Die Zwischenprüfung im Jura Grundstudium – Lernplan & Tipps

Im Hinblick auf Lernstrategien im Jurastudium gibt es so viele und nicht alle funktionieren – unsere Autorin weiß, wovon sie spricht.

Lerntipps für die Zwischenprüfung

„Das Jurastudium ist hart.“ Dieser Satz wird Studierende der Rechtswissenschaften kaum überraschen. Wir hören ihn schon vielfach, bevor wir überhaupt mal einen Fuß in einen Hörsaal gesetzt haben. Der Geruch von Papier, Druckerschwärze und Angstschweiß eilt der Juristerei voraus wie ein unangenehmes, etwas zu stark aufgetragenes Parfum.

Die Zwischenprüfung: Kein Grund zur Sorge

Eine erste Hürde, an der sich diese Angst sammelt: Die Zwischenprüfung. Die muss es nach § 15 Abs. 1 HSG in jedem Studiengang mit einer Regelstudienzeit von über vier Jahren geben und ihr Bestehen ist Voraussetzung für den Eintritt ins Hauptstudium.

Welche Prüfungsleistungen für die Zwischenprüfung im Detail verlangt werden und ob es sich tatsächlich um eine gesonderte Prüfung handelt oder man etwa eine bestimmte Anzahl der Semesterabschlussklausuren der ersten vier Semester bestehen muss, ist von Uni zu Uni unterschiedlich.

In einem ersten Schritt sollte man sich also informieren, was auf einen zukommt. In diesem Artikel soll es um die Vorbereitung auf eine Prüfungsform gehen, die auf die eine oder andere Weise an jeder Uni ein zentraler Teil der Zwischenprüfung ist: Die Gutachtenklausur.

Eines sei dabei vorweggenommen: So schlimm ist das alles gar nicht. Um Papier und Druckerschwärze kommt man vielleicht nicht ganz herum, aber um den Angstschweiß schon – denn mit ein bisschen Vorbereitung und der richtigen Haltung ist die Zwischenprüfung überhaupt kein Grund zur Sorge!

Grundlagen statt Spezialprobleme

Vermeide es, dich in Spezialfällen zu verzetteln

Wichtig ist zunächst, sich beim Lernen nicht in Spezialprobleme zu verzetteln, sondern sich auf die Grundlagen zu konzentrieren. Dazu ist es hilfreich, mit Lernmaterialien zu arbeiten, die diese Beschränkung auf die Grundlagen bereits vorgeben. Professor:innen neigen in ihren Vorlesungen oft dazu, die dicksten Lehrbücher, die jede noch so skurrile Ausnahmekonstellation abdecken, als die besten zu empfehlen.

Das ist nicht weiter verwunderlich, da Professor:innen Expert:innen in ihren Gebieten sind und ihr umfassendes Wissen nur in den umfassendsten Büchern angemessen abgebildet sehen. Wenn man allerdings gerade das erste Mal im Leben mit dem Recht arbeitet, ist es herausfordernd genug, sich der juristischen Denkweise und Arbeitssprache anzunähern und den Stoff der ersten Semester auch nur annähernd zu verstehen.

Konzentration auf das Wesentliche und Entwicklung von Problemlösungsfähigkeiten.

Lernt man dann auch noch mit Lehrbüchern, die den Eindruck vermitteln, man müsste sich bereits jetzt ein lückenloses Wissen erarbeiten, geht das schnell nach hinten los: Lückenloses Wissen wird man im juristischen Bereich sowieso nie haben – das ist aber auch gar nicht das Ziel des Jurastudiums.

Vielmehr geht es darum, sich das Handwerkszeug anzueignen, mit dem man auch unbekannte Fälle souverän lösen kann. Gerade in den ersten Semestern, in denen so gut wie alle Fälle noch unbekannt sind, zielen auch die Klausuren darauf ab, den generellen Umgang der Studierenden mit einem juristischen Fall abzuprüfen.

Baue dir ein solides Fundament an juristischem Wissen auf

Sich durch die umfangreichsten erhältlichen Lehrbücher zu quälen und sich damit womöglich völlig zu überfordern, ist also überhaupt nicht zielführend. Sinnvoller ist es, sich Bücher oder Skripte zu suchen, deren selbsterklärtes Ziel es ist, den grundlegenden Stoff möglichst kurz und präzise zusammenzufassen.

