warum dieser keine Hürde, sondern eine Chance ist. Damit wird dir eine optimale Vorbereitung auf den letzten Metern deines Abschlusses ermöglicht.

Kurzvortrag im 1. Staatsexamen – Was bedeutet das?

Sowohl im ersten als auch im zweiten Staatsexamen ist der Vortrag in vielen Bundesländern einen Teil der mündlichen Prüfung. Art, Inhalt und Umfang des Vortrags im ersten Examen unterscheidet sich stark von dem des zweiten Examens. Während bei letzterem eine Akte als Grundlage dient, beschränkt sich der Vortrag im ersten Examen auf die mündliche Lösung eines Sachverhalts im Gutachtenstil, der zumeist weniger umfangreich als ein Klausursachverhalt ist.

Bedingungen des Kurzvortags im 1. Staatsexamen

Die Bedingungen des Kurzvortrags im ersten Examen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Die Vorbereitungszeit beträgt in den meisten Fällen 60 min. Die maximale Vortragsdauer beträgt in der Regel 10 min, in Nordrhein-Westfalen sind es 12 min. Teilweise gibt es ein anschließendes Prüfungsgespräch, bei dem weitergehende Fragen oder auch, je nach Prüfer, allgemeine Fragen gestellt werden können.

Es empfiehl sich, dass du dich möglichst früh über die Bedingungen, die für dich gültig sind, auf den Webseiten des jeweiligen Prüfungsamtes informierst. So kannst du dich darauf einstellen und bestmöglich vorbereiten.

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Herausragende Bedeutung des Kurzvortrags

Der Kurzvortrag ist nach einem möglichen Vorgespräch der erste inhaltliche Kontakt mit dem Prüfungsausschuss. Das heißt, hier bilden sich die Prüfer einen ersten Eindruck über die Prüflinge.

Ist der Kurzvortrag erfolgreich, dürfte der Prüfungsausschuss bereits wohlwollender bei den Prüfungsgesprächen sein, was sich vermutlich positiv auf die Gesamtnote auswirkt. Zudem wirst du im weiteren Verlauf wahrscheinlich weniger nervös sein, wenn der erste Teil der mündlichen Prüfung gut verlaufen ist.

Das Beste ist aber, dass der Kurzvortrag der Teil der Prüfung ist, den du am besten vorbereiten kannst. Das Halten des Vortrags gleich zu Beginn der Prüfung sollte damit in der Tat als Chance, statt als Hürde wahrgenommen werden.

Worauf kommt es bei der Bewertung an?

Zu einer durchdachten Vorbereitung gehört es zunächst, sich die Bewertungskriterien vor Augen zu führen.

Abgesehen davon, dass der Vortrag idealerweise als Hilfe zum Einstieg in die mündliche Prüfung dienen soll, sollen damit selbstverständlich auch bestimmte Fähigkeiten abgeprüft werden.

Überprüfung von Rechtskenntnissen & unter Druck Lösungen entwickeln

Neben Rechtskenntnissen, um deren Überprüfung es stets im Staatsexamen geht, soll in diesem Teil der mündlichen Prüfung vor allem die Fähigkeit geprüft werden, sich schnell und unter Druck in einen komplexen Sachverhalt einzuarbeiten und innerhalb kürzester Zeit eine vertretbare Lösung zu entwickeln.

Anschließend soll es darum gehen, die entwickelte Lösung entsprechend vor anderen zu präsentieren. Hierbei kommt es auf angemessene Rhetorik und ein geeignetes Sprechtempo an sowie darauf, wie frei man spricht. Ein sicheres Auftreten ist hier natürlich insgesamt von Vorteil.

Zeitmanagement im Kurzvortag

Schließlich, und dies darf keinesfalls unterschätzt werden, fällt das richtige Zeitmanagement in die Bewertung. Im schlechtesten Fall bricht der Prüfer den Vortrag nach Ablauf der vorgesehenen Zeit ab, obwohl der Vortrag noch nicht zu Ende gebracht wurde. Umgekehrt kommt es ebenso wenig gut an, wenn der Vortrag einige Minuten vor Ablauf der Zeit endet. Dies ist ein Zeichen dafür, dass entweder etwas in der Lösung fehlt oder nicht ausführlich genug gearbeitet wurde. Sollte dein Vortrag zu kurz sein, lege dir in der Vorbereitung einen Plan zurecht, wie du mit dieser Situation umgehen kannst. Und damit kommen wir dann auch zur Vorbereitung.

Die Kunst der Vorbereitung: Wie man sich effektiv auf einen juristischen Vortrag vorbereitet

In der Vorbereitung auf den Vortrag gilt wie so oft: üben, üben, üben! Aber wir haben auch ein paar Tipps für die optimale Vorbereitung:

Das richtige Material: Original-Vorträge mit Lösungshinweisen

Das wiederholte Üben des Vortrags setzt zunächst das richtige Material voraus. Am besten bieten sich dafür Original-Vorträge mit Lösungshinweisen an. Erkundige dich hierzu bei der Fachschaft oder älteren Semestern. Zudem gibt es auch einige Übungsbücher mit Vorträgen und entsprechenden Lösungen.

