Arbeitgeberinterview: Teach First Deutschland

Teach First Deutschland (TFD) zeigt, dass Jugendliche in sozialen Brennpunkten erfolgreich sein können. Dafür arbeiten Hochschulabsolventinnen und -absolventen verschiedener Studienrichtungen als Fellows bundesweit an Brennpunktschulen. Als zusätzliche Lehrkräfte in Unterricht und Ganztag unterstützen sie Schülerinnen und Schüler besonders dort, wo diese häufig scheitern: an Übergängen im Bildungssystem. Wir sprachen mit Recruiting Referent Jan Meyer über Teach First als Arbeitgeber.

Beschreiben Sie Teach First Deutschland mit drei Schlagworten

Bildungsgerechtigkeit, Chancenseher, Verantwortungsträger

Auf welche Ihrer / jüngsten Entwicklungen / Initiativen / Auszeichnungen ist Teach First Deutschland oder sind Sie persönlich besonders stolz?

Wir sind stolz darauf, dass sich jedes Jahr wieder motivierte Berufseinsteiger*innen und Berufserfahrene aus verschiedensten Fachbereichen dafür entscheiden, sich gemeinsam mit uns für mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit einzusetzen. Aktuell arbeiten 153 sogenannte Fellows in ganz Deutschland dafür, benachteiligte Kinder und Jugendliche zum Erfolg zu führen. Seit unserer Gründung im Jahr 2008 konnten wir mit unseren 739 Alumni bereits über 84.000 Schülerinnen und Schüler erreichen. 2019 wurden wir für diese Arbeit mit dem HanseMerkur Preis für Kinderschutz ausgezeichnet.

Was sind die mittelfristigen Perspektiven und Wünsche von Teach First Deutschland?

Unsere Vision ist es, dass alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihren Startbedingungen gute Bildung erhalten. Um diesem Ziel schrittweise immer ein Stück näher zu kommen, verfolgen wir eine ganzheitliche Strategie.

Zunächst arbeiten unsere Fellows an Schulen in herausforderndem Umfeld daran, dass sich die Lebenslage der Kinder und Jugendlichen vor Ort verbessert. Die Schülerinnen und Schüler gewinnen Vertrauen in sich selbst, entwickeln eine Perspektive für ihre berufliche Zukunft und verlassen die Schule mit einem qualifizierenden Abschluss.

Nach dem zweijährigen Einsatz an Schulen arbeiten die ehemaligen Fellows in unserem Netzwerk daran, einen systemischen Wandel hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit in Bildungsinstitutionen voranzutreiben. Dafür setzen sie sich aus unterschiedlichen Positionen in der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ein. Sie wirken auf ein Bildungssystem hin, das auf die Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet ist und in dem jedes Kind die Erfahrung macht, einen wichtigen Platz in der Gesellschaft zu haben.

Was ist der Schwerpunkt Ihrer Arbeit bei Teach First?

Im Zentrum unsere Arbeit stehen immer die Chancen und Potentiale unsere Schülerinnen und Schüler. Für meine persönliche Aufgabe als Recruiter bedeutet das, dass ich mich der Suche und Auswahl der richtigen Menschen für den Einsatz in unserem Programm widme.

Es ist sehr bereichernd, jeden Tag so viele unterschiedliche Menschen kennenzulernen, die sich mit ihren ganz unterschiedlichen Geschichten und Potentialen gemeinsam für die der Generation von morgen einsetzen wollen.

Kern Ihrer Arbeit ist das Leadership Programm, bei dem Sie Menschen darauf vorbereiten, als Fellow Schüler:innen in einem zweijährigen Einsatz zum schulischen Erfolg zu führen. Woher kommt die Idee und was macht das Programm aus?

Das Besondere daran ist unser Gedanke des „Hands-On-Leadership“. Das bedeutet, dass unsere Fellows dafür ausgebildet werden Verantwortung zu übernehmen. Die professionelle Aus- und Weiterbildung erstreckt sich über den Einsatz in der Schule hinaus und hilft dabei, prägende Führungserfahrungen in einer herausfordernden Umgebung zu verstehen sowie Kompetenzen zu vertiefen, um bestmöglich auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler einzugehen

Mit dem Einsatz im Leadership-Programm macht man eine einmalige Erfahrung, die innerhalb kürzester Zeit das Leben prägt und verändert, für sich selbst, für die Schülerinnen und Schüler und nachhaltig für unsere gesamte Gesellschaft.

Wer eignet sich zum Fellow und warum sollte man Fellow werden?

Fellow werden kann jede und jeder mit einem guten Hochschulabschluss – ganz egal in welchem Studienfach. Besonders wichtig ist uns bei den Fellows gesellschaftliches oder familiäres Engagement, ihre Motivation sich für Bildungs- und Chancengerechtigkeit einzusetzen und Mut, Verantwortung und Führung zu übernehmen.

Alle neuen Fellows wissen, dass das Leadership-Programm nicht einfach ein Punkt in ihrem Lebenslauf wird – sondern zwei Jahre unvergleichliche Lebenserfahrung bedeutet. Es ist eine unglaublich prägende Zeit, sich zwei Jahre lang gemeinsam mit Gleichgesinnten für ein gemeinsames Ziel einzusetzen. Man verlässt dieses Programm nicht nur mit einem enormen Erfahrungsschatz und Gewinn an Kompetenzen, sondern vor allem mit Freundschaften und einem Netzwerk für die Ewigkeit.