Da der Fokus hier auf der Verknappung des Inhalts auf das wirklich Wesentliche liegt, kann man diese kurzen Bücher oder Skripte dann vielleicht sogar mehrmals pro Semester lesen. Hierdurch wird das juristische Grundwissen mit jedem Lesen etwas mehr gefestigt und man baut sich ein Fundament auf, das einem später auch den Umgang mit den schwierigeren Fällen und besonderen Problemen erleichtern wird.

Der Gutachtenstil: Eine formale Voraussetzung für juristische Prüfungen

Neben dem inhaltlichen Wissen kommt es in juristischen Prüfungen noch auf etwas anderes an: den Gutachtenstil. Dieser juristische Schreibstil ist eigen und durchaus gewöhnungsbedürftig, da er genau andersherum funktioniert wie der Schreibstil, den man vielleicht noch aus schriftlichen Prüfungen in der Schule kennt: Das Ergebnis wird nicht vorweggenommen und dann begründet, sondern es werden zunächst alle möglichen Lösungsalternativen aufgezeigt und systematisch durchgeprüft, um dann zum Ergebnis zu kommen.

Dieser juristische Schreibstil ist eigen und durchaus gewöhnungsbedürftig.

Damit Studierende diese formale Voraussetzung juristischer Prüfungen möglichst schnell beherrschen, wird in den Klausuren der ersten Semester für gewöhnlich besonders streng darauf geachtet, dass der Gutachtenstil eingehalten wird.

Es empfiehlt sich daher, in der Prüfungsvorbereitung viel mit ausformulierten Fällen – die man in Übungskursen an der Uni oder in Fallbüchern bekommt – zu üben. Und vielleicht auch mal selbst probeweise eine Falllösung zu formulieren und diese dann mit der Formulierung der vorgegebenen Lösung zu vergleichen.

Schwerpunktsetzung im Gutachtenstil

Eine zweite Herausforderung, die der Gutachtenstil mit sich bringt, ist die Schwerpunktsetzung. Da es zentraler Teil des Stils ist, alle denkbaren Lösungsalternativen aufzuzeigen, werden gutachterliche Falllösungen meist ganz von allein ziemlich umfangreich. Um einen Fall also trotzdem in der vorgegebenen Klausurzeit angemessen zu lösen, ist es essenziell, die richtigen Schwerpunkte zu setzen.

Um einen Fall in der vorgegebenen Klausurzeit angemessen zu lösen, ist es essenziell, die richtigen Schwerpunkte zu setzen.

Das ist – grade am Anfang des Studiums, wenn man noch nicht viel Erfahrung mit juristischen Falllösungen hat – leichter gesagt als getan, denn um ein Gefühl für die richtige Schwerpunktsetzung zu bekommen, muss man zunächst ein Gefühl für juristische Probleme haben.

Man sollte sich also jeden Übungsfall schnappen, den man in die Finger bekommt. Sowohl beim Gutachtenstil als auch bei der Schwerpunktsetzung kommt es aber in der Übungsphase nicht darauf an, jeden Fall gleich perfekt zu lösen, sondern darauf, möglichst viele Erfahrungen mit möglichst vielen unterschiedlichen Fällen zu sammeln. Also: Üben, üben, üben und bloß nicht durch Fehler entmutigen lassen!

So findest du die perfekte Lernmethode für dich

Im Hinblick auf Lernstrategien im Jurastudium gibt es Tipps wie Sand am Meer – dieser Artikel ist nur ein weiteres Beispiel dafür. Auch von Dozent:innen und Kommiliton:innen hagelt es meist Ratschläge über das „richtige“ Lernen.

Wichtig ist es daher, sich immer wieder eine Tatsache vor Augen zu führen: Man kennt sich selbst am besten. Die Tipps von Anderen können wertvolle Ideen liefern, anhand derer man ausprobieren kann, welche Lernstrategie für einen selbst die passende ist.

Wichtig ist es daher, sich immer wieder eine Tatsache vor Augen zu führen: Man kennt sich selbst am besten.

