Wahlstation beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Erfahrungsbericht einer Rechtsreferendarin

Unsere Autorin berichtet aus ihrer Wahlstation beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Welche juristischen Aufgaben sie übernahm, wie sie das Team erlebte und was sie künftigen Referendarinnen und Referendaren mit auf den Weg gibt – ein persönlicher Einblick ins Referendariat.

Wahlstation beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge – Ein Einblick in die Arbeitspraxis einer Rechtsreferendarin

„Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, deine Wahlstation beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu machen?“ und „Was macht man dort überhaupt?“. Diese und ähnliche Fragen bekam ich oft zu hören, sobald ich von meinem Entschluss berichtete, meine Wahlstation beim BAMF zu absolvieren. Sowohl unter Referendariatskolleginnen und -kollegen als auch in meinem privaten Umfeld stieß mein Vorhaben auf großes Interesse aber auch nicht selten auf Verwunderung. Wie kommt man überhaupt auf das BAMF?

Hier möchte ich einen kurzen Einblick in die Erfahrungen geben, die ich während meiner Wahlstation im Bereich der Integration im Referat 82A in Nürnberg sammeln konnte, um auch künftigen Referendarinnen und Referendaren ein realistisches Bild der vielfältigen Tätigkeitsbereiche zu vermitteln, die sie beim Bundesamt erwarten können.

Meine Wahlstation im Referat 82A – das Einsatzgebiet

Mein Einsatzreferat befasst sich schwerpunktmäßig mit der Integration von Ausländerinnen und Ausländern sowie Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern nach dem Aufenthaltsgesetz in Verbindung mit der Integrationskursverordnung. Dabei unterstützte ich die Referentinnen und Referenten insbesondere im Bereich der Kommunikation mit den Integrationskursträgern, bei der Erteilung und dem Widerruf von Zulassungen sowie bei den damit zusammenhängenden Klageverfahren.

Der Einstieg: von anfänglichen Zweifeln zum Teamgefühl

Zu Beginn meiner Wahlstation hatte ich etwas Zweifel, ob mein juristisches Fachwissen ausreicht, um in einem Bereich tätig zu werden, der rechtlich über die üblichen Inhalte des Studiums und der Referendariatsausbildung hinausgeht. Zwar hatte ich die Vorlesung ‚Migrationsrecht‘ bereits im Rahmen meines universitären Schwerpunktstudiums an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg als Wahlfach belegt, jedoch bot diese nur einen groben Überblick über diesen umfassenden Themenbereich.

Meine anfänglichen Sorgen konnten mir die Mitarbeitenden meines Einsatzreferates jedoch von Beginn an nehmen. Ich bekam ausreichend Zeit, mich in die relevanten Gesetze, Verordnungen und die fachspezifische Verwaltungspraxis einzuarbeiten und einen Überblick zu gewinnen. Von Anfang an herrschte ein kollegiales Verhältnis. Man begegnete sich auf Augenhöhe und wurde schnell Teil eines Teams, in dem die eigene juristische Meinung gefragt und geschätzt wurde.

Juristische Aufgaben im Rechtsreferendariat: mein Arbeitsalltag beim BAMF

Rechtsvermerke, Schriftsätze und Anfragen aus dem operativen Bereich

Meine Aufgaben waren sehr vielfältig: Dazu gehörten die Erstellung von Rechtsvermerken, die Vorbereitung und Überarbeitung von Schriftsätzen und Strafanzeigen sowie die Bearbeitung von rechtlichen Anfragen des operativen Bereichs im BAMF.  Mit operativem Bereich ist im Bundesamt insbesondere die Tätigkeit in den sogenannten Außenstellen (rund 50) gemeint, die in ganz Deutschland verteilt sind und in denen die Asylverfahren durchgeführt werden.

Eigene Rechtsgutachten und die Feedbackkultur im Referat

Auch die Ausarbeitung von Gutachten gehörte zu meinem Aufgabenbereich. Ein besonders ausführliches Gutachten habe ich im Rahmen des Umwandlungsgesetzes erstellt, um meine Lösungsansätze zu einem referatsinternen Problem darzustellen. Denn als Grundsatzreferat für die Integrationskurse bearbeitet das Referat 82A auch alle damit zusammenhängenden Rechtsfragen wie z.B. zu Rechtsformwechsel bzw. Umstrukturierung von Sprachschulen und deren Auswirkung auf eine erteilte Zulassung als Integrationskursträger. Die übrigen von mir angefertigten Gutachten und Vermerke fielen hingegen deutlich kürzer aus und dienten meinen Kolleginnen und Kollegen in erster Linie als Hilfestellung bzw. als erste rechtliche Einschätzung.

Besonders motivierend war dabei, dass auf meine Arbeitsergebnisse eingegangen wurde und ich stets Rückmeldung, konstruktive Korrektur oder Lob erhielt. Durch dieses Feedback konnte ich meine Leistungen verbessern und an die praktischen Standards der Behörde anpassen, genau das, was stets Ziel der jeweiligen Ausbildungsstationen sein soll.

Einblicke in den Arbeitsalltag beim BAMF – über die juristischen Aufgaben hinaus

Auch über die klassischen juristischen Aufgaben hinaus bot sich ausreichend Gelegenheit, die Behörde und ihre Funktionsweise näher kennenzulernen. Ich wurde oftmals informiert und eingeladen an referatsübergreifenden Veranstaltungen, wöchentlichen Teambesprechungen, Gruppendiskussionen und referatsinternen Schulungen teilzunehmen.

Bei gemeinsamen Mittagessen oder kurzen Gesprächen „über den Schreibtisch“ hinweg bestand zudem Gelegenheit, sich mit den Mitarbeitenden des Referats auszutauschen und über Erfahrungen aus Studium und Referendariat zu sprechen. Dieser persönliche Austausch hat mir ungemein geholfen, die lange Wartezeit von vier Monaten zwischen schriftlichen Prüfungen und Bekanntgabe der Ergebnisse zu überbrücken, getreu dem Motto „Anderen ging es damals genauso“.

Mein Fazit und Rat an künftige Referendarinnen und Referendare

Mein Einsatz im Referat 82A ,“Steuerung und Qualitätssicherung der Integrationskurse Bewertungskommission“, im BAMF hat mir sehr gefallen, obwohl ich das Referat 82A gar nicht auf meiner „Wunschliste“ hatte. Ich konnte dem Internetauftritt des BAMF im Vorfeld nicht ganz entnehmen, in welchen Bereichen überwiegend juristische Themen bearbeitet werden und welche Referate eine Betreuung von Referendarinnen und Referendaren tatsächlich gewährleisten können. Die Zuweisung zum Referat 82A erfolgte somit abweichend von meinem im Rahmen des Bewerbungsprozesses geäußerten Wunscheinsatz in anderen Referaten.

Daher kann ich zukünftigen Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare nur empfehlen, offen zu sein, weil sich der Einsatz im BAMF auf jeden Fall lohnt und man eine äußerst spannende und lehrreiche Wahlstation erlebt.

Die Zeit beim Bundesamt hat mir verdeutlicht, welch hohen Stellenwert Teamarbeit in der behördlichen Praxis einnimmt. Ein respektvoller und wertschätzender Umgang miteinander sowie die gegenseitige Unterstützung im Kollegenkreis sind entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und ein positives Arbeitsklima.


Jennifer Schley BAMF Autorenportrait
Autorin
Jennifer Schley

Jennifer Schley hat Rechtswissenschaften an der FAU in Erlangen studiert und ist Rechtsassessorin und ehemalige Rechtsreferendarin im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.