Arbeitgeberinterview | Redeker Sellner Dahs

1929 gegründet hat sich Redeker Sellner Dahs in den fast 100 Jahren ihres Bestehens zu einer der bedeutendsten, unabhängigen Anwaltssozietäten in Deutschland entwickelt. Mit sechs Standorten in Berlin, Bonn, Brüssel, Leipzig, London und München ist Redeker bundesweit und über die Grenzen hinaus vertreten.

Karrieremagazin: Auf welche der jüngsten Entwicklungen oder Initiativen ist Redeker oder sind Sie persönlich besonders stolz?

Dr. Michael Winkelmüller: Auf die Modernisierung, die Verjüngung und auch auf das kontinuierliche organische Wachstum der Sozietät. Wir haben in den vergangenen Jahren viele exzellente junge Kolleginnen und Kollegen eingestellt, die sich hier mit viel Engagement einbringen und denen wir attraktive Karriereperspektiven bieten können. Diese Karrierewege haben wir vor einiger Zeit neu strukturiert und begleiten sie mit umfassenden Fortbildungsangeboten und Trainings. Einer der Gründe, warum wir von Azur als Top-Arbeitgeber 2021 im Kartellrecht ausgezeichnet worden sind.

Karrieremagazin: Der Redeker Campus hat kürzlich sein 4-jähriges Bestehen gefeiert. Sie selbst haben das Projekt initiiert und mitaufgebaut. Was waren Ihre Beweggründe für dieses Engagement?

Dr. Michael Winkelmüller: Ich habe vor einiger Zeit eine externe Fortbildungsreihe für Führungskräfte (Kommunikation & Führung beim Schulz von Thun Institut) besucht und von dort viel mitgenommen. Erkenntnisse und Techniken, die auch für junge Kolleginnen und Kollegen sehr hilfreich sein können. Bei Redeker Campus ist mir wichtig, die jüngeren Anwältinnen und Anwälte in ihrem persönlichen Wachstum zu unterstützen – gerade indem sie ihre Komfortzone verlassen und ihre kommunikativen und Führungsfähigkeiten trainieren und ausbauen.

Bei einem idealen Kandidaten/einer idealen Kandidatin ist natürlich fachliche Kompetenz, […], eine wichtige Voraussetzung. Dies allein genügt aber nicht. Der Anwaltsberuf ist sehr vielfältig und auf verschiedene Weisen herausfordernd.

Karrieremagazin: Die Redeker-Associates sind überdurchschnittlich zufrieden mit der Karriereförderung – ein gutes Zeugnis für den Redeker-Campus. Wie ist das Inhouse-Fortbildungsprogramm aufgebaut?

Dr. Michael Winkelmüller: Die Inhalte sind für Associates im 1. und 2. Jahr Präsentationstraining, Grundlagen der Kommunikation und Rhetorik, im 3. und 4. Jahr sind es Networking & Akquise, Verhandlungsführung, Selbst- und Zeitmanagement und im 5. Jahr beschäftigen sie sich mit Konfliktmanagement und Personalführung. Für Counsel und Partner haben wir die Module Strategisches Eigenmarketing, Go-to-Market-Strategie für Fach- und Sektorgruppen, Workshop Führung und Präsentationstraining – als Coachings und Gruppentrainings.

Karrieremagazin: Sie selbst haben vor 20 Jahren als Associate bei Redeker begonnen. Haben Ihnen Ihre Erfahrungen auf dem Weg zur Partnerschaft geholfen, gezielte Angebote für Nachwuchsjuristen zu entwerfen und zu integrieren? Und hat Ihnen seinerzeit diese Karriereperspektive vielleicht etwas gefehlt?

Dr. Michael Winkelmüller: Ja, meine Erfahrungen haben mir unbedingt dabei geholfen! Ich bin meinen Mentoren in der Kanzlei sehr dankbar für die Förderung, die ich erfahren habe, und auch dafür, dass sie mit mir auf meinem Weg in die Partnerschaft einige Konflikte durchgestanden haben. Ich wollte schon früh viel verändern, heute würde ich einiges davon anders angehen. Ich hatte passend dazu eine Zeit lang ein chinesisches Sprichwort im Büro hängen: Umwege erhöhen die Ortskenntnis.

