Verwaltungsstation im Deutschen Generalkonsulat in Hongkong

Die Wahlstation im Deutschen Generalkonsulat in Hongkong: Ein Erfahrungsbericht über Rechtshilfeersuchen deutscher Gerichte, Recherchen zum Staatsangehörigkeitsrecht und die konsularische Betreuung deutscher Gefangener.

Bewerbungsverfahren

Das Bewerbungsverfahren für Referendarstationen bei deutschen Auslandsvertretungen läuft zentral über das Auswärtige Amt. Die Bewerbungsfrist endet sieben Monate vor dem jeweiligen Stationsantritt. Das Auswärtige Amt führt eine Liste aller deutschen Auslandsvertretungen, die Referendare annehmen. Es lohnt sich durchaus, sich alle Optionen anzuschauen und auch ausgefallene Standorte in Betracht zu ziehen.

Vor allem sollte man sich nicht von fehlenden Kenntnissen der Landessprache abschrecken lassen. Sofern das Auswärtige Amt solche nicht zur Bewerbungsvoraussetzung macht, braucht man diese für die Arbeit nicht. Im Alltag kann man vielerorts auch mit Englisch gut zurechtkommen und außerdem hat die Herausforderung, sich in einem Land zu bewegen, dessen Sprache man (noch) nicht spricht, mitunter einen besonderen Reiz. Ausgehend von der Liste der zur Wahl stehenden Vertretungen stellt man sich eine eigene beliebig lange Wunschliste zusammen, die man nach Priorität sortieren kann.

Es lohnt sich, flexibel zu sein. Wer beispielsweise nur New York und London angibt, hat ein großes Risiko, leer auszugehen. Wer aber auch bereit ist, an exotische Standorte zu gehen, hat gute Chancen, eine spannende Station zu bekommen. Nach welchen Kriterien die Bewerber ausgewählt und auf die Vertretungen verteilt werden, ist nicht ganz klar. Sehr wichtig sollen vorherige Auslandserfahrungen sein. Viel ist aber auch einfach Glücksache, weil das Timing passen muss. Kleinere Vertretungen (wie Hongkong) beschäftigen häufig nur einen Referendar, so dass man genau dann anfangen muss, wenn der Vorgänger aufhört. Das Auswahlverfahren geht sehr schnell. Nur zwei Wochen nach Bewerbungsschluss hatte ich ein Angebot für eine Station im Deutschen Generalkonsulat in Hongkong. 

Verwaltungsstation in Hongkong: Vorbereitungen

Man bekommt immer nur ein Angebot vom Auswärtigen Amt und keine Alternative. Nach Annahme nimmt die Auslandsvertretung den Kontakt auf und hilft zusammen mit der Zentrale bei der Organisation, z.B. bei der Beschaffung des Visums. Das Generalkonsulat hat einen von den Vorgängern erstellten Referendarsleitfaden voller nützlicher Tipps. Dieser enthält u.a. Hinweise zur Wohnungssuche – hier ist Eigeninitiative gefragt.

Auf dem Hongkonger Wohnungsmarkt gibt es aber reichlich Angebote, gerade auch für Miete auf Zeit. Bedenken sollte man aber auf jeden Fall die hohen Kosten. Der Hongkonger Wohnungsmarkt ist der teuerste der Welt mit Durchschnittsmonatsmieten von umgerechnet ca. 100 Euro pro Quadratmeter. Dies hat für Referendare vor allem zwei Folgen: Erstens muss man sich damit anfreunden, auf deutlich kleinerem Fuß zu leben, als man es aus Deutschland gewohnt ist. Zweitens reicht die Unterhaltsbeihilfe nicht aus, um die Lebenshaltungskosten zu decken.

Zwar gibt es einen regelmäßig angepassten Kaufkraftausgleich (während meiner Station betrug dieser 10 %, d.h. ich bekam in Hongkong 110 % meines deutschen Referendarsgehalts), doch ist das bei weitem nicht genug, um die Mehrkosten auszugleichen. Da das Auswärtige Amt auch keine Zusatzvergütung zahlt, muss man zur Finanzierung also auf andere Quellen (z.B. Ersparnisse) zurückgreifen. Ich habe mich, was die Unterkunft anging, für ein Studentenwohnheim entschieden, in dem auch schon zwei meiner Vorgänger untergekommen waren. Dort bewohnte ich ein 5-Quadratmeter-Zimmer in einer 4er-WG.

Geschichte und Status Hongkongs

Hongkong ist aufgrund seiner Sonderstellung eine extrem spannende Stadt. Nachdem Hong Kong Island als Folge des ersten Opiumkriegs bereits in den 1840er-Jahren britische Kronkolonie geworden war, folgten später Kowloon und 1898 die New Territories, welche für 99 Jahre an Großbritannien verpachtet wurden. Nach Ablauf dieser Zeit wurden 1997 alle drei Stadtgebiete zusammen an die Volksrepublik China zurückgegeben.

Seitdem ist Hongkong eine von zwei Sonderverwaltungszonen der Volksrepublik China (die andere ist Macau, welches 1999 von Portugal zurückgegeben wurde). In der gemeinsamen chinesisch-britischen Erklärung zu Hongkong sicherte China zu, das Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ für weitere 50 Jahre beizubehalten. Das Hongkonger Grundgesetz beinhaltet die Regeln, nach denen das Gebiet regiert und verwaltet wird. In Hongkong herrscht demnach nicht der Sozialismus des Festlandes, sondern es gibt ein kapitalistisches System.

