Im Vorstellungsgespräch die richtigen Fragen stellen

„Eigene Fragen stellen im Vorstellungsgespräch“, diesen Hinweis beinhaltet jede Guideline zur Vorbereitung auf ein Gespräch mit Personalverantwortlichen. Das ist auch vollkommen richtig. Allerdings sollte man sich bewusst machen, dass das kein Geheimtipp ist und man sich nicht bequem zurücklehnen kann, wenn man die ersten fünf Beispielfragen, die Google einem zu dem Thema auswirft, auswendig gelernt hat. Zu oberflächliche Fragen vermitteln wahrscheinlich sogar eher Desinteresse, weil sie mit einer kurzen Recherche auf der Firmenwebsite im Voraus selbst hätten beantwortet werden können und hoch komplizierte Fragen, die überhaupt nicht in den Gesprächsverlauf passen, wirken zu einstudiert. Man kann aber sehr viel richtig machen, wenn man während des Gesprächs auf ein paar wichtige Dinge achtet und aufmerksam ist.

Fragen an den Arbeitgeber vermeiden, die mit einer kurzen Recherche im Voraus von selbst hätten beantwortet werden können

Wer Inhalte der Website einfach reproduziert und als Fragen formuliert, wirkt beim Arbeitgeber desinteressiert und unengagiert, denn offensichtlich hat man sich wenig Gedanken gemacht und auch nicht den Aufwand betrieben, sich die Website ordentlich durchzulesen.

Es ist aber natürlich keine Schande sich Fragen im Voraus zurechtzulegen, auch wenn man diese nur ganz strategisch einsetzen will. Denn sich auf die eigene Schlagfertigkeit in solch einer Stresssituation zu verlassen, kann ganz schön in die Hose gehen. Außerdem sollte man sich nicht unter Wert verkaufen. Ihr bewerbt euch beim Unternehmen, aber das Unternehmen bewirbt sich auch bei euch!

Beispielfragen als Backup

Wurde diese Stelle neu geschaffen?

In dieser scheinbar einfachen Frage steckt viel mehr, als sie auf den ersten Blick vielleicht vermuten lässt. Wurde die Stelle tatsächlich neu geschaffen, kann das wichtige Hinweise auf die wirtschaftliche Situation des Unternehmens geben. Denn wer neue Positionen schafft, signalisiert Bedarf an Arbeitskräften und neuen Ideen. Hellhörig werden sollten Bewerbende, falls die Vorgängerin oder der Vorgänger das Unternehmen verlassen hat. Manchmal sagt schon die Körpersprache von Personalverantwortlichen etwas darüber aus, ob die Trennung friedlich oder zähneknirschend verlaufen ist. Hier empfiehlt sich in jedem Fall die Nachfrage, ob die Position in letzter Zeit häufiger neu besetzt wurde. Das kann Aufschluss über eine gewisse Unruhe in der Abteilung oder im Unternehmen geben.
Aber Achtung: Wenn schon vorher im Gespräch eindeutig rauszuhören war, dass die Stelle bereits existierte, ist diese Frage natürlich ein No Go

Was wäre mein erstes Projekt?

In manchen Bewerbungsgesprächen nehmen die Fragen an die Bewerbenden so viel Raum ein, dass etwas Wichtiges zu kurz kommt: die eigentlichen Inhalte der ausgeschriebenen Position. Zwar gibt die Stellenanzeige bereits Aufschluss darüber, doch oftmals lohnt es sich, tiefer nachzuhaken. Wer sich nach seinem ersten Projekt erkundigt, animiert sein Gegenüber, Einblicke in den konkreten Arbeitsalltag zu geben. So können Bewerbende mehr Details über die genauen Inhalte der potenziellen neuen Stelle, die Zusammensetzung des Teams und Schnittstellen mit anderen Abteilungen erfahren.

Legen Sie Wert auf Fortbildungen und berufliche Weiterbildung?

Der Klassiker unter den Bewerberfragen – und doch nicht unwichtig. Denn hiermit signalisieren Kandidatinnen und Kandidaten, dass sie sich nicht auf ihrem aktuellen Wissensstand ausruhen und sich gerne weiterentwickeln. Gleichzeitig signalisieren Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Fortbildungen ermöglichen, dass sie deren Arbeit wertschätzen und es für sinnvoll halten, die Fähigkeiten zu stärken und auszubauen.

Wie würden Sie die Unternehmenskultur beschreiben?

Diese Frage zielt auf das Betriebsklima ab. Duzen oder siezen sich die meisten Kolleginnen und Kollegen? Sitzen die Mitarbeitenden hinter verschlossenen Türen oder laden offene Räume zum Austausch ein? Manche Personalerinnen und Personaler kommen regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von der letzten Weihnachtsfeier oder Karnevalsparty berichten – ein Indiz dafür, dass das Unternehmen in die Zufriedenheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investiert. Wenn diese ihre Erlebnisse gerne weitererzählen, kann das ein Indiz für eine positive Unternehmenskultur sein.

Selbstbewusst bleiben und Rückfragen stellen

Wenn ihr im Gespräch aufmerksam seid, ergeben sich in der Regel ganz von selbst Rückfragen an den Arbeitgeber. Hier zeigt sich oft der Charakter des Bewerbenden, ob er oder sie schon Erfahrung gesammelt und eine eigene Einstellung hat. Wenn man klare Wünsche und Vorstellungen hat, sollte man die nicht hinten anstellen, nur um gut anzukommen. Unterm Strich müsst ihr einen Großteil eurer Zeit dem künftigen Arbeitgeber widmen und da sollte euch der Arbeitgeber genauso gut gefallen wie ihr ihm.