Karrieremagazin: Beschreiben Sie Redeker mit drei Schlagworten

Dr. Michael Winkelmüller: Exzellent, partnerschaftlich und persönlich.

Karrieremagazin: Was sind die mittelfristigen Perspektiven und Wünsche von Redeker?

Dr. Michael Winkelmüller: Wir verstehen uns als diejenigen, die Mandanten gerade für die ganz wichtigen und schwierigen Fälle konsultieren. Wir kennen unsere Mandanten und zeichnen uns durch praxisnahe Beratung aus. Das wollen wir uns bewahren, während wir weiter dynamisch wachsen und zugleich internationaler und digitaler werden.

Karrieremagazin: Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur bei Redeker beschreiben?

Dr. Michael Winkelmüller: Ich beobachte da gerade einige Veränderungen: Wir werden zunehmend strategischer und teamorientierter, unsere Kommunikation wird klarer und direkter, Kooperation und Austausch nehmen zu. Und wir sind echte Party Animals – was uns aktuell fehlt, sind unsere legendären Feiern – die letzte war vor Corona die 90-Jahre-Redeker-Feier bis in den Morgen auf dem Drachenfels.

Karrieremagazin: Was schätzen Sie an Ihren Kolleg:innen am meisten?                     

Dr. Michael Winkelmüller: Als Grundlage: Exzellente juristische Expertise und Teamfähigkeit. Aufbauend darauf: Veränderungsbereitschaft, den Schritt von can do zu can lead zu gehen, strategische Visionen zu entwickeln, Verantwortung für ein Team zu übernehmen und Associates zu motivieren.

Karrieremagazin: Was ist Ihnen bei neuen Mitarbeiter:innen am wichtigsten?

Dr. Michael Winkelmüller: Professionelle juristische Arbeit, Leistung und delivery in time, die Bereitschaft, sich in die Organisation und in die Unternehmenskultur einzufinden und die eigene Persönlichkeit einzubringen.

Karrieremagazin: Was erwarten Sie von einem/einer idealen Kandidat:in für Redeker?

Dr. Michael Winkelmüller: Bei einem idealen Kandidaten/einer idealen Kandidatin ist natürlich fachliche Kompetenz, die sich nach wie vor in aller Regel durch gute Noten ausdrückt, eine wichtige Voraussetzung. Dies allein genügt aber nicht. Der Anwaltsberuf ist sehr vielfältig und auf verschiedene Weisen herausfordernd. Wer im Anwaltsberuf Erfolg haben möchte, muss neben juristischem Sachverstand gute zwischenmenschliche Fähigkeiten, Kontakt- und Diskursfreudigkeit, Lust auf neue Herausforderungen sowie Unternehmergeist mitbringen. Das sollte sich im Bewerbungsprofil abbilden. Mit unserem Ausbildungsprogramm wollen wir möglichst viel Wissen in relativ kurzer Zeit vermitteln. Wer eine hohe Motivation, Teamgeist und Spaß an der Sache mitbringt, ist in unserer Kanzlei gut aufgehoben.

Karrieremagazin: Wo werden Praktikant:innen und Referendar:innen bei Redeker eingesetzt und was können Sie erwarten?

Dr. Michael Winkelmüller: Unser Praktikums- und Referendarprogramm ist darauf ausgerichtet, einen möglichst tiefgehenden Einblick in alle Facetten des Anwaltsberufs zu bieten. Es ist uns ein Anliegen, die Studierenden und Referendare in verschiedenen Fachbereichen einzusetzen.