Wichtig: Üben unter möglichst echten Bedingungen

Sodann sollten die Sachverhalte von dir unter möglichst echten Bedingungen gelöst und vorgetragen werden. Falls dir das Reden vor anderen Personen zunächst zu unangenehm ist, ist das kein Problem. Übe doch erst einmal ein paar Vorträge für dich selbst.

Es ist allerdings zu empfehlen, möglichst früh Vorträge vor anderen zu halten, bestenfalls mit Lernpartnern, die ebenfalls juristisches Verständnis haben. Aber auch das Vortragen vor juristischen Laien kann unterstützend wirken, insbesondere um sich Feedback bzgl. der Rhetorik, der Mimik und des Auftretens einzuholen. Hier gilt das Prinzip: Je mehr Feedback, desto besser.

Die positiven Auswirkungen regelmäßigen Übens

Durch das ständige Üben des Vortrags werden gleich mehrere Effekte eintreten. Erstens, wirst du ein Gefühl dafür entwickelt, welche Art von Sachverhalt dich bei der mündlichen Prüfung erwarten wird. Zweitens wirst du automatisch eine Routine und dabei Sicherheit entwickeln, wie du den Sachverhalt angehst, wie du deine Lösungsskizze schreibst und wie du den Vortrag beginnst und beendest.

Drittens wirst du ein Gefühl für dein Zeitmanagement bekommen, nämlich wie schnell du insgesamt sprechen solltest, welche Teile deiner Falllösung üblicherweise kurzgehalten werden sollten und wann du genauer auf bestimmte Probleme des Falles eingehen kannst oder sollst.

Allein diese Erfahrung und Routine wird dir bereits einiges an Aufregung in der Prüfungssituation nehmen und für sichereres Auftreten sorgen – versprochen.

Konkrete Tipps für den Vortrag

Nun geht es an das Eingemachte, nämlich wie der Vortrag konkret vorzubereiten und zu halten ist.

Zeitmanagement

In der Regel beträgt die Vorbereitungszeit 60 min. Teile dir diese Zeit genau ein, sodass du am Tag der mündlichen Prüfung nicht unter Druck gerätst. Lies dir den Sachverhalt samt Fragen mindestens zweimal durch, bis du alles verstanden hast und überlege dir am besten bereits vorher, wo die Lösung hingehen soll. Dieser Teil dürfte bereits aus den schriftlichen Klausuren bekannt sein und sollte daher keine Probleme bereiten.

Erstellen der Lösungsskizze

Was allerdings neu ist, ist das Erstellen der Lösungsskizze. Diese ist nämlich nicht die Grundlage für ein Gutachten, sondern eben für einen Vortrag. Du musst daher genug notieren, damit du beim Sprechen nichts spontan etwas vergisst. Stichpunkte sind dabei besser als ganze Sätze, um zu starkes Ablesen zu vermeiden.

Mein persönlicher Tipp ist die Begrüßung „Sehr geehrte Prüfungskommission“ und einen einleitenden Satz, der Bezug auf die Fragestellung nimmt, einfach auszuschreiben, auch wenn dies banal scheinen mag. Dies hat allerdings den Effekt, dass der Einstieg in jedem Fall gelingen wird und wenn man einmal angefangen hat, verfliegt die Aufregung ohnehin schnell.

Achte auch darauf, ordentlich zu schreiben und die Lösungsskizze übersichtlich zu gestalten, um beim Vortragen nicht durcheinander zu geraten. Wenn man zudem stets in der gleichen Schriftgröße schreibt, wird man nach ein paarmal Üben merken, wie lange man für das Vortragen einer Seite benötigt, was für das Zeitmanagement ungemein hilft.

Mit Erstellen einer solchen Lösungsskizze, ist bereits ein großer Teil geschafft und nun geht es mit dem Vortrag weiter. Keine Sorge, wenn du oft genug übst, wird es dir leicht fallen.

Prüfungsraum, Prüfung & Prüfer:innen

Aus dem Vorbereitungsraum wird man in den Prüfungsraum geführt. Nachdem du dir hier deine Gesetze und die Notizen zurechtgelegt hast, atme erst einmal kurz durch oder trink einen Schluck Wasser. Dann kannst du deine Stoppuhr (ein Muss!) starten und mit dem Vortrag beginnen.

Versuche hierbei, kurzen Blickkontakt mit jedem Prüfer zu halten, möglichst frei und deutlich mit kurzen Pausen zu sprechen. Verhalte dich zudem eher ruhig und gestikuliere nicht zu viel.

Schaue ab und zu auf die Uhr, um zu sehen, wie viel Zeit noch bleibt. Um einen zu kurzen oder zu langen Vortrag zu vermeiden, kannst du Puffer einbauen, d.h. du kannst Passagen in die Lösungsskizze integrieren, die richtig sowie passend sein sollten, allerdings nicht so entscheidend, dass sie nicht auch weggelassen werden könnten. Solltest du merken, dass dir eher Zeit übrigbleibt, kannst du zu diesen Punkten entsprechend Ausführungen machen. Umgekehrt kannst du diese Teile einfach weglassen, wenn die Zeit schon zu weit vorangeschritten ist. Sei flexibel und übe auch diese Situationen vorher.