Hongkong hat einen eigenen (allerdings nicht frei gewählten) Regierungschef und verwaltet sich in vielen Bereichen selbst. Ausnahmen sind Außenpolitik und Verteidigung, die in die Kompetenz der Pekinger Zentralregierung fallen. Hongkong hat demnach etwa eine eigene Polizei, aber keine eigene Armee. Anders als in Festlandchina, das dem Civil Law-Rechtskreis zuzuordnen ist, gilt in Hongkong ein auf dem englischen Recht basierendes Common Law-Rechtssystem.

Amtssprachen sind sowohl Chinesisch als auch Englisch. Daher sind nicht nur die Straßenschilder und Durchsagen in der U-Bahn zwei- bzw. mehrsprachig, man kann auch mit allen Behörden und Gerichten wahlweise auf Chinesisch oder Englisch kommunizieren. Im Alltag sprechen die Einheimischen untereinander Kantonesisch. Mandarin hört man wenig. Internet und Medien sind anders als auf dem Festland nicht zensiert.

Arbeit im Deutschen Generalkonsulat in Hongkong 

Als Rechtsreferendar ist man vor allem in der Rechts- und Konsularabteilung einsetzbar, wo immer wieder spannende Tätigkeiten anfallen. Diese sind etwa Rechtshilfeersuchen deutscher Gerichte, Recherchen zum Staatsangehörigkeitsrecht oder auch die konsularische Betreuung deutscher Gefangener. So habe ich z.B. mehrere Male in Hongkonger Gefängnissen deutsche Häftlinge besucht. Zudem hatte ich Gelegenheit, der Gerichtsverhandlung von einem ‚unserer‘ Untersuchungshäftlinge beizuwohnen. Dabei fand ich es besonders spannend, die Unterschiede zu deutschen Strafprozessen festzustellen (Jury Trial, Barrister mit Perücken, etc.). Auch in anderen Abteilungen kann man als Referendar zum Einsatz kommen, etwa bei der Erstellung des täglichen Presseberichts oder bei Veranstaltungen. Ich habe z.B. eine Arbeitsgruppe der konsularischen Vertreter mehrerer Staaten mit diversen Nichtregierungsorganisationen zum Thema Menschenrechte besucht und anlässlich einer Gedenkveranstaltung zum Holocaust Remembrance Day die Rede des stellvertretenden Generalkonsuls geschrieben.

Leben in Hongkong

Das Leben in Hongkong hat unglaublich viel zu bieten. Langweilig wird einem hier garantiert nicht. Zuerst einmal ist die Stadt an sich eine Attraktion. So viele Menschen auf so engem Raum ist man als Deutscher nicht gewohnt. Es ist eine spannende Erfahrung, Teil dieses Gewusels zu sein. Vor allem die Hauptinsel Hong Kong Island ist voller Hochhäuser.

Besonders die ersten Tage kommt man bei den beeindruckenden Anblicken kaum aus dem Staunen heraus. Hongkong hat mehr Wolkenkratzer als New York und diese sind nicht nur Bürogebäude, sondern auch Wohnblöcke. Im 30. Stock zu wohnen, ist hier völlig normal. Da aber die Wohnungen so klein und beengt sind, gehen die Hongkonger viel aus.

Gelegenheiten dazu gibt es reichlich. Restaurants gibt es an jeder Straßenecke, oft sogar ziemlich günstig. Teilweise bekommt man für nur 5 Euro eine leckere Mahlzeit. Wer es etwas gehobener mag: An Luxus-Restaurants besteht kein Mangel, ebenso wenig an exklusiven Cocktailbars, erstklassigen Hotels und teuren Shopping-Gelegenheiten. Das muss aber nicht sein. Man kann auch für wenig Geld vielerorts gut ausgehen. Die Barszene hat für jeden Geschmack etwas zu bieten und gerade die Rooftop-Bars warten mit unglaublichen Ausblicken über Skyline, Stadt und Hafen.

All das muss man nicht alleine erleben, denn Kontakte zu knüpfen ist einfach. Hongkong ist eine sehr internationale Stadt, man wird also viele Expats treffen. Aber auch die Einheimischen sind äußerst weltoffen, man fühlt sich immer und überall willkommen. Atemberaubende Aussichten gibt es auch von den Bergen. Hongkong ist sehr bergig und hat wegen des unwegbaren Geländes viel Natur zu bieten, oft sogar in unmittelbarer Nähe zur Stadt. So konnte ich von meiner zentral gelegenen Wohnung auf Hong Kong Island in nur 10 Minuten zu Fuß einen Wanderweg im Wald erreichen. Dieser führte hinauf zum Victoria Peak, dem bekanntesten Aussichtspunkt der Stadt. Der Blick von dort darf ohne Übertreibung als eine der beeindruckendsten Stadtaussichten der Welt bezeichnet werden.

Aber auch wer es etwas wilder mag, ist gut bedient: Hongkong wartet gerade in den Northern Territories mit einer riesigen Auswahl an Wanderwegen auf. Zudem gibt es viele kleinere Inseln mit idyllischen Fischerdörfern, wo man sich gleich in einer völlig anderen Welt wähnt. Durch die erstklassige Infrastruktur ist all das hervorragend angebunden. Oft kommt man innerhalb nur einer Stunde mit U-Bahn, Bus oder Fähre in die Natur, die übrigens auch wunderschöne Strände umfasst.

Verwaltungsstation im Deutschen Generalkonsulat in Hongkong: Fazit

Die Station in Hongkong war eine der aufregendsten Zeiten meines Lebens und das absolute Highlight meines Referendariats. Ich kann jedem nur empfehlen, sich eine solche Chance nicht entgehen zu lassen.

Dieser Artikel erschien zuerst im mylawguide 2020, dem Karrierehandbuch für Juristinnen und Juristen.