Zukunftsfähigkeit: Die eigenen Stärken und den passenden Job finden

Erfolgsfaktor für die Zukunft: Selbstreflexion

Das Ende des Studiums rückt näher. Vielleicht hast du deinen Abschluss auch schon druckfrisch in der Tasche und das eine oder andere Praktikum ist bereits Teil deines Lebenslaufes geworden. Überlegungen zum ersten „richtigen“ Job rücken in unmittelbare Nähe, der Berufseinstieg steht bevor. Am liebsten möchtest du gleich loslegen und dich bewerben.

Du startest mit der Recherche in Stellendatenbanken und hoffst, so den Schlüssel zum passenden Job zu finden, der dich im besten Fall richtig glücklich macht. Doch wonach suchst du eigentlich? Deine Qualifikationen passen nicht zu den ausgeschriebenen Stellen und das, was du spannend findest und dich anspricht, scheint eine Nummer zu groß zu sein. Berufserfahrung ist gefragt oder zumindest gewünscht – und du kannst sie nicht vorweisen.

Worauf sollst und willst du dich denn nun bewerben? Einfach mal anrufen, fühlt sich auch komisch an. Wie gehst du also vor, ohne frustriert und gleich demotiviert zu werden? Wenn du dir diese Fragen stellst, befindest du dich in guter Gesellschaft, denn das geht vielen Studienabsolventen so. Gerade im Moment, wenn man die Zukunft nicht so recht einschätzen kann. Lass dich von dieser Unsicherheit nicht lähmen, sondern fokussiere dich auf den Weg.

Vor der Jobsuche: Richte den Blick auf dich selbst

Das hilft dir, deine Richtung zu finden. Und die Richtung bestimmt den Weg, den du einschlägst. Berufliche Zufriedenheit und Erfolg sind nun mal eng mit Freude an den Tätigkeiten und intrinsischer Motivation verbunden. Also musst du wissen, was dir Spaß macht und was dich motiviert. Auch wohin du passt, was für ein Umfeld du dir wünschst und wer du eigentlich bist.

Es geht um eine gute Selbstkenntnis. Dann ist ein Anruf gar nicht mehr so schwierig und die richtigen Fragen an den Recruiter fallen dir plötzlich ganz spontan ein. Denn wer weiß, wie er tickt, was ihm wichtig ist und wo seine Stärken und Interessen liegen, kann dies auch nach außen kommunizieren und authentisches Selbstmarketing betreiben. Und das ist ein wesentlicher Baustein des Bewerbungsprozesses.

Jobsuche: Starte mit dir selbst und nicht mit dem Arbeitsmarkt

Bevor du also Bewerbungen verschickst und viel Zeit bei der Recherche für die passenden Jobs für Berufsanfänger verbringst, ist das Mittel der Wahl Selbstreflexion. Das ist außerdem die beste Vorbereitung für das spätere Vorstellungsgespräch.

Anstatt direkt mit Job-Recherche und Bewerbungen durchzustarten legst du einen Boxenstopp für Reflexion ein. Ohne dieses Innehalten kann es sein, dass du viel Zeit verlierst, indem du dich auf Stellenprofile bewirbst, die gar nicht zu dir passen. Und das Durchstöbern der gängigen Jobportale kostet viel Zeit.

Frustrierende Absagen sind oft die Folge, wenn man den Schritt der Orientierungsphase auslässt. Kein Wunder! Denn zuerst musst du innere Klarheit gewinnen. Sinnvolles Bewerben bedeutet, sich auf Positionen zu bewerben, die dich anziehen und attraktiv für dich sind. Und zwar bei Arbeitgebern, die zu dir passen. Initiativbewerbungen zu formulieren, gelingt dir dann ebenfalls leichter.

Drei Karrierekreise - Katrin Busch-Holfelder

Ein einfaches und hilfreiches Tool für die Selbstanalyse sind die drei Karriere-Kreise. Folgende Fragestellungen helfen dir dabei:

  1. Was kann ich?
  2. Was will ich?
  3. Wo und wie kann ich damit erfolgreich sein?

Ziel ist es, die Schnittmenge aller drei Kreise zu treffen, denn hier lässt sich der Idealzustand verorten. Da es sich bei der Übersicht aber nicht um ein mathematisches Konstrukt handelt, müssen in der Realität oftmals Rahmenbedingungen wie räumliche Flexibilität, Gehalt oder ähnliches berücksichtigt werden. Es geht also nicht immer zwangsweise um das Optimum, also die Schnittmenge der Kreise. Es geht vielmehr darum, bestmögliche Kompromisse und Ziele zu finden, attraktive Szenarien für die Zukunft zu entwickeln und umzusetzen.

Papier, Stifte, Post-it‘s: und los geht’s!

Es bietet sich an, diese Graphik auf einen Bogen Papier oder noch besser ein Flipchart zu skizzieren. In der Gemeinschaft geht das noch einfacher. Nutze also Studienkolleginnen und -kollegen und dein Netzwerk, um dich selbst besser kennen zu lernen. Dann macht es mehr Spaß und die Wahrscheinlichkeit, dass du dran bleibst, ist deutlich größer. Auch online könnt ihr euch gemeinsam unterstützen.