Welche Projekte werden aktuell von Teach First betreut? Was haben Sie in der jüngeren Vergangenheit bereits erreicht?

Das starke Netzwerk aller Fellows hat sich während der Pandemie besonders ausgezahlt. So haben sich sieben Fellows deutschlandweit vernetzt und den Verein „Computer For All“ gegründet. Durch den Verein konnten unbürokratisch Laptops und Tablets eingesammelt und an Schülerinnen und Schüler verteilt werden, zu einer Zeit als die Verwaltung das nicht leisten konnte. Auch das Netzwerk von TFD konnte durch zahlreiche Unternehmenskooperationen z.B. mit Vodafone (mobiles Internet & Datenvolumen für Jugendliche) oder im Dezember 2021 mit Siemens & der Hacker School (50 Laptops für Schülerinnen und Schüler in Hamburg) geeignete Rahmenbedingungen für erfolgreiches Homeschooling geschaffen werden.

Neben fachlicher und technischer Unterstützung arbeiteten unsere Fellows vor allem an stabilen Beziehungen zu ihren Schülerinnen und Schülern, um sie während der Lockdowns, in Zeiten verringerter Angebote im öffentlichen Raum und durch Phasen persönlicher Sorgen und Ängste zu begleiten und gestärkt durch die Pandemie zu bringen.

Zwei Beispiele:

Die Schülerinnen und Schüler von fünf Hamburger Fellows senden sich schulübergreifend Briefe und pflegen diese Fernfreundschaften eigenständig. In Zeiten der Distanz konnte so ein neues „Zusammengefühl“ entstehen. Dieses Projekt soll nun ins internationale Teach For All-Netzwerk ausgebaut werden, sodass E-Mailfreundschaften auf Englisch mit Schülerinnen und Schülern unserer Partnerorganisationen Teach for India entstehen.

Außerdem haben die Schülerinnen und Schüler zweier Fellows über fünf Wochen mit Jurist*innen der Kanzlei Hogan Lovells Debattieren geübt und sich am Ende in einem Wettbewerb gemessen. Neben theoretischen Grundlagen ging es vor allem um Argumentation, Ausdruck, Körpersprache und den persönlichen Austausch mit den Coaches der Kanzlei. Im Frühjahr 22 folgt ein Besuch in die Kanzlei mit weiteren Einblicken in die Welt der Anwält*innen. Auch erste Praktikumstage sind schon in Planung.

Ein großes Thema bei Ihnen ist die digitale Bildung. Welche Probleme sind bei diesem Thema besonders dringlich?

Digitale Bildung ist ein wichtiger Hebel, um das Bildungssystem gerechter zu gestalten. Die bereits vorliegende digitale Spaltung der Gesellschaft wurde durch die Pandemie noch einmal verstärkt. Es ist davon auszugehen, dass ihre Auswirkungen mit voranschreitender digitaler Transformation wichtiger Lebensbereiche zu weiteren Nachteilen und herkunftsbedingten Unterschieden führen werden. Ohne die Aus- und Weiterbildung digitaler Kompetenzen werden unsere Schülerinnen und Schüler in einer Arbeits- und Lebenswelt, die durch Digitalisierung vorangebrachten kulturellen und gesellschaftlichen Wandel erfährt, noch stärkere Bildungsungerechtigkeit erleben. Aus diesem Grund ist der Wandel zu einer Kultur der Digitalität für uns unabdingbar, um unsere Vision strategisch zu verfolgen.

Welche weiteren Herausforderungen sehen Sie bei Teach First im deutschen Bildungsbereich?

Bildungserfolg ist in Deutschland von Herkunft und sozioökonomischen Status abhängig.

Was liegt Ihnen aktuell besonders am Herzen?

Es ist uns wichtig, nicht nur über Schülerinnen und Schüler zu reden, sondern Schülerinnen und Schüler an wichtigen Entscheidungen teilhaben und sie zu Wort kommen zu lassen. Auch von Seiten der Schülerinnen und Schüler aus ist es wichtig, sich zu emanzipieren und den Willen zu haben, das System Schule als Mensch mit Teilhabechancen mitzugestalten. Des Weiteren möchten wir das System nicht als Selektierungsmaschine betrachten, in der Schüler und Schülerinnen in zwei Klassen-Gesellschaften aufgeteilt werden. Es sollte vielmehr darum gehen, allen Kindern und Jugendlichen eine Chance auf eine gute Zukunft zu ermöglichen.

Warum arbeiten Sie gerne für Teach First?

Mir gefällt die Mischung aus einem hohen Anspruch an jede*n Einzelne*n und unsere Arbeit verbunden mit einer offenen und konstruktiven Feedback- und Fehlerkultur. Wir versuchen das, was wir unseren Schülerinnen und Schülern beibringen, selbst vorzuleben: „Fehler sind keine Misserfolge, sondern Chancen!“

Welche Vorteile hat es in einer NGO zu arbeiten?

Das ist sehr einfach: Man weiß, warum man es tut!

Was ist für Sie das größte Glück bei Ihrer Arbeit?

Der tägliche Kontakt zu sehr unterschiedlichen Menschen mit diversen Talenten, Kompetenzen und Motivationen, die sich darauf geeinigt haben, einem gemeinsamen Ziel entgegenzustreben.

Unser Interviewpartner Jan Meyer ist seit 2021 Recruiting-Referent bei Teach First Deutschland und arbeitet bei TFD, weil jeder Mensch eine gute Bildung genießen sollte. Mehr Informationen über Teach First Deutschland gibt es auf >> hier.

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