Jura Examensvorbereitung – 7 Tipps für den Erfolg & gegen den Stress

Bereite dich effektiv auf das Juristische Staatsexamen vor, reduziere den Stress und behalte die Nerven! 7 wertvolle Tipps einer frisch gebackenen Diplom-Juristin.

Sieben alternative Tipps für die Vorbereitung auf das Erste Juristische Staatsexamen

Mal ehrlich, es gibt bereits unzählige Artikel zur Examensvorbereitung. Ganze Bücher wurde dazu gefüllt und es gibt Blogs, die sich nur mit diesem einen Thema beschäftigen.

Das hält mich allerdings nicht davon ab, ebenfalls meinen Senf dazu zu geben. Hierbei konzentriere ich mich weniger auf das „Lernen“ an sich, das Erstellen eines Lernplans oder das Schreiben von Klausuren. Ich möchte lediglich auf Basis meiner eigenen Erfahrungen mit der Prüfungsvorbereitung alternative Ratschläge geben. Diese werden dich hoffentlich mit einem guten Mindset durch die Examensvorbereitung bis hin zu einem erfolgreichen Examen führen.

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Tipp 1 — Konzentriere dich nur auf dich selbst

First things first: Du! Man kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, sich nur auf sich selbst zu konzentrieren und nicht nach links und rechts zu schauen. Dies ist dein Examen und am Ende zählt deine Note, wobei es egal ist, wie gut oder schlecht die anderen waren. Mach dich gleich zu Beginn völlig frei von Anderen und zieh dein Ding durch!

Dazu gehört zunächst, den eigenen Rhythmus zu finden. Du kannst zum Beispiel besser später am Tag lernen und brauchst den Morgen für dich? Es ist völlig in Ordnung, nicht die erste Person in der Bibliothek zu sein oder eventuell sogar gar nicht dort zu sein, wenn man lieber zuhause lernt.

Mach dich gleich zu Beginn völlig frei von Anderen und zieh dein Ding durch!

Gehe in dich und versuche herauszufinden, wie du möglichst effizient sein kannst. Denn jeder hat eigene Lernmethoden und was für deine Kommiliton*innen funktioniert, muss nicht für dich funktionieren.

Das heißt nicht, dass du dir keine Ratschläge geben lassen solltest. Ganz im Gegenteil, hole dir so viele Tipps und Ratschläge wie möglich. Betrachte sie allerdings nur als Vorschläge und übernimm nur das, was dich auch wirklich weiterbringt.

Tipp 2 — Du brauchst (k)eine Lerngruppe

Die Lerngruppe ist ein umstrittenes Thema. Manche bereiten sich ausschließlich mit einer Lerngruppe auf das Examen vor, andere kommen gut ohne aus. Mein Gefühl ist allerdings, dass sehr häufig das Lernen mit einer Gruppe empfohlen wird oder gar als Voraussetzung für ein erfolgreiches Examen gilt. Dies kann sogar dazu führen, dass Studierende unter dem Druck stehen, unbedingt eine Lerngruppe finden zu müssen. Das ist nicht sinnvoll.

Sei ehrlich zu dir selbst und überlege, welcher Lerntyp du bist. Ist es für dich wirklich von Vorteil, mit Anderen stundenlang Fälle durchzusprechen oder kannst du in derselben Zeit besser deine Karteikarten lernen und Fälle lösen?

Sei ehrlich zu dir selbst und überlege, welcher Lerntyp du bist.

Ich selbst gehörte ehrlich gesagt zu der Fraktion, die sich dazu genötigt sah, eine Lerngruppe zu finden. Mir war bewusst, dass mir dies persönlich nicht besonders helfen würde, wobei ich natürlich einzelne Fragen und Probleme mit meinen Lernpartner*innen besprechen konnte, was durchaus von Vorteil war. Insgesamt betrachtet, habe ich jedoch mehr davon gehabt, den Stoff allein zu wiederholen und Klausuren zu schreiben.

Abgesehen vom sozialen Druck gab es aber noch einen anderen wichtigen Grund für meine Entscheidung für eine Lerngruppe: Die seelische Unterstützung.

Die Examensvorbereitung ist lang und zäh und es hilft ungemein, sich wenigstens einmal die Woche mit Personen zu treffen, die genau das Gleiche mit ähnlichen Herausforderungen durchleben. Es hilft zu merken, dass man nicht allein ist.