Karrierekreis 1: Was kann ich?

Hier geht es um deine Stärken, deine Fähigkeiten und Potenziale, die es auszuschöpfen und weiterzuentwickeln gilt. Diese Fragen sollen dich anregen, den ersten Kreis zu füllen. Notiere alles was dir einfällt, gerne auf Post-its. Dann kannst du das ganze Blatt vollkleben und dir wird bewusst, welche Kräfte in dir stecken.

Karrierekreis 2: Was will ich?

Hier geht es um deine Motivation, deine Werte und deine Vision.

Trage alles in den zweiten Karriere-Kreis ein. Es handelt sich um eine Momentaufnahme und du kannst mit der Post-it-Methode jederzeit Neues hinzufügen, austauschen und ergänzen.

Um in den dritten Karriere-Kreis einzusteigen ist es hilfreich, die vielen Klebezettel der ersten zwei Kreise zu sortieren. Wo ist dein roter Faden? Was ist dir wirklich wichtig? Und wo ist deine Super-Power?  Welche Geschichten und Erlebnisse sind mit dieser Super-Power verbunden? Überlege dir passende Beispiele, die du auch ins Anschreiben und im Gespräch zum Besten geben kannst. Beispiele, machen dich glaubwürdig, sind interessant und bieten Anknüpfungspunkte im Gespräch.

Karriere-Kreis 3: Wo und wie kann ich damit erfolgreich sein?

Jetzt geht es darum, zu überlegen, welche Unternehmen und Organisationen genau das bieten, was du suchst. Welche Stärken möchtest du auf jeden Fall einbringen und welche Werte müssen erfüllt werden? Welche Branchen und Unternehmen passen zu dir? Sind es eher die großen Konzerne oder passt du zum Beispiel besser in den Mittelstand, in die öffentliche Verwaltung oder zu einem Start-up, das in der New-Work-Szene zu Hause ist?

Den passenden Job finden: Aktive Recherche und Netzwerken sind angesagt

Auch hier gilt wieder: Schaue nicht sofort in die Stellendatenbanken, sondern gehe erst in dich. Gibt es Arbeitgeber, die du ansprechend findest und welche Unternehmen kommen dem nahe? Nutze und aktiviere dein Netzwerk, gehe auf Messen, führe Gespräche und frage dein persönliches Umfeld (auch die Eltern von Freunden arbeiten vielleicht bei interessanten Arbeitgebern und können dir Tipps geben oder ihre Erfahrungen mit dir teilen).  Lege ein Notizbuch an, sammle strukturiert Informationen und entwickle ein Gefühl für eine gute Passung. Das alles geht auch online oder telefonisch.

Je mehr du über den Arbeitsmarkt und einzelne Unternehmen und Strukturen weißt, desto erfolgreicher kannst du im Anschluss Bewerbungen formulieren und deine Motivation zum Ausdruck bringen. Natürlich ist jetzt der Zeitpunkt, aktiv und gezielt die Stellendatenbanken zu durchforsten, Suchprofile anlegen geht dir jetzt viel leichter von der Hand. Mangelnde Berufserfahrung muss kein K.O.-Kriterium sein, aber Belege, die darauf schließen lassen, dass du dich z.B. schnell einarbeitest und auf ähnliche Erfahrungen zurückgreifen kannst, sind hilfreiche Argumente und sprechen für dich.

Du bringst mehr mit, als du vielleicht denkst. Schau nochmal in den ersten Karriere-Kreis, dort hast du deine Kompetenzen, Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale niedergeschrieben.

Klasse statt Masse

Wenn du nun auf deine drei Karriere-Kreise blickst, wirst du feststellen, dass du viel innere Klarheit gewonnen hast. Deine Bewerbungen werden nach dieser Vorarbeit viel aussagefähiger sein. Du gehst fokussierter vor. Lieber wenige gute und passende Bewerbungen schreiben, die auch zu Vorstellungsgesprächen führen oder zu Online-Interviews, als Massenbewerbungen.

Setze die Segel für deine Zukunft und finde den Job der zu dir passt

Die drei Karriere-Kreise enthalten die Fragen, die jeder für sich beantworten sollte, um berufliche Wünsche und Ziele zu realisieren. Je besser du diese Fragestellungen für dich beantworten kannst, desto leichter wirst du deine persönlichen Möglichkeiten ausschöpfen. Diese Bestandsaufnahme kannst du außerdem in unterschiedlichen Lebensphasen immer wieder ergänzen und überarbeiten.

Innere Klarheit gewinnen, ist der notwendige erste Schritt, um im zweiten Schritt ins außen zu gehen. So ist der Match zwischen dem Berufseinsteiger und dem Arbeitgeber kein Zufall mehr, sondern führt zu echter Passung.“ Denn: …

Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.

Seneca

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