Studium finanzieren: Ohne BAföG ist Trend

Mit dem Beginn eines Studiums steigen die Lebenshaltungskosten in der Regel deutlich an. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die meisten “Erstis” zum ersten Mal in den eigenen vier Wänden wohnen. Besonders teuer ist dabei meist das Leben in einer Großstadt, aber auch in deren Umland oder Kleinstädten können unter anderem steigende Kosten für Miete, Energie und Mobilität spürbar zu Buche schlagen.

Das Leben als Studierende:r kostet laut Deutschem Studentenwerk rund 870 € im Monat. Selbst, wer noch so sparsam ist, braucht daher einen Plan, wie er oder sie das Studium finanzieren kann.

Wie finanzieren Studierende ihr Studium?

Große Umfrage zeigt: Die meisten haben mehr als eine Geldquelle

Die Möglichkeiten sind dabei vielfältig und reichen von finanzieller Unterstützung durch die Familie oder den Staat bis hin zu Studienkredit und eigenem Gehalt. Typischerweise haben die angehenden Akademiker mehr als eine Geldquelle.

Bei der großen Studierenden-Umfrage CampusBarometer gaben 70% der Befragten an, dass sie Geld von den Eltern oder weiteren Verwandten bekommen. Doch das allein reicht nicht immer. 35% nannten eigene Ersparnisse und 55% – das ist mehr als jede:r Zweite:r – jobben neben dem Studium. 26% gaben an, schwerpunktmäßig in den Semesterferien zu jobben. Einen Studienkredit haben 8% und 7% sind Stipendiaten.

Grafik: So finanzieren Studierende ihr Studium
Grafik: So finanzieren Studierende ihr Studium / Nur 26 % bekommen Bafög, 70 % werden von den Eltern finanziert

Studium finanzieren ohne BAföG?

Das CampusBarometer zeigt auch: Der Großteil kommt ohne Bafög aus. Nur 26% bezogen demnach die staatliche Unterstützung (Stand: 2018). Das ist auch weiterhin Trend. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Viele Studierende haben tatsächlich keinen Anspruch auf BAföG, etwa weil das Einkommen der Eltern zu hoch ist. Andere wissen möglicherweise nicht, dass sie Anspruch hätten, scheuen den vermeintlich komplizierten Antrag oder möchten ohne die Rückzahlungsverpflichtung ins Berufsleben starten. Ob notgedrungen oder freiwillig: Der Großteil aller Studierenden muss beim Studium Finanzieren ohne Bafög planen.

Geld verdienen als Student:in: Das sind typische Studentenjobs

Studierende haben eine große Bandbreite an Möglichkeiten, nicht nur Geld zu verdienen, sondern auch wertvolle oder schlichtweg angenehme Praxiserfahrungen zu sammeln.

Dabei gibt es selbstverständlich einige Tätigkeiten, die als typische Studentenjobs gelten: Nachhilfelehrer:in, studentische Hilfskraft an der Uni, Tutor:in oder Übersetzer:in. Die Studierenden können hier nicht nur Geld verdienen, sondern auch ihr Wissen aus dem Studium direkt anwenden.

Viele Arbeitgeber schätzen aber nicht nur das Wissen, sondern vor allem auch die Flexibilität der Studierenden. Denn sie sind oftmals bereit auch am Wochenende zu arbeiten oder können zum Beispiel in den Semesterferien phasenweise genau wie eine Vollzeitkraft eingesetzt werden. Deshalb gehören zum Beispiel auch Kellner:in, Bürohilfe oder Lagerhilfe zu den häufigsten Studentenjobs.

Nicht zuletzt kann man auch bei einem Job, der in erster Linie das Studium finanzieren soll, nicht nur fachliche sondern auch persönliche Stärken einbringen. Wer kommunikativ ist und gut im Umgang mit Menschen, eignet sich zum Beispiel als Promoter:in.

Wer sportlich ist und ein Navigations-Ass, kann sich als Fahrradkurier etwas dazu verdienen. Wer später möglicherweise in einem sozialen Beruf tätig sein möchte, kann jetzt schon als Babysitter:in oder Hausaufgabenbetreuung jobben, Senioren bei der Alltagsbewältigung helfen oder Tiere hüten.

Finden kann man solche und andere Jobs zum Beispiel über Job-Portale im Internet, am “schwarzen Brett” in der Hochschule oder durch Eigeninitiative, etwa per Aushang oder indem man in interessanten Betrieben oder Einrichtungen einfach anfragt, ob Aushilfen gesucht werden.

// Typische Fragen und Antworten zu Studentenjobs findet ihr >> hier

Wieviel darf man als Studierende:r verdienen?

