Migranten, Lehrer, Bauingenieure – Stipendien gibt es für viele Zielgruppen

Um ein Stipendium zu bekommen, braucht man zwingend ein Einser-Abitur? Keineswegs. Denn es gibt auch zahlreiche Fördermöglichkeiten für bestimmte Zielgruppen – darunter Stipendien für angehende Journalist:innen, Lehrer:innen oder Bauingenieur:innen, Studierende mit Migrationshintergrund oder auch für Menschen mit Behinderung. Wir haben ein paar Beispiele für Euch gesammelt.

Wie viele Stipendien gibt es in Deutschland und wie wird gefördert?

Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten: Laut Schätzungen gibt es etwa 2500 Stipendiengeber – darunter Stiftungen, Unternehmen, Kirchen, Parteien, aber auch Begabtenförderungswerke.

Manche Stipendien werden über das gesamte Studium hinaus gezahlt, andere nur für einen begrenzten Zeitraum. Wieder andere fördern beispielsweise nur die Abschlussarbeit oder einen Auslandsaufenthalt oder helfen den Studierenden mit Netzwerken oder Praktika bei der Vorbereitung auf den Beruf.

Stipendien für Menschen mit Migrationshintergrund

Rund 20 Prozent der im Sommersemester 2016 immatrikulierten Studierenden hatten laut der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks einen Migrationshintergrund. Für viele von ihnen ist das Studium aber noch immer eine Frage des Geldes: Unter den Studienabbrechern gaben diejenigen mit Migrationshintergrund deutlich häufiger finanzielle Gründe an als Studierende ohne Migrationshintergrund (24 Prozent im Vergleich zu 14 Prozent). Damit ein Studium nicht am Geld scheitert, bieten einige Stiftungen Förderungen speziell für diese Zielgruppe an.

So will beispielsweise die Peter Fuld Stiftung jungen Menschen helfen, die mit schwierigen Startbedingungen konfrontiert oder aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt sind. Auch mehrere große Stiftungen – darunter die Hans-Böckler-Stiftung, die Stiftung der Deutschen Wirtschaft oder auch die Heinrich-Böll-Stiftung – haben Programme, die sich unter anderem an Migrant:innen richten.

Stipendien für bestimmte Berufe

Aber es gibt auch Stipendien, die an bestimmte Fachrichtungen gebunden sind. So können etwa angehende Lehrer:innen oder Ärzt:innen gefördert werden oder Studierende, die später im Bereich Journalismus arbeiten wollen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung bietet etwa mit der Journalistischen Nachwuchsförderung (JONA) ein Programm, dass sich gezielt an Medieninteressierte richtet.

Der Deutsche Zahnarzt Service wiederum will Studierende der Zahnmedizin unterstützen. Und selbst die Autobahnen in Deutschland suchen Stipendiat:innen – beziehungsweise die GmbH, die dahinter steht: Das bundesweite Autobahnnetz Deutschlands vergibt für Oktober mehrere Stipendien im Studiengang Bauingenieurswesen und Umweltwissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München.

Stipendien für Menschen mit Behinderung

Für Studierende mit einer Behinderung oder mit chronischer Erkrankung gibt es ebenfalls spezielle Förderungen. So hat es sich beispielsweise die Dr. Willy Rebelein Stiftung zur Aufgabe gemacht, „behinderten Jugendlichen eine Ausbildung oder ein Studium zu ermöglichen beziehungsweise den durch die Behinderung erforderlichen Mehrbedarf zu finanzieren.“

Die Stiftung wurde 1985 von Else Rebelein, der Witwe des Namensgebers, zu seinen Ehren gegründet. Ihr Mann litt nach Angaben der Stiftungsseite an einer Muskelschwächekrankheit. Da das Ehepaar keine gemeinsamen Kinder hatte, brachte Else Rebelein einen Großteil ihres gemeinsamen Vermögens in die Stiftung ein.

Auch das Unternehmen Google vergibt ein Stipendium für Menschen mit Behinderung – die Förderung richtet sich speziell an Studierende in Informatik- oder Computertechnik-Bereichen.

Über weitere Stipendien-Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung informiert auch das Deutsche Studentenwerk auf seiner Homepage.

Wo finde ich Anbieter für ein Stipendium?

In diesem Dschungel aus Fördermöglichkeiten das richtige Stipendium zu finden, kann mühsam sein. Doch es gibt auch Internetseiten, die genau dabei helfen. So bietet beispielsweise das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen „Stipendien-Lotsen“ an. Dort kann man nicht nur die Art der Förderung auswählen, sondern auch gezielt nach Stipendien suchen, die sich beispielsweise an Menschen mit Migrationshintergrund, an Frauen oder an Studierende mit Behinderung richten. Die Ergebnisse kann man nach verschiedenen Kriterien filtern und so geeignete Stipendien finden.

Auch die Plattform „MyStipendium“ bietet eine Datenbank für zahlreiche Stipendien. Dort findet man beispielsweise Angebote für Schüler:innen, Studierende oder Doktorand:innen, kann nach dem Studienort oder -fach auswählen. Nutzer können ein eigenes Profil anlegen und die Seite sucht dann nach eigenen Angaben aus 3260 Stipendienmöglichkeiten nach den jeweils passenden Angeboten.

An ausländische Studierende, Graduierte, Promovierte und Hochschullehrer:innen richtet sich dagegen die Stipendiendatenbank des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), die nach eigenen Angaben über 198 Fördermöglichkeiten informiert.

Weitere Themen