Unsere Praktikant:innen bilden wir in den sechswöchigen Summer-/Winterschools an unserem Bonner Standort aus. In der School haben sie die Möglichkeit, nahezu jedes Rechtsgebiet, das wir bearbeiten, kennenzulernen, neben dem Zivilrecht, Strafrecht und öffentlichen Recht auch z.B. Europarecht oder Umweltrecht. Neben dem Kennenlernen der Rechtsprobleme durch Aktenstudium gehen unsere Praktikant:innen mit Kolleg:innen zu Gericht und können an Mandantenbesprechungen teilnehmen. Kanzleiveranstaltungen und Fachvorträge runden das Programm ab.

Referendar:innen bilden wir hingegen an all unseren Standorten und in nahezu allen Rechtsgebieten aus. Wir binden die Referendar:innen intensiv in die Mandatsarbeit ein, nehmen sie mit zu Gericht und zu Mandanten. Damit sie einen möglichst realistischen Einblick in die Arbeit als Rechtsanwält:in erhalten. Darüber hinaus bieten wir Ihnen zur Vorbereitung auf das 2. Staatsexamen unser Kurzrepetitorium ExamensPlus an.

Karrieremagazin: Welche weiteren Programme bietet Redeker für Einsteiger und Mitarbeiter an?

Dr. Michael Winkelmüller: Neben Redeker Campus führen wir regelmäßig Fortbildungen im Haus durch und unterstützen bei Promotionen/LL.M.-Programmen und der Ausbildung zum Fachanwalt. Wir fördern Publikationen und bieten regelmäßige Englischkurse an – die auch die Referendar:innen und Wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen besuchen können. Aber nicht nur der Kopf muss angesprochen werden; daher gibt es an den Standorten unterschiedliche Sportprogramme wie Fußball, Laufen, Pilates, Body Combat etc. Und darüber hinaus hoffen wir alle auf das Ende der Pandemie, damit wir wieder zusammen kickern, tanzen und feiern können.

Karrieremagazin: Welchen der Standorte von Redeker finden Sie am schönsten?

Dr. Michael Winkelmüller: Sehr schön finde ich Leipzig, vor allem die modern gewordene Altstadt. In Münchens Biergärten hatte ich sehr gute Zeiten. An Brüssel faszinieren mich die EU-Institutionen und der Grand Place. Dass Berlin sexy ist, steht ja außer Frage. Mir selbst gefällt trotzdem meine Wahlheimat Bonn am besten.

Karrieremagazin: Warum arbeiten Sie gerne für Redeker?

Dr. Michael Winkelmüller: Die Frage will ich mir jeden Tag beantworten. In meinem Büro hängt eine Postkarte: „Was mache ich hier eigentlich?“ Gerade heute ist die Antwort: Wir hatten eine sehr offene, direkte und konstruktive Partnerversammlung, die nächste Edition unseres Kommentars wurde bei beck-online live geschaltet, und ich arbeite mit einem jungen Team an der Verwaltungsdigitalisierung und für den Corona-Stab des Landes NRW. In einem Satz: Wir haben im Öffentlichen Recht die spannendsten Mandate und die besten Kolleg:innen.

Karrieremagazin: Welche Vorteile hat es in einer mittelständischen Kanzlei zu arbeiten?

Dr. Michael Winkelmüller: Die Frage unterstellt, dass wir eine mittelständische Kanzlei sind. In vielen Bereichen sind wir aber auf Augenhöhe mit viel größeren Kanzleien. Für mich hat Redeker den idealen Zuschnitt, um ganzheitlich Rechtsanwalt zu sein und Mandate am Puls der Zeit zu bearbeiten.

Karrieremagazin: Was ist für Sie das größte Glück bei Ihrer Arbeit?

Dr. Michael Winkelmüller: Projekte, die gesamtgesellschaftlich Sinn ergeben. Mit am stärksten war das Glücksgefühl, als wir das EuGH-Verfahren zur Agrarförderung von Umweltmaßnahmen gewonnen hatten. Aber auch nach erfolgreichen Compliance-Projekten, mit denen ein Unternehmen aus Anlass einer Krise etwas zum Guten verändert hat. Und Glück wird bekanntlich größer, wenn man es teilt. Deshalb arbeite ich gern in Gruppen, veröffentliche und halte Vorträge.

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