Tipps für eine gelungene gutachterliche Hausarbeit im Jurastudium

Eine gelungene gutachterliche Hausarbeit erfordert Planung und Präzision. Hier findet ihr Tipps zu Themenwahl, Struktur, Quellenangabe und Korrektur, für eine erfolgreiche juristische Arbeit.

Juristische Hausarbeiten: Anforderungen und Erwartungen

Hausarbeiten sind neben Klausuren die wichtigste Prüfungsform im Jurastudium. Die meisten Hausarbeiten werden im Gutachtenstil geschrieben – man bekommt also einen Fall, den es zu lösen gilt. Man könnte also denken: Genauso wie bei gutachterlichen Klausuren, aber damit läge man falsch, denn Hausarbeiten haben einen ganz anderen Anspruch als Klausuren. Um in einer gutachterlich zu verfassenden Hausarbeit eine gute Bewertung zu erlangen, muss man daher erstmal grundsätzlich verstehen, was erwartet wird.

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Der Zweck von Hausarbeiten: Vermittlung wissenschaftlicher Methodik

Hausarbeit und wissenschaftliche Methodik: Der Unterschied zur Klausur

Was unterscheidet also die Prüfungsform der Hausarbeit von der einer Klausur? Während in Klausuren in erster Linie das über das Semester erlernte Wissen sowie die Methodik des Gutachtenstils und die generelle Falllösungskompetenz abgefragt werden, sollen sich die Studierenden durch Hausarbeiten die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten aneignen.

Das Problem dabei: Oft wird dieser Anspruch Studierenden gegenüber nicht einmal erwähnt, geschweige denn erklärt, wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert. Konzentriert man sich dann beim Verfassen der Hausarbeit lediglich auf das Finden der „richtigen“ Lösung und lässt dabei Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens außer Acht, führt das schnell zu einer schlechten Bewertung. Auch wenn das Ergebnis inhaltlich vielleicht gar nicht so verkehrt ist.

Wissenschaftliche Falllösung in juristischen Hausarbeiten

Um zu verstehen, wie man einen Fall wissenschaftlich löst, muss man sich eigentlich nur den Zweck der Wissenschaft selbst ins Gedächtnis rufen: Bereits dem Wortlaut nach geht es in der Wissenschaft darum, Wissen zu schaffen. In den Geisteswissenschaften, zu denen auch die Rechtswissenschaft zählt, lassen sich allerdings anders als in den Naturwissenschaften keine objektiven Wahrheiten auf empirischer Basis finden. Daher ist es hier in erster Linie Ziel, gedankliche Ansätze argumentativ überzeugend darzustellen und gleichzeitig anhand von anderen Texten, die das entsprechende Thema behandeln, zu überprüfen und so die Subjektivität weitestgehend zu reduzieren. Aus diesem Anspruch lassen sich mehrere Konsequenzen für die gutachterliche Falllösung in juristischen Hausarbeiten ableiten:

Punkte bringt vor allem der souveräne Umgang mit Problemen

Anders als in der Klausur, in der bis auf Gesetzbücher keine Hilfsmittel verwendet werden dürfen, kann man in der Hausarbeit einen großen Teil der für die Lösung relevanten Informationen unproblematisch in Lehrbüchern und Kommentaren nachlesen. Mit dem korrekten Prüfungsschema einer Norm oder dem Zitieren gängiger Definitionen lassen sich Korrektor:innen daher kaum beeindrucken.

Auch das Beherrschen des Gutachtenstils wird aufgrund der Fülle an Zeit und Ressourcen, die einem für eine wissenschaftliche Arbeit zur Verfügung steht, schlicht vorausgesetzt. Den nötigen Spielraum, eigene Lösungsansätze zu entwickeln und diese argumentativ überzeugend darzustellen, bieten daher in erster Linie die Probleme des Falls: Umstrittene juristische Fragen, auf die es mehr als eine mögliche Antwort gibt.

Ziel der Auseinandersetzung mit Fallproblemen: Den eigenen Lösungsansatz überzeugend darstellen

Der Umgang mit strittigen juristischen Fragen in der Hausarbeit

Wird also beim Bearbeiten der Hausarbeit eine solche strittige Frage relevant, kann man die Auseinandersetzung damit als Chance sehen, die eigene Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten zu präsentieren. Hierzu sollte man zunächst einen inhaltlichen Schwerpunkt auf den Umgang mit dem Problem setzen; der Problemlösung also mehr Raum geben als der Darstellung unproblematischer Inhalte. Im Rahmen einer gutachterlichen Hausarbeit begegnet man zumeist Problemen, mit denen sich Literatur und nicht selten auch Rechtsprechung bereits ausführlich auseinandergesetzt haben.