Tipp 3 — Überlege dir ein Lernsystem und bleib dabei

Nun komme ich doch zum Thema Lernen, denn die Entscheidung für ein Lernsystem ist aus verschiedenen Gründen immens wichtig.

Es kein Geheimnis, dass ein gut durchdachtes Lernsystem deine Effektivität und Gedächtnisleistung steigern wird. Ob du Lernzettel, digitale oder handgeschriebene Karteikarten (Achtung: Letzteres kann sehr unübersichtlich werden) bevorzugst, spielt kaum eine Rolle. Wichtig ist vielmehr, dass du dir dazu schon zu Beginn der Examensvorbereitung ausgiebig Gedanken machst und dich dann für ein System entscheidest.

Dabei solltest du idealerweise auf deine Erfahrungen aus dem Studium zurückgreifen können. Mach dir allerdings klar, dass du nun nicht mehr für eine Klausur lernst und das Gelernte nach dieser Klausur erst einmal hinter dir lassen kannst. Vielmehr muss du nun eine riesige Stoffmenge möglichst übersichtlich organisieren und regelmäßig wiederholen.

Organisiertes Lernen und die Gewissheit, dass man bezüglich des Lernstoffs nicht nachhängt, führt zu mehr Selbstvertrauen und zu insgesamt weniger Stress.“

Mein persönlicher Tipp ist hier ein digitales Karteikartentool, wie zum Beispiel Anki oder Repetico. Probiere verschiedene Lernsysteme jeweils für ein bis zwei Wochen aus, entscheide dich dann allerdings für eines und bleib dabei. (-> Mehr Infos zu hilfreichen Apps)

Damit komme ich nämlich zu der zweiten wichtigen Punkt: Der „mentalen Sicherheit“. Hast du dich einmal für ein System entschieden und hältst es immer up to date, wirst du dich automatisch sicherer und ruhiger fühlen.

Organisiertes Lernen und die Gewissheit, dass man bezüglich des Lernstoffs nicht nachhängt, führt zu mehr Selbstvertrauen und zu insgesamt weniger Stress.

Tipp 4 — Die Examensvorbereitung ist ein Marathon und kein Sprint

Diesen Spruch kennen wir nur allzu gut. Das macht ihn allerdings nicht weniger wahr.

Manch einer wird sehr motiviert zu Beginn des Repetitoriums sein, manch einer weniger, je nachdem wie ausgeruht man in die Examensvorbereitung startet. So oder so ist es empfehlenswert, diese Anfangsphase eben als solche zu betrachten und sich die Zeit zu nehmen, sich zu organisieren und sich an diesen neuen Abschnitt zu gewöhnen.

Sieben Tage die Woche für ein bis zwei Jahre zu lernen, ist unmöglich und wird das Examen nicht verbessern.

Wenn du das Gefühl hast, dass du von einer stressigen Phase in die nächste gerutscht bist, fahre noch einmal in den Urlaub. Plane dir freie Tage ein, zu Beginn mehr als zum Ende hin. Sieben Tage die Woche für ein bis zwei Jahre zu lernen, ist unmöglich und wird das Examen nicht verbessern.

Versuche dich daher, insgesamt in deiner Lernzeit zu steigern, indem du über längere Zeit kontinuierlich lernst, das heißt beim Stoff mitkommst und natürlich regelmäßig Klausuren schreibst. Insbesondere zum Ende hin, wenn der gesamte Stoff durchdrungen wurde, macht es Sinn, besonders Gas zu geben. Blende also andere Dinge eine Zeitlang aus und fokussiere dich wirklich auf das Lernen.

Im Ziel wirst du zwar erschöpft sein, dich aber großartig fühlen. Versprochen! Wie ein Marathon eben.

Tipp 5 — Umgib dich mit positiven Menschen

Selbst wenn man es schafft, sich nur auf sich selbst zu konzentrieren, heißt das natürlich nicht, den Kontakt zu anderen Menschen zu verlieren.

Aber Achtung! Überlege dir genau, mit wem du deine Zeit verbringst. Ein positives Umfeld wird sich auch auf dich positiv auswirken. Dies lässt sich steuern.

Im besten Fall hast du Menschen um dich herum, die nachvollziehen können, wie du dich fühlst und dich unterstützen, indem sie deine Grenzen während dieser Zeit akzeptieren und dir gut zureden. Auch Ablenkung ist – in Maßen – gut.

