Erfolgsfaktor Stimme – Tipps für eine bessere Stimme und mehr Erfolg im Gespräch

Eine gute Stimme entscheidet als akustische Visitenkarte darüber, ob uns Kompetenz zugesprochen wird und unser Gegenüber uns vertraut. Aber was macht eine gute Stimme aus? Kann ich meine Stimme überhaupt beeinflussen und wenn ja, wie? Wir haben mit Stimmbildnerin Ute Bolz-Fischer gesprochen. Lies ihre wichtigsten Tipps und Hinweise zu dem Thema.

Herzlich willkommen Ute Bolz-Fischer, vielen Dank, dass es geklappt hat. Wir starten einfach direkt mit der ersten Frage: Kannst du dich bitte selbst vorstellen und kurz erzählen, was du genau machst, wer du bist und, was dein Hintergrund ist?

Mein Name ist Ute Bolz Fischer, ich bin Stimmbildnerin, Sängerin und Musik-Wissenschaftlerin und habe mich seit einigen Jahren auf die Stimmbildung und das Stimmcoaching von Jurist:innen spezialisiert. Das liegt hauptsächlich an meinem juristisch geprägten familiären Umfeld. Hier wurde mir immer wieder gesagt, dass viele Jurist:innen gerade im Anwaltsbereich qualifiziert sind, aber es stimmlich nicht optimal rüberbringen.

Viele Leute denken: Ich habe nun mal diese Stimme und daran kann ich nichts ändern. Das stimmt nicht.

Warum ist gerade die Stimme ein Erfolgsfaktor?

Die Stimme ist das Transportmittel des Inhalts und je besser das Transportmittel ist, desto mehr kommt natürlich auch der Inhalt beim Gegenüber an und umso mehr wird auch Vertrauen aufgebaut. Vertrauen ist ein wichtiger Faktor im juristischen Bereich. Wenn man kein Vertrauen zu demjenigen hat, der einen vertreten soll, nützt es auch nichts, wenn dieser Mensch juristisch hochqualifiziert ist. Die Stimme ist unsere akustische Visitenkarte. Je angenehmer und klangvoller sie ist, desto mehr vermittelt sie Kompetenz und Sympathie.

Wichtig ist die Stimme auch bei der Akquise, denn die läuft zu hundert Prozent über die Stimme. Egal ob in Präsenz oder Remote.

Eine gute stimmliche Präsenz stärkt das Selbstvertrauen. Man braucht keine Angst vor den vielen Auftritten zu haben, die man als Jurist:in hat, egal in welchem Bereich man arbeitet.

Was würdest du denn sagen, ab wann sollte man sich intensiv mit seiner Stimme oder mit dem Thema Stimme auseinandersetzen?

Je eher desto besser – auf jeden Fall mit dem Beginn des Studiums. Man sollte checken lassen, ob die Stimme okay ist oder ob irgendwelche körperlichen Defizite da sind. So wird es gar nicht dazu kommen, dass man erst im Laufe der Karriere feststellt, dass man ein stimmliches Problem hat.

Spätestens im zweiten Staatsexamen wird die Stimme richtig wichtig, da es dort auf den Vortrag ankommt und der stimmliche Auftritt sich direkt auf die Note niederschlagen kann.

Was sind Merkmale einer guten Stimme? Welche Faktoren spielen eine Rolle und was kann man beeinflussen?

Viele Leute denken: Ich habe nun mal diese Stimme und daran kann ich nichts ändern. Das stimmt nicht. Man kann wirklich jede Stimme, auch wenn sie auf den ersten Blick oder auf den ersten Hörer fürchterlich klingt, mit einem richtigen Training hinbekommen, denn eigentlich ist jede:r mit einer gesunden, guten Stimme geboren worden. Es kommt hauptsächlich auf die richtige Atmung an. Die meisten stimmlichen Defizite sind darauf zurück zu führen, dass die viele Menschen nicht richtig tief atmen.

Aber jetzt nochmal zurück zu deiner Frage, was eine gute Stimme ausmacht. Eine gute Stimme zeichnet sich dadurch aus, dass sie einen schönen, offenen und runden Klang hat, dass sie nicht halsig oder heiser klingt, sondern dass sie schön strahlt. Und dieses Strahlen bekommt man nur, wenn man die Resonanzräume im Körper ausnutzt. Das ist dann einer der Hauptpunkte, die ich lehre, damit die Stimmen rund und wohl gelöst klingen.

