Bewerbungstipps für Juristen – So punkten Sie mit Ihren Unterlagen

Viele Bewerber sind sich sicher: Wenn ich zwei VB habe, kann ich meine Bewerbung auf einem Bierdeckel abgeben. Das stimmt – jedenfalls, wenn man sich bei Kanzleien bewirbt. Kanzleien agieren oftmals tatsächlich großzügig in formalen Dingen, solange die Noten stimmen. Etwas anders sieht es allerdings aus, wenn ein Bewerber keine VBs hat oder später – auch als Top-Kandidat – einmal aus der Kanzleiwelt heraus will und sich bei Unternehmen oder öffentlichen Institutionen bewirbt.

Lebenslauf und Anschreiben vor allem jenseits der Kanzleiwelt wichtig

Hier gilt: An zeitgemäßen professionellen Bewerbungsunterlagen führt kein Weg vorbei. Ein für das Praktikum zusammengeschusterter, auf die Schnelle aktualisierter Lebenslauf konkurriert dann mit den Bewerbungsunterlagen von Kaufleuten, Verwaltungsangestellten, Ingenieuren und IT-Fachleuten.

Was speziell Juristen in der Praxis an Lebensläufen abliefern, ist im Vergleich dazu allzu oft haarsträubend. Dabei ist ein Lebenslauf wie eine Visitenkarte. Schon an der äußeren Form lässt sich ablesen, wieviel Mühe sich ein Bewerber gegeben hat, wie sorgfältig er arbeitet und welche Ansprüche er an seine Arbeitsergebnisse stellt.

Unterlagen unbedingt übersichtlich gestalten

Ein hartnäckiges Gerücht lautet: Der Lebenslauf muss auf zwei Din A4-Seiten gepresst werden. Das stimmt so nicht. Drei, maximal vier Seiten sind erlaubt. Das Dokument hat eine Überschrift („Lebenslauf“) und enthält ein Bewerbungsfoto (s.u.). Er ist übersichtlich gegliedert und erzählt von der Gegenwart in die Vergangenheit („umgekehrt chronologisch“). Der Lebenslauf enthält Angaben zu den beruflichen/praktischen Zielen, zu akademischem, schulischem und beruflichem Werdegang (Praktika, Nebenjobs). Sie können darin ebenfalls von besonderen Leistungen und Erfolgen berichten und besondere Kenntnisse angeben (Sprachen, IT usw.).

Braucht man in Deutschland nach wie vor ein Bewerbungsfoto?

In Deutschland auch für Juristen immer noch unverzichtbar. In den USA und UK wird seit jeher darauf verzichtet, doch in Deutschland ist das Bewerbungsfoto nach wie vor üblich – es sei denn, eine Stellenausschreibung weist ausdrücklich darauf hin, dass auf ein Foto verzichtet werden soll. Ein gutes, professionelles Bewerbungsfoto in der Größe von 5×7 cm lockert das Textfeld des Lebenslaufs auf. Platziert wird das oben rechts, links oder mittig –  je nach Geschmack. Ein professioneller Fotograf kann Sie gut beraten und macht sich zudem die Mühe, Sie in unterschiedlichen Outfits zu fotografieren. Auf diese Weise haben Sie für das Bewerbungsfoto verschiedene Optionen zur Auswahl.

Gibt es das perfekte Anschreiben?

Das perfekte Anschreiben ist individuell und präzise. Ein Anschreiben ist ein ganz eigener Kommunikationskanal. Hier gilt: Nie länger als eine Seite, nie ein Standardanschreiben, in dem nur Textbausteine ausgetauscht werden, nie nur eine Zusammenfassung des Lebenslaufs. Das Anschreiben für die Bewerbung sollte so präzise wie möglich auf die Anforderungen der Stellenanzeige antworten:

Bei elektronischen Bewerbungsunterlagen auf die Datenmenge achten

Die gute alte Bewerbungsmappe ist heute in der Regel elektronisch. Sie enthält zusammengefügt in einer PDF-Datei Ihr Anschreiben, den Lebenslauf und sämtliche relevante Zeugnisse (Hochschulreife, Examina, wesentliche Praktikumszeugnisse und/oder die besten Stationszeugnisse, ggf. Arbeitszeugnisse). Die Datenmenge des PDFs sollte sich an etwaigen Angaben der Stellenanzeige orientieren, aber nie größer als 5 MB sein.

Die elektronische Bewerbungsmappe verschicken Sie als Anhang mit einer freundlichen kurzen Mail, in der Sie auch Ihre Mobil-Nummer für den schnellen Rückruf nennen, an die angegebene E-Mail-Adresse. Im Falle von Bewerbungsportalen müssen die Dokumente meist einzeln hochgeladen und zusätzlich eine Bewerbermaske ausgefüllt werden.

Initiativbewerbung oder Stellenausschreibung?