Du tust gut daran, dich von Personen fernzuhalten, die sich selbst und damit auch dich bezüglich des Examens stressen. Menschen, die dir nicht guttun, kannst du in dieser Zeit nicht gebrauchen. Auch das sind Stressfaktoren, die dich während der Examensvorbereitung unnötig belasten, womit ich zum nächsten Punkt komme.

Tipp 6 — Reduziere alle Stressfaktoren um dich herum

Was du am wenigsten während der Vorbereitung auf das Examen gebrauchen kannst, ist externer Stress. Versuche daher, diesen so weit wie möglich zu reduzieren.

Überlege dir, welche Faktoren in deinem Umfeld negative Gefühle aufkommen lassen oder dich nervös machen. Du kannst auch so weit gehen und dir eine Liste dazu machen. Neben Personen in deinem Umfeld (siehe Punkt 5) könnten dies soziale Medien, Partys, sozialer Druck oder auch die Bibliothek sein.

Vielleicht kannst du dich für ein paar Monate von Instagram trennen oder eine Bildschirmzeit einrichten. Vielleicht musst du nicht bei jedem Event dabei sein. Vielleicht probierst du mal Bibliotheken anderer Fachrichtungen aus, um nicht jeden Tag die gleichen Gesichter zu sehen.

Vielleicht kannst du dich für ein paar Monate von Instagram trennen oder eine Bildschirmzeit einrichten. Vielleicht musst du nicht bei jedem Event dabei sein.

Ich persönlich bin in den letzten Monaten vor meinem Examen in meine Heimatstadt zu meiner Familie gezogen. Das war für mich sinnvoll, weil mir mein studentisches Umfeld zu viel Ablenkung geboten hat und mir es teilweise schwer fiel „Nein“ zu sagen.

Indem ich einfach für eine gewisse Zeit nicht da war, habe ich mir selbst die Last genommen und den größten Stressfaktor verbannt. Eine wichtige Erkenntnis, die ich hierbei hatte, war, dass man nichts „verpasst“ und in der Regel das Leben anschließend genau so weiter geht wie vorher.

Für mich war es die beste Entscheidung, mich so voll und ganz auf mich selbst und das Examen zu konzentrieren. Zudem war die Unterstützung, die ich durch meine Familie während dieser Zeit erfahren habe, unbezahlbar.

Tipp 7 — Es ist okay, Hilfe in Anspruch zu nehmen

Nun komme ich zum siebten und letzten Punkt, und er kommt von Herzen.

Unter Jurastudent*innen gilt oft, dass man hart im Nehmen sein muss und die Examensvorbereitung einem nichts anhaben darf, um erfolgreich zu sein.

Dazu zwei Dinge:

Erstens erscheint in Retrospektive alles einfacher, als es wirklich war.

Zweitens sollten wir in einer Zeit angekommen sein, in der es nicht verboten sein sollte, Schwäche zu zeigen. Auch nicht im Jurastudium. Es sollte mehr darüber gesprochen werden, welche psychische Belastung durch die Examensvorbereitung, das Examen und das Notensystem entstehen kann. Es sollte mehr darüber gesprochen werden, wie viele Jurastudent*innen sich professionelle Hilfe in Form einer Therapie suchen. Dies sollte kein Geheimnis sein. Und es sollte vor allem besser vermittelt werden, dass die Inanspruchnahme von Hilfe eine völlig legitime und nachvollziehbare Option darstellt, anstatt Angst und Schrecken darüber zu verbreiten, dass dies ein Hindernis im Hinblick auf eine mögliche Verbeamtung sein könnte.

Und zu guter Letzt: Die Vorbereitung und das Examen sind ernstzunehmende Herausforderungen, die allerdings nicht das Leben beherrschen sollten. Jeder Mensch ist vielschichtig und anders und wir sollten unseren Stoff beherrschen und nicht umgekehrt.

Ich wünsche dir, dass du dies beherzigen kannst und mit einem gesunden Mindset erfolgreich das Examen bewältigst.

Viel Erfolg!

Greta Niehaus
Autorin
Greta Niehaus

Greta Niehaus studierte Jura an der Humboldt-Universität zu Berlin mit Schwerpunkt im Unternehmens- und Gesellschaftsrecht. Während des Studiums arbeitete sie bei Freshfields Bruckhaus Deringer sowie an einem Lehrstuhl für Bürgerliches Recht. Sie absolvierte mehrere Praktika in internationalen Kanzleien in Deutschland und im Ausland. Aktuell beginnt sie mit ihrer Promotion im Bereich Kapitalmarktrecht.