Ebenfalls wichtig für eine gute Stimme ist die Prägnanz in der Artikulation, d. h. die Worte bis zum Ende durchartikulieren die Endsilbe nicht verschlucken usw. Das hängt vor allem mit der Öffnung des Kiefers zusammen. Macht man den Kiefer einfach nicht auf, dann kommt auch nichts raus und man wird nicht verstanden. Wenn die Prüfer:innen beim zweiten Staatsexamen im Aktenvortrag nichts verstehen oder sich die Hälfte dazu denken müssen, dann ist das ein gravierender Nachteil.

Was sind stimmliche No-Gos oder häufige Probleme?

Ein ganz großes Thema ist, dass die meisten einfach zu hoch sprechen, insbesondere viele Frauen (aber das gibt es natürlich auch bei Männern). D. h. sie sprechen nicht in ihrer Wohlfühllage (im Fachausdruck Indifferenzlage). Jede Stimme hat eine gewisse Lage, in der sie am lockersten schwingt – die Indifferenzlage. Diese gilt es zu identifizieren und dann darauf zu achten, dass man wirklich immer in dieser Lage spricht. Oft wird das zu hohe Sprechen durch die Atmung verursacht, weil man dann zu sehr in den Brustraum atmet und somit der Kehlkopf immer weiter nach oben gedrückt wird. Mit einer hohen Stimme wird einem meist Kompetenz abgesprochen und man wird weder von Richter:innen noch von den Mandant:innen ernst genommen.

Es gibt noch andere Ausprägungen zum Beispiel eine quakige Stimme, also wenn man den Mund immer zu breit zieht. Das ist meist unangenehm und man hört demjenigen nicht so gerne zu. Auch sehr häufig gibt es zittrige Stimmen. Dies hängt in allererster Linie mit Aufregung zusammen und auch wieder mit falscher Atmung.

Je früher man bei all diesen Problemen mit gezieltem Stimmtraining anfängt, desto leichter ist es, diese auch zu beheben.

Jede Stimme hat eine gewisse Lage, in der sie am lockersten schwingt – die Indifferenzlage. Diese gilt es zu identifizieren und dann darauf zu achten, dass man wirklich immer in dieser Lage spricht.

Gibt es Anzeichen, auf die man achten kann, um ein stimmliches Defizit festzustellen?

Super, dass du das ansprichst. Es gibt in der Tat Anzeichen dafür: Wenn jemand über längere Zeit hin keine Erkältung hat, sich aber immer heiser anhört oder die Stimme teilweise Aussetzer hat, das also nur Luft kommt und kein Ton, sollte man das vom HNO-Arzt überprüfen lassen.

Bei Sprachfehlern kann ich wirklich nur an Eltern appellieren, so etwas stellt sich schon im Kindesalter raus. Sollten Fehler vorhanden sein, kann man einfach zum Logopäden gehen und das entsprechend beheben. Oft ist es nur eine Fehlstellung der Zunge und man tut seinem Kind einen großen Gefallen, wenn man das frühzeitig in Angriff nimmt.

Man sollte auf jeden Fall auch darauf achten, ob einem bei längerem Sprechen der Hals ständig wehtut. Auch das kann ein Anzeichen für eine falsche Belastung sein.

Hast du drei konkrete, schnellere Tipps, wie man sich vor einer mündlichen Prüfungssituation oder einem Gerichtstermin vorbereiten kann?

Ja, ich nenne jetzt mal drei, die wirklich unkompliziert alleine ohne Hilfestellung hinzubekommen sind.

3 Tipps für eine bessere Stimme

  1. Auf die aufrechte Haltung achten – egal ob im Stehen oder im Sitzen.
  2. Schultern unten lassen. So kommt man am ehesten in die Tiefenatmung.
  3. Auf bewusstes Ausatmen achtet. Bewusst in den Unterleib einatmen. Das Zwerchfell wird erst in Gang gesetzt, wenn man genügend ausatmet, und dann kommen wir auch erst in die Tiefenatmung. So kann man übrigens auch Stress wegatmen.