Studierende können und sollen in der Regel nur in geringem Umfang arbeiten. Studentenjobs fallen daher in der Regel formal unter eines der unten beschriebenen Beschäftigungsverhältnisse, die zugleich die mögliche Obergrenze des Monatslohns vorgeben.

Achtung: Dabei kommt es nicht nur auf das Beschäftigungsverhältnis an, sondern gegebenenfalls auch auf andere Geldquellen. Bafög und in der Regel auch Stipendien gehen mit Verdienstgrenzen einher, damit das Studium nicht zur Nebensache wird.

Mit einem Studentenjob sind in der Regel keine oder nur geringe Beiträge zur Sozialversicherung verbunden. So sind die Rentenansprüche aus einem Studentenjob eher mager. Ein Studentenjob dient also wirklich nur dazu, das Studium zu finanzieren. Auch wenn er Spaß macht: Er sollte als Mittel zum Zweck gesehen werden, das Studium zu bewältigen und auf den “richtigen” Arbeitsmarkt zu kommen.

Was ist ein Minijob?

Der Minijob ist im Volksmund auch bekannt als 450-Euro-Job, denn das ist genau die Grenze, die das monatliche Gehalt nicht übersteigen darf. Wie viele Stunden im Monat gearbeitet werden darf, richtet sich nach dem vereinbarten Stundenlohn. Es gilt der gesetzliche Mindestlohn.

Zusätzlich gibt es noch die Variante des kurzfristigen Minijobs. Hier darf im Laufe eines Kalenderjahres maximal drei Monate oder bis zu 70 Tage gearbeitet werden. Der Lohn darf dann auch mehr als 450 Euro im Monat betragen.

Wichtig ist aber, dass der Verdienst auf’s Jahr gerechnet 5400 Euro nicht überschreitet – also ein durchschnittlicher Monatslohn von maximal 450 Euro nicht überschritten wird. Beliebt ist der Minijob bei Studierenden, weil für den Arbeitnehmer keine Sozialabgaben oder Steuern anfallen. Der Lohn landet in der Regel fast vollständig auf dem eigenen Konto.

Was ist ein Midijob?

Ein Midijob ist ein Beschäftigungsverhältnis, in dem zwischen 450 und 850 Euro monatlich verdient wird. Der Arbeitsumfang ist in der Regel größer als im Minijob. Studierende, die das grundsätzlich mit ihrem Studium vereinbaren können, sollten vorher jedoch genau nachrechnen: Auch wenn es reizvoll sein kann, mehr zu arbeiten, sollten Studierende vorausschauend handeln. Nicht immer lohnt sich die Mehrarbeit, denn bei einem Midijob werden Sozialabgaben und Einkommenssteuer fällig.

Was ist eine Werkstudierendentätigkeit?

Besonders begehrt sind Jobs als sogenannter Werkstudent. Dabei haben Studierende die Möglichkeit, in einem beruflichen Umfeld zu jobben, das ihrem Studienfach entspricht. Sie können ihr Wissen einbringen und sind dadurch oftmals schon gut qualifizierte und besonders tatkräftige Mitarbeiter:innen.

Während des Semesters darf bis zu 20 Stunden in der Woche gearbeitet werden, in den Semesterferien auch mehr. Der Verdienst ist in der Regel gut und liegt meist eher im Bereich eines Midijobs, statt eines Minijobs. Durch das sogenannte Werkstudentenprivileg ist der Verdienst von Abgaben befreit.

// Übrigens: auch Werkstudenten haben Rechte. Zum Beispiel Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Quarantäne.

Selbstständig arbeiten als Studierende:r

Auch Studierende können selbstständig auf Rechnung arbeiten. Wenn sie freiberuflich tätig sind, brauchen sie dazu nicht einmal einen Gewerbeschein. Zu den sogenannten freien Berufen zählen typischerweise wissenschaftliche, künstlerische, publizistische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten.

Wer also zum Beispiel mit Babysitting, Gesang, Grafikdesign oder Musikunterricht sein Studium finanzieren möchte, kann dies selbstständig auf Rechnung tun. Auch als Journalist, Fotograf oder Übersetzer hat man diese Möglichkeit. Wichtig ist dabei, dass die Tätigkeit nicht regelmäßig ausgeführt wird und für verschiedene Auftraggeber erfolgt, so dass oder die Studierende unabhängig beschäftigt ist. Sobald der Verdienst im Jahr über 17.500 € liegt, wird er steuerpflichtig.

Grafik: So gut können Stuidierende Nebenjob und Studium miteinander vereinbaren / Knapp ein Drittel würde gerne weniger arbeiten.
Grafik: So gut können Stuidierende Nebenjob und Studium miteinander vereinbaren / Knapp ein Drittel würde gerne weniger arbeiten.