Beende deinen Vortrag schließlich damit, dass du dich für die Aufmerksamkeit bedankst.

Zusatzfragen und Themenvorträge

Abschließend möchte ich noch kurz auf die verschiedenen Arten von Sachverhalten, die dir begegnen können, eingehen. Neben den klassischen Klausurfällen, möglicherweise mit einer Zusatzfrage, kann es nämlich auch passieren, dass ein Themenvortrag gehalten werden muss. Hab davor keine Angst, oft kann dies sogar leichter sein, als eine Falllösung.

Es wird nicht passieren, dass dir zu einem Thema nichts einfällt. Du bekommst Themen, die dir bereits begegnet sind und die mit der Arbeit am Gesetz und den juristischen Auslegungsmethoden gemeistert werden können. Und natürlich kann auch diese Art von Vortrag hervorragend geübt werden.

Auf zum Endspurt!

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesen Tipps einiges an Aufregung nehmen und natürlich bei der Vorbereitung unterstützen. Die mündliche Prüfung ist der Endspurt eines Marathons und du wirst auch diese letzten Meter bewältigen. Also, Kopf hoch, bald ist es geschafft!

Greta Niehaus
Autorin
Greta Niehaus

Greta Niehaus studierte Jura an der Humboldt-Universität zu Berlin mit Schwerpunkt im Unternehmens- und Gesellschaftsrecht. Während des Studiums arbeitete sie bei Freshfields Bruckhaus Deringer sowie an einem Lehrstuhl für Bürgerliches Recht. Sie absolvierte mehrere Praktika in internationalen Kanzleien in Deutschland und im Ausland. Aktuell beginnt sie mit ihrer Promotion im Bereich Kapitalmarktrecht.

Exkurs mündliche Prüfung im Jurastudium

Vorbereitung auf die mündliche Prüfung

Die Vorbereitung auf die mündliche Prüfung, insbesondere im juristischen Kontext, stellt eine Herausforderung dar, die über reines Fachwissen hinausgeht. Es erfordert Übung in der Präsentationstechnik, Selbstbewusstsein und ein gutes Zeitmanagement. Die Schwerpunkte bei der Vorbereitung sollten auf der Vortragstechnik liegen, da die Rechtskenntnisse bereits für das Prüfungsgespräch erlernt werden (sollten :)).

Ein zentraler Aspekt ist die effiziente Vorbereitung eines Vortrags innerhalb einer begrenzten Zeit (60 oder 30 Minuten, je nach Bundesland), um diesen inhaltlich überzeugend und äußerlich ansprechend präsentieren zu können. Die Vortragsdauer ist oft auf 10 bis 12 Minuten limitiert, was eine sorgfältige Planung und Zeiteinteilung erfordert. Dazu gehört das schnelle Erfassen des Falltextes, das Entwerfen einer Gliederung und das Einprägen wichtiger Punkte.

Zeitmanagement – essenziell für mündliche Prüfung & Vortrag

Das Zeitmanagement umfasst sowohl die Vorbereitungsphase als auch die Dauer des Vortrags selbst, da Prüfer:innen oft strikt auf die Einhaltung der Zeit achten. Praktische Übungen, wie das Schätzen des benötigten Zeitaufwands für das Abarbeiten von Stichpunkten, können hilfreich sein. Dies erfordert regelmäßiges Üben, idealerweise durch Simulation der Prüfungssituation.

Die Einbeziehung einer Lerngruppe oder von Freunden und Familienmitgliedern kann beim Üben von Präsentationstechniken, wie Sprechweise und inhaltliche Gestaltung, von großem Nutzen sein – ist aber individuell zu bewerten.  Auch juristische Laien können wertvolle Rückmeldungen zu Aspekten wie Sprechtempo, Betonung, Gestik und Mimik geben. Ein breiteres Feedback aus unterschiedlichen Perspektiven hilft, ein umfassendes Bild der eigenen Stärken und Schwächen zu entwickeln. „Erkläre es mir, als wäre ich 6 Jahre alt“ ist oft ein guter Ansatz, um wirklich klar zu begründen und nicht elementare Inhalte zu vergessen, die eigentlich erläutert werden müssten.

Übungen für den mündlichen juristischen Vortrag

Schwierigkeiten können beim Finden geeigneter Übungsvorträge auftreten, da Literatur dazu begrenzt ist. Eine Möglichkeit besteht darin, dass Mitglieder einer Lerngruppe einander Vortragsthemen aus Kursfällen, Fallbüchern, aktuellen Urteilen oder Klausurteilen erstellen. Dies dient nicht nur dem Üben des Vortrags, sondern auch der inhaltlichen Wiederholung und Vertiefung des Stoffs.

Zusammenfassend liegt der Schlüssel für eine erfolgreiche Vorbereitung auf die mündliche Prüfung in der Kombination aus intensiver Übung, Zeitmanagement und dem Einsatz vielfältiger Ressourcen wie Lerngruppen und Feedback von Nichtjuristen.

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