Eine echte Alternative zu ausgeschriebenen Stellen („Vakanzen“) ist die Initiativbewerbung (nicht: „Blindbewerbung“!). Gerade auf der Ebene des Praktikums oder der Station ist die eigene Initiative sogar das Mittel der Wahl. Umso mehr können Sie aussuchen, wohin Sie möchten. Wichtig ist: Nicht im Allgemeinen und Ungefähren stecken bleiben.

Was interessiert mich als Bewerber genau an diesem Arbeitgeber? Und mit welchen Qualifikationen, Kompetenzen und Erfahrungen könnte ich punkten? Eine sehr praktische Gelegenheit, dies alles herauszufinden sind Karrieremessen wie die Fakultätskarrieretage. In jedem Fall ist die intensive Auseinandersetzung mit der Website des Unternehmens/der Kanzlei Pflicht.

Mythos Vorstellungsgespräch: Wie läuft es wirklich ab und worauf kommt es an?

Wenn die Unterlagen erstellt, das Ziel definiert und die ideale Position über eine Stellenanzeige oder Initiativ-Bewerbung identifiziert ist, klingelt irgendwann unvermeidlich das Telefon. Einladung zum Vorstellungsgespräch! Wie läuft ein solches Gespräch ab? Jeder hat irgendwann das erste und meist keine genaue Vorstellung davon.

Anders als manche Bewerbungs-Ratgeber meinen, geht es dabei nicht ums „Grillen“ und „gegrillt werden“. Das Bewerbungs- oder Vorstellungsgespräch ist keine Prüfung, kein Examen. Es geht vielmehr um Dialog, um ein Kennenlernen auf Augenhöhe. Das Unternehmen/die Kanzlei wirbt heute mindestens genauso um qualifizierte Mitarbeiter wie umgekehrt Praktikanten, Referendare und Berufseinsteiger sich um eine gute, interessante und gut bezahlte Stelle bewerben.

Auf den Punkt kommen

Nach der Begrüßung steht am Anfang etwas Smalltalk. „Haben Sie gut hergefunden? Wie geht es Ihnen heute? Hatten Sie eine gute Anreise?“ Wer wäre dabei nicht verkrampft. Aber das muss nicht sein. Haben Sie Mut zur Lockerheit. Ein paar interessierte Fragen zum Unternehmen, zum Bürostandort, zum Gesprächspartner selbst – und schon läuft das Gespräch.

Es folgt die Phase der gegenseitigen Vorstellung. Hilfreich ist ganz sicher, wenn der Bewerber sich hier vorbereitet hat und nicht nur seinen Lebenslauf langatmig referiert, sondern seine Person kurz, knapp, knackig auf den Punkt bringen kann. Wer ist er, was hat er bisher gemacht, über welchen Ausbildungshintergrund verfügt er, was interessiert ihn, was will er in Zukunft machen, warum hat er sich gerade bei diesem Unternehmen beworben? Um diese Themen vorzubereiten, hilft die rhetorische Frage an sich selber: Was soll mein Gesprächspartner über mich (weiter-)erzählen können?

Fragen im Bewerbungsgespräch sind erwünscht

Auf die Vorstellungsphase folgt der Abgleich der Anforderungen. Das Unternehmen klopft nochmals ab, ob Sie wirklich über alle Kompetenzen verfügen, die für die Position wichtig sind. Im vierten Gesprächsabschnitt geht es um Fragen, Fragen und nochmal Fragen. Vor allem auch um Fragen, die Sie noch haben. Natürlich sind Sie vorbereitet und haben welche.

Wer keine Fragen stellt wirkt uninteressiert und schlecht vorbereitet. Vielleicht werden anschließend noch die Konditionen besprochen (Gehalt, Urlaub, Fortbildung, Sonderleistungen), vielleicht bleibt dieser Teil aber auch einem zweiten Gesprächstermin vorbehalten, bei dem der Bewerber noch weitere Unternehmensvertreter kennenlernt.

Vorstellungsgespräch geschafft? Mein Bewerbungstipp für danach

Wichtig ist, dass Sie nach Abschluss des Gesprächs wissen, wie es weitergeht. Wer meldet sich bis wann bei wem? Müssen Sie noch Bewerbungsunterlagen nachreichen? Was ist der nächste Schritt? Wenn Sie am Abend über das Vorstellungsgespräch nachdenken und sich darin bestärkt fühlen, die Stelle gerne antreten zu wollen, spricht nichts dagegen, dies dem oder den Gesprächspartnern mitzuteilen.

Eine kurze Dankesmail verbunden mit der Bekräftigung Ihres Bewerbungswunsches wirkt höflich, verbindlich und sympathisch. Mit diesen Tipps und Empfehlungen ist der Erfolg nicht automatisch garantiert, aber Sie haben gezeigt, dass Sie gut vorbereitet sind. Und das ist mehr als die halbe Miete.

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