Bonus-Tipp: Wenn man vor dem PC sitzt und arbeitet, sollte man darauf achten, dass die Zähne nicht zusammen gebissen werden, sondern immer ein kleiner Spalt dazwischen ist, damit der Unterkiefer schön locker fallen kann. Andernfalls wird das Kiefergelenk total fest, so dass es schwer fällt, den Kiefer richtig zu öffnen. Dadurch wird beim Sprechen der Hals unheimlich beansprucht.

Gerade die Atmung haben wir jetzt als sehr zentralen Punkt festgemacht. Hast du eine Übung, durch die man vor allem die Tiefenatmung trainieren kann?

Ja, auf jeden Fall. Ich zeige jetzt mal eine Übung, die man überall machen kann.

Übung zur Tiefatmung:

  1. Sitzend oder stehend möglich. Aufrechte Haltung.
  2. Eine Hand auf den Bauch und die andere auf den Rücken legen. Einmal komplett ausatmen.
  3. Durch die Nase einatmen. Achtung: Nicht in den Schulterbereich atmen, sondern ganz bewusst in Richtung der Hände, also tief, atmen.

Die Schultern bleiben, wo sie sind (gehen nicht hoch), die Bauchdecke wölbt sich nach außen.

Bei den ersten Malen wird das evtl. nicht perfekt funktionieren, aber es wird schon mal ein Bewusstsein dafür schaffen, wo die Atmung hin soll.

Wenn ihr die Übung macht, werdet ihr merken, dass ihr euch mehr erdet und die Unruhe aus euch herausgeht. Die Herzfrequenz geht runter und ihr werdet weniger gestresst sein. Die Übung kann man gut zwischendurch machen. Vor Mandantengesprächen, Gerichtsterminen, Pitches, Prüfungen usw.

Achtet auf jeden Fall darauf, durch die Nase und nicht durch den Mund einzuatmen. Sonst trocknen eure Schleimhäute und Stimmbänder aus. Dann wird die Stimme heiser und ermüdet schneller, was sogar zu Stimmausfällen führen kann.

Super, vielen Dank. Hast du sowas ähnliches auch für die Körperhaltung?

Natürlich, da gibt es eine sehr schöne Übung, die funktioniert allerdings nur im Stehen:

Übung für eine gute Körperhaltung

  1. Aufrecht hinstellen.
  2. In Zeitlupe abrollen. Beginn mit dem Kopf, lege dein Kinn auf die Brust und rolle dich dann langsam Wirbel für Wirbel weiter ab, bis die Hände den Boden berühren (oder so weit du kannst).
  3. Bleibe einen Moment in dieser Position.
  4. Reverse: Richte dich langsam, Wirbel für Wirbel wieder auf. Als letztes geht der Kopf nach oben, die Schultern bleiben unten.

Nach der Übung hat man das Gefühl, richtig schön breit und offen und 10 Zentimeter gewachsen zu sein. Nimm dieses Gefühl auch als Vorbild für deine Sitzposition.

Die Übung hat auch einen entspannenden Effekt. Die aufrechte Haltung stärkt zudem das Selbstbewusstsein.

Vielen Dank für diese spannenden Einblicke. Am 31.5. dieses Jahres ist die Juracon in Frankfurt im Kap Europa und du wirst auch vor Ort sein, kannst du kurz erzählen was die Besucher:innen dort erwarten können?

Ja, das mach ich sehr gerne. Ich beginne mit einem Einführungsvortrag und beleuchte nochmal aus allen Blickwinkeln die entscheidende Bedeutung der Stimme für Jurist:innen. Im Hinblick auf die Ausbildung und dann auch die Karriere. Danach wird es eine begrenzte Anzahl an Einzelcoachings geben, auf die man sich bewerben kann. Im Rahmen dessen findet dann ein 20-minütiges Stimmcoaching statt.

Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf.

Ja, wir freuen uns auch total, dass du dabei bist und wir freuen uns auch über das Interview. Vielen Dank, dass alles so super geklappt hat.

Sehr gerne geschehen, hat mir sehr viel Spaß gemacht.

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