Verwaltungspraktikum Jurastudium: Auslandspraktikum im deutschen Generalkonsulat Atlanta, USA

Lernen, Klausuren, Hausarbeit, Praktikum. Die Semesterferien eines Jurastudenten haben meist relativ wenig mit „Ferien“ zu tun. Was, wenn man mal raus will aus dem strengen Alltag, wenn man verreisen, andere Länder und Kulturen kennenlernen will? Tja, Klausuren und Hausarbeiten im Ausland zu schreiben wird wohl tatsächlich eher schwierig. Durchaus vereinbaren lässt sich die vielgepriesene Auslandserfahrung jedoch mit einem Praktikum. Unsere Autorin berichtet von einem Praktikum in einer Vertretung des Auswärtigen Amts in den USA.

Pflicht: Das Praktikum in einer Verwaltungsbehörde

Dass ich ein Praktikum in einer Verwaltungsbehörde absolvieren muss, wusste ich schon seit Anfang meines Studiums – denn meine Studienordnung gibt es vor. Um den in meinen Augen eher weniger verlockenden Aussichten eines Praktikums bei der Polizei oder der Stadtverwaltung zu entgehen, informierte ich mich frühzeitig über Alternativen.

Ein Praktikum in einer deutschen Auslandsvertretung erschien mir hierbei schnell als die spannendste Möglichkeit – man könnte in die vielseitige Arbeit des Auswärtigen Dienstes eintauchen und nebenbei eine Zeit lang in einem anderen Land leben. Ich versuchte also mein Glück und bewarb mich – mit Erfolg: ca. 4 Monate vor meinem gewünschten Termin bekam ich eine Zusage für ein Praktikum im Generalkonsulat in Atlanta.

Atlanta war bei meiner Bewerbung zunächst nur einer von vielen Standorten und auch nicht unbedingt mein Erstwunsch. Da ich mich aber, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern, hauptsächlich in englischsprachigen Ländern beworben hatte, freute mich über eine Zusage für die USA. Je mehr ich mich jedoch über Atlanta selbst informierte, desto neugieriger wurde ich auf die Großstadt in den Südstaaten.

Das Auslandspraktikum: Vorbereitung und Ankunft

Nachdem ich meine Zusage bekommen hatte, ging es an die Planung. Neben den bürokratischen Dingen, die zwingend erledigt werden mussten (Führungszeugnis einreichen, Vertrag unterzeichnen, Visum beantragen…) und dem Buchen eines Flugs (möglichst bevor die Preise in astronomische Höhen stiegen) war einer der wichtigsten Punkte dabei wohl das Finden einer Unterkunft. Hierbei war das Konsulat eine große Hilfe, denn mir wurde eine Liste mit Kontaktdaten von Vermietern geschickt, bei denen ehemalige Praktikanten und Referendare gewohnt hatten. Mein so gewonnener Vermieter hat mich nach meiner Einreise (durch den Diplomaten-Eingang!) sogar vom Flughafen abgeholt.

Das Praktikum im Konsulat: ein Vollzeitjob

Der Arbeitstag fing morgens zwischen 7:30 und 8:00 Uhr an und ging bis ca. 16:30 Uhr. Ein richtiger „Vollzeitjob“ also, der für mich als Studentin schon erstmal ungewohnt und anstrengend war. Die lockere Arbeitsatmosphäre und das herzliche Klima zwischen den Kollegen halfen mir aber sehr, mich schnell einzugewöhnen und das Beste aus meiner Zeit in Atlanta zu machen.

Bei der Arbeit im Konsulat machte man im Prinzip alles mit, was gerade so anstand. Gerade für angehende Juristen hatte das Konsulat einiges zu bieten, denn man bekam die Gelegenheit, sich in verschiedene Rechtsgebiete einzuarbeiten. So saß ich zum Beispiel mehrmals an den Schaltern, an denen Visa- und Reisepässe beantragt werden. Ich fand es sehr interessant, einmal zu sehen, was andere Leute so alles tun und nachweisen müssen, um nach Deutschland reisen zu dürfen.

Da zu meiner Zeit im Konsulat auch zwei Rechtsreferendarinnen da waren, konnte ich darüber hinaus Einblicke in deren Arbeit in der Rechts- und Konsularabteilung bekommen und sie bei ihren Aufgaben unterstützen. Hierbei beschäftigte ich mich beispielsweise mit Erbrecht oder Staatsangehörigkeitsrecht und arbeitete mich in Akten Strafgefangener ein. Außerdem wurde ich oft bei der Bearbeitung von Anträgen auf Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit eingebunden.

Diplomatische Tätigkeiten – die interessantesten Erfahrungen des Praktikums

Außerhalb des juristischen Bereichs war ich hauptsächlich im PR- und Event-Bereich tätig. Zufällig fand während meiner Praktikumszeit ein wichtiges vom Konsulat organisiertes Event über „Clean Energy“ statt. An diesem konnte ich tatkräftig sowohl in der Vorbereitung als auch in der Durchführung mitarbeiten. Dieser Arbeitsbereich war in etwa das, was ich mir unter den diplomatischen Tätigkeiten des Auswärtigen Amts vorstellte und hierin Einblicke zu bekommen war sicher eine der interessantesten Erfahrungen meiner Praktikumszeit.

Freizeit und Nebentätigkeiten in Atlanta

Auch im Punkt der Freizeitgestaltung hatten Atlanta und Umgebung einiges zu bieten. Im Konsulat lagen Unterlagen aus, die Praktikanten und Referendaren Anregungen geben sollten, was man während seiner Zeit in Atlanta nicht verpassen sollte. Das war sehr hilfreich, weil man hierdurch auch auf ungewöhnlichere Möglichkeiten aufmerksam wurde, die man in normalen Touristenführern vielleicht nicht gefunden hätte.

Als Studentin hatte ich in Atlanta z.B. die Möglichkeit, eine Schicht lang auf dem Beifahrersitz eines Police-Officers mit zu fahren – ein Erlebnis, dass man sicher so schnell nicht wieder geboten bekommt!

Auch an Sehenswürdigkeiten – von Natur (Stone Mountain) über Architektur (Mariott Hotel), Kultur (King Memorial) und Kommerz (World of Coca-Cola Museum) – mangelte es nicht und Langeweile kam bei mir nie auf. In der Umgebung von Atlanta ließen sich – sofern man ein Auto hatte oder jemanden kannte, der eins hatte – tolle Ausflüge unternehmen. Ein Wochenende am Strand von Florida zum Beispiel ist eine wunderbare Auszeit von der Arbeit!

Verwaltungspraktikum im Ausland: Fazit

Insgesamt war das Praktikum eine unglaublich bereichernde Erfahrung, die ich auf keinen Fall mehr missen will. Allein die Arbeit im Konsulat hat mir sehr viel Spaß gemacht und dass man darüber hinaus ein spannendes Land bereisen und seine Sprachkenntnisse verbessern konnte, setzte dem Ganzen das Sahnehäubchen auf. Ich kann nur jedem empfehlen, mit einem Auslandspraktikum einen Blick über den Tellerrand zu wagen. Auch, wenn es vielleicht vorher ein bisschen mehr Mut und Organisation braucht als ein „normales“ Praktikum in der Heimat – im Nachhinein lohnt es sich auf jeden Fall!

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