Es wird daher in der Regel nicht erwartet, dass sich die Bearbeitenden einen originellen eigenen Lösungsansatz ausdenken, auf den zuvor noch niemand gekommen ist. Vielmehr kommt es hier darauf an, sich einen Überblick über die bestehenden Ansichten zu verschaffen und sich eine klare eigene Meinung darüber zu bilden. Diese führt man dann mithilfe der Argumente, die einen überzeugt haben, und unter ablehnender Auseinandersetzung mit den anderen möglichen Ansätzen als Lösung des Problems an.

Eigene Argumente entwickeln und überzeugend darstellen

Bei der inhaltlichen Arbeit an der Argumentation für die ausgewählte und gegen die abgelehnten Meinungen kann man sich an existierenden Argumenten orientieren, durchaus aber auch eigene nennen – falls einem zusätzliche Argumente einfallen, die sich in keiner anderen Quelle finden. Übernimmt man bereits existierende Begründungen für die favorisierte Ansicht, sollte man darauf achten, diese nicht lieblos aus einem Lehrbuch zu kopieren, sondern rhetorisch so darzustellen, als würde man sie selbst zur Lösung dieses konkreten Falls entwickeln.

So kann man durch einfache stilistische Kniffe Verständnis dafür zeigen, dass es in der Wissenschaft um die Erschließung neuen Wissens und nicht um das Wiederholen bereits bekannter Fakten geht. Inspiration dafür, wie man die eigene Meinung souverän als Lösungsansatz für ein juristisches Problem formuliert, kann man sich in der rechtswissenschaftlichen Literatur suchen. Diese setzt schließlich den Maßstab für die wissenschaftliche Methodik, die auch in juristischen Hausarbeiten erwartet wird.

Wissenschaft heißt auch: Quellenarbeit

Quellenarbeit in juristischen Hausarbeiten: Darauf kommt es an

Dabei gilt selbstverständlich immer: Bedient man sich für das eigene Werk der Gedanken oder sogar der Formulierungen anderer Autor:innen, ist in jedem Fall in den Fußnoten und im Literaturverzeichnis ein Hinweis auf die Quelle zu geben, der man sie entnommen hat. Entspricht die eigene Meinung einer Ansicht, die auch bei anderen Autor:innen zu finden ist, kann man das in den Fußnoten durch ein „so auch […]“ oder „in diesem Sinne auch […]“ kenntlich machen. Hierdurch erbringt man nicht nur den nötigen Quellennachweis, sondern verdeutlicht ganz nebenbei, dass man sich die Mühe gemacht hat, eine eigene Meinung zu bilden, auch wenn der eigene Lösungsansatz kein komplett neuer ist.

Die Quellennachweise in den Fußnoten sind dementsprechend keine reinen Formalitäten; sie verraten den Korrektor:innen viel darüber, wie intensiv sich der:die Verfasser:in der Hausarbeit mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Darüber hinaus kann die reine Menge der in den Fußnoten und im Literaturverzeichnis genannten Quellen auch als Indiz dafür dienen, wie viel Zeit und Mühe während des Schreibprozesses in die Literaturrecherche investiert wurde. Die Auswertung einer Vielzahl verschiedener Quellen führt dabei meist zu einer überzeugenderen eigenen Argumentation. Die einfache Grundregel für die Quellenarbeit lautet folglich: Mehr ist mehr!

Fazit: So gelingt die gutachterliche Hausarbeit im Jurastudium

Weiß man, dass gutachterliche Hausarbeiten im Jurastudium neben der Falllösungskompetenz in erster Linie die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten vermitteln und abprüfen sollen, lassen sich daraus also klare Schlussfolgerungen für das Verfassen einer solchen Hausarbeit ziehen: Fall lösen, Probleme identifizieren, Schwerpunkte setzen, einschlägige Literatur auswerten, eigene Meinung bilden, diese überzeugend darstellen und dabei stets die Zitiervorgaben einhalten. Beachtet man diese Schritte, steht einer guten Benotung der eigenen Arbeit kaum noch etwas im Weg!