Am Ende sollte aber eben genau das dabei herauskommen: Eine Strategie, ein Plan, mit dem man realistisch seine Lernziele erreichen kann. Ein dauerhaftes zielloses Austesten ständig wechselnder Lernmethoden ist eher hinderlich und die strenge Anforderung an sich selbst, man müsste doch nur fleißig genug sein, um alle Lerntipps umzusetzen, kann letztlich nur demotivieren.

Besser ist es, ehrlich zu sich selbst zu sein, zu reflektieren, was einem wirklich hilft und was eher Zeitverschwendung ist, und Tipps von Anderen immer mit einer gesunden Prise Zweifel entgegenzunehmen.

Achte auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Lernen und Freizeit

Einen einzigen Ratschlag gibt es doch, den wirklich jede und jeder beherzigen sollte: Lernt nicht zu viel! Das Jurastudium ist ein Marathon, kein Sprint, und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Lernen und Freizeit ist vielleicht das Wichtigste, um am Ende erfolgreich und vor allem gesund durch die Staatsexamina zu kommen.

Das Wichtigste: nicht übertreiben!

Außerdem seid ihr in den ersten Semestern eures Studiums – da werden doch gewisse gesellschaftliche Erwartungen an junge Studierende auf euch projiziert! Und wo kämen wir schließlich hin, wenn wir Traditionen nicht mehr wahren würden?

Also klappt die Skripten, Laptops und Karteikartenboxen auch mal zu, geht etwas trinken, schlaft bis mittags und gönnt euch zum Frühstück das Mittagsmenü in der Mensa. Wenn der Spaß neben dem Lernen nicht auf der Strecke bleibt, sind auch die stressigen Klausurenphasen nur halb so wild!

Porträt Tabea Nalik | Autorin IQB Career Services
Autorin
Tabea Nalik

Tabea Nalik studierte Jura an der Georg-August-Universität Göttingen mit Schwerpunkt im öffentlichen Recht. Während des Studiums arbeitete sie als studentische Hilfskraft am Institut für allgemeine Staatslehre und politische Wissenschaften der Uni Göttingen und absolvierte Praktika im deutschen Generalkonsulat in Atlanta und am Landgericht Göttingen. Im Anschluss an das erste Staatsexamen begann sie mit einer Promotion im Bereich der Demokratietheorie und des öffentlichen Rechts und arbeitet am Lehrstuhl für Staatstheorie und Öffentliches Recht, insbesondere Staats- und Europarecht an der BSP Business & Law School Berlin.

FAQs – Zwischenprüfung im Jura Grundstudium – Lernplan & Tipps

Die Zwischenprüfung ist eine Prüfung, die nach § 15 Abs. 1 HSG in jedem Studiengang mit einer Regelstudienzeit von über vier Jahren existiert und deren Bestehen Voraussetzung für den Eintritt ins Hauptstudium ist.

Die Anforderungen für die Zwischenprüfung variieren von Universität zu Universität, es kann sich um eine gesonderte Prüfung handeln oder um das Bestehen einer bestimmten Anzahl von Semesterabschlussklausuren.

Einer der wichtigsten Punkte ist, sich auf die Grundlagen zu konzentrieren und nicht in Spezialprobleme zu verzetteln. Es ist wichtig, ein solides Fundament an juristischem Wissen aufzubauen, das später den Umgang mit schwierigeren Fällen erleichtert.

Der Gutachtenstil ist ein juristischer Schreibstil, der in Prüfungen verwendet wird, bei dem nicht das Ergebnis vorweggenommen, sondern alle möglichen Lösungsalternativen systematisch durchgeprüft werden, um dann zum Ergebnis zu kommen. Er ist eine formale Voraussetzung für juristische Prüfungen.

Man sollte viel mit ausformulierten Fällen üben, die man in Übungskursen an der Uni oder in Fallbüchern bekommt, und eigene Falllösungen formulieren und mit vorgegebenen Lösungen vergleichen.

Es ist wichtig, die richtigen Schwerpunkte zu setzen, um einen Fall in der vorgegebenen Klausurzeit angemessen zu lösen und nicht zu umfangreich zu werden.

Man sollte verschiedene Lernstrategien ausprobieren und herausfinden, was für einen selbst am besten funktioniert, und sich nicht durch ständiges Wechseln der Methoden oder zu hohe Anforderungen an sich selbst demotivieren lassen.