Studium finanzieren durch Arbeit: Bereicherung oder Belastung?

Wie fühlen sich junge Menschen, die arbeiten, um ihr Studium zu finanzieren? Nicht selten ist der Aufwand vergleichbar mit zwei Jobs, die sich mal mehr und mal weniger gut miteinander vereinbaren lassen. Nach ein paar Stunden Arbeit noch Lernen oder Hausarbeit schreiben? Das kann schon ziemlich viel Disziplin erfordern.

Motiviert sind die meisten studentischen Jobber dadurch, sich einfach “etwas mehr leisten” zu können. Etwa 62% der Studierenden arbeitet, um unabhängiger von den Eltern zu sein. Immerhin 59% sind auf ihren Job wirklich angewiesen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die praktischen Erfahrungen aus der Nebentätigkeit wissen rund 53% zu schätzen. Rund 36% hoffen, im Studentenjob bereits wertvolle Kontakte für die spätere Berufstätigkeit zu knüpfen. (Quelle:21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, Stand: 2016).

Während also viele Studierende ihren Job mögen oder ihm durchaus auch etwas Gutes abgewinnen können, gab beim CampusBarometer immerhin knapp ein Drittel der Befragten an, gerne weniger arbeiten zu wollen.

Studium finanzieren durch Stipendien

Obwohl es viele Anbieter:innen von Stipendien gibt, nutzen bislang nur wenige Studierende diese Möglichkeit zur Studienfinanzierung. Wie unsere Grafik zeigt, ändert sich das langsam. Vor 10 Jahren haben nur knapp 13.000 Studierende ihr Studium mit Hilfe von Stipendien finanziert, 2020 waren es schon mehr als doppelt so viele. Gleichzeitig geht die Zahl der BAfÖG-Bezieher:innen kontinuierlich zurück.

Grafik: Weniger Bafög mehr Stipendien. Bafög beziehende Studierende & Empfänger des Deutschlandstipendiums an Hochschulen in Deutschalnd.
Grafik: Weniger Bafög mehr Stipendien. Bafög beziehende Studierende & Empfänger des Deutschlandstipendiums an Hochschulen in Deutschland.

Immer mehr Stipendiaten

Auf der einen Seite gehören Geldsorgen für viele angehende Akademiker mehr oder weniger zum Alltag. Auf der anderen Seite gibt es jedes Jahr zahlreiche ausgeschriebene Stipendien, die mangels Bewerbungen nicht vergeben werden. Warum ist das so? Erstens: Manche potenzielle Unterstützer:innen könnten und würden zwar gerne fördern, ihnen fehlen jedoch die Mittel oder die Expertise, um Ihre Stipendien erfolgreich zu bewerben. Zweitens: Unter Studierenden hält sich immer noch hartnäckig das Vorurteil, Stipendien seien ausschließlich etwas für Hochbegabte – was so nicht stimmt, denn Stipendien gibt es für viele Zielgruppen.

Richtig ist: Ein Stipendium fällt einem nicht zu. Es liegt in der Regel bei den Studierenden, sich aktiv auf die Suche nach einem Stipendium zu machen, mit dem sie ihr Studium finanzieren können. Das geht zum Beispiel auf Internetportalen, die sich darauf spezialisiert haben, Studierende und Förderer zusammenzubringen. Hat man eine passende Ausschreibung gefunden, ist auch die anschließende Bewerbung mit einem gewissen Aufwand verbunden. Doch der kann sich gleich doppelt lohnen. Am Ende der Bemühungen kann eine kräftige Finanzspritze für’s Studium winken. Zudem macht sich ein Stipendium sehr gut im Lebenslauf.

Ein besonderes Stipendium wurde 2010 per Gesetz ins Leben gerufen. Das sogenannte “Deutschlandstipendium” richtet sich an Studierende, die nicht nur gute Noten haben, sondern auch sozial und gesellschaftlich engagiert sind. Der Bund hat das Programm ins Leben gerufen, um mehr private Förderer für Studierende zu gewinnen – und damit eine nationale Stipendienkultur zu etablieren, wie sie etwa zum Beispiel in den USA schon sehr viel mehr verbreitet ist. Beteiligt sich ein privater Förderer mit monatlich 150€, verdoppelt der Bund diese Summe. Deutschlandstipendiaten erhalten somit eine monatliche Unterstützung von 300€. Inzwischen profitieren davon bereits rund 30.000 Menschen. Anders als beim Bafög geht hier der Trend seit Jahren deutlich nach oben.

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