Porträt Tabea Nalik | Autorin IQB Career Services
Autorin
Tabea Nalik

Tabea Nalik studierte Jura an der Georg-August-Universität Göttingen mit Schwerpunkt im öffentlichen Recht. Während des Studiums arbeitete sie als studentische Hilfskraft am Institut für allgemeine Staatslehre und politische Wissenschaften der Uni Göttingen und absolvierte Praktika im deutschen Generalkonsulat in Atlanta und am Landgericht Göttingen. Im Anschluss an das erste Staatsexamen begann sie mit einer Promotion im Bereich der Demokratietheorie und des öffentlichen Rechts und arbeitet am Lehrstuhl für Staatstheorie und Öffentliches Recht, insbesondere Staats- und Europarecht an der BSP Business & Law School Berlin.

Das Wichtigste in Kürze – Tipps für die Juristische Hausarbeit

  • Planung und Vorbereitung: Starte frühzeitig mit der Planung Ihrer Hausarbeit, um ausreichend Zeit für Recherche, Schreiben und Überarbeitung zu haben. Erstelle einen detaillierten Zeitplan, der alle wichtigen Schritte umfasst.
  • Themenwahl: Ein gut gewähltes Thema ist die Grundlage für eine erfolgreiche Arbeit. Achte darauf, dass das Thema aktuell und für das Studium relevant ist und dass es genügend Literatur und Quellen dazu gibt.
  • Struktur: Eine klare Struktur erleichtert dem Leser das Verständnis der Argumentation. Gliedere die Arbeit in Einleitung, Hauptteil und Schluss und verwende sinnvolle Überschriften, um die einzelnen Abschnitte deutlich zu kennzeichnen.
  • Quellen: Stütze die Ihre Argumente auf verschiedene Quellen wie Bücher, Fachzeitschriften, Gesetzestexte und aktuelle Urteile. Achte darauf, dass Ihre Quellen wissenschaftlich fundiert und aktuell sind.
  • Korrekte Zitate: Korrekte Zitation ist essenziell, um Plagiate zu vermeiden und die Nachvollziehbarkeit der Argumentation zu gewährleisten. Verwende das von der Universität vorgegebene Zitiersystem und überprüfe die Quellenangaben sorgfältig.
  • Verständlichkeit: Vermeide unnötige Fachbegriffe und komplizierte Satzstrukturen. Schreibe klar und prägnant, um die Argumente überzeugend zu präsentieren und Missverständnisse zu vermeiden.
  • Korrekturlesung: Hole dir Unterstützung, um Rechtschreib- und Grammatikfehler zu finden und stilistische Schwächen zu beseitigen. Bitten Kommilitonen oder Freunde, die Arbeit zu lesen, und nutzen das Feedback zur Verbesserung.
  • Anforderungen der Universität: Informiere dich über die spezifischen Vorgaben der Universität bezüglich Formatierung, Zitierweise und Umfang der Hausarbeit. Halte dich strikt an diese Vorgaben, um formale Abzüge zu vermeiden.
  • Überprüfung: Stelle sicher, dass die Argumentation logisch und schlüssig ist. Identifiziere eventuelle Lücken oder Schwächen in den Argumenten und arbeite daran, diese zu beheben.

FAQ – Juristische Hausarbeit

Zu den wichtigsten Schritten gehören die Falllösung, die Identifizierung und Schwerpunktsetzung auf Probleme, die umfassende Literaturauswertung, die Bildung einer eigenen Meinung und die Einhaltung der Zitierregeln.

Hausarbeiten sollen die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten vermitteln, indem sie Studierende dazu anregen, gedankliche Ansätze argumentativ darzustellen und zu überprüfen.

Hausarbeiten fokussieren auf wissenschaftliches Arbeiten und die Auswertung von Literatur, während Klausuren primär darauf abzielen, das erlernte Wissen und die Fähigkeit zur Falllösung unter Zeitdruck zu prüfen.

Die wissenschaftliche Methodik zeigt die Fähigkeit, fundierte und nachvollziehbare Argumentationen zu entwickeln, was die Qualität und Glaubwürdigkeit der Arbeit erhöht.

Eine gründliche Quellenarbeit zeigt die Tiefe der Recherche und die Fähigkeit, verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen, was die eigene Argumentation stärkt und die wissenschaftliche Integrität wahrt.

Mehr ist mehr – je mehr Quellen ausgewertet und zitiert werden, desto fundierter und überzeugender ist die eigene Argumentation.

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