Bewerbungsprozesse im Consulting: Auf die virtuelle Art

Mona El Masri stieg als Senior Recruiting Coordinator bei Simon-Kucher & Partners in Bonn ein, als die Covid-19-Krise bereits in vollem Gange war. Wie das ihren beruflichen Alltag veränderte und wie sie es gemeinsam mit ihrem Team schaffte, Jobinterviews auf höchstem Niveau digital zu führen, berichtet sie hier.

Schon bei meinem allerersten Video-Call als neue Mitarbeiterin im Oktober 2020 hatte ich den Eindruck, dass Simon-Kucher ein sehr professionelles Unternehmen mit offenen und freundlichen Kolleg*innen ist. Und das setzte sich fort: Trotz der Herausforderungen in der gegenwärtigen Situation war mein Einarbeitungsprozess sehr gründlich. Ich verbrachte beispielsweise einen ganzen Tag mit der HR-Chefin, die mich unglaublich detailliert in alle Arbeitsthemen einführte. Außerdem sprachen wir ausführlich über die Erwartungen an mich und meine neue Rolle. Spätestens ab diesem Punkt konnte ich es kaum erwarten, mit meinen Aufgaben loszulegen. Aber natürlich gab es in den ersten Tagen wie in jedem Unternehmen noch eine Menge zu lernen …

Die ersten Wochen: das Team kennenlernen

STEPS – Einwöchiges Training

Ich hatte schon von mehreren Kolleg*innen gehört, dass das traditionelle STEPS-Training (Strategic Training for Employee Professional Success), welches für alle neuen Simon-Kucher-Mitarbeiter*innen verpflichtend ist, eines der einprägsamsten Erlebnisse ihrer Zeit hier war. Während des einwöchigen Trainings mit gemeinsamen Mittagessen und spannenden Freizeitaktivitäten an den Abenden wurde nicht nur über die Arbeit gesprochen: Es begannen auch Freundschaften. An meinem ersten Tag war ich bereits für STEPS angemeldet und habe mich bis zum Beginn gefragt, wie das in einer virtuellen Umgebung funktionieren soll. Umso mehr hat mich später beeindruckt, wie das Team, das bei Simon-Kucher für Fortbildungen und Wissensaustausch zuständig ist, das umgesetzt hat. Das Training beinhaltete interessante Vorträge und Workshops mit Beratern und externen Referenten zur interkulturellen Kommunikation sowie Aufgaben zum Kennenlernen wie Quizrunden und Gruppen-Challenges. Auch die Führungsebene in Gestalt einiger Partner nahm an STEPS teil, um über Projekte und die Unternehmensvision und -werte zu sprechen: Integrity, Impact, Respect, Team, Entrepreneurship, Meritocracy.

Teambuilding: Die Fitness Challenge

Ich lernte schnell, wie wichtig es ist bei Simon-Kucher im Team zusammenzuarbeiten. Bereits innerhalb weniger Tage nach meinem Einstieg in die Firma ermutigten mich meine Kolleg*innen, mich für eine unternehmensweite Fitness-Challenge anzumelden, bei der es darum ging, als Gruppe möglichst viele Schritte zu sammeln. Durch diese sportlichen Aktivitäten im Team löste sich meine anfängliche Nervosität schnell auf, ich fühlte mich in kurzer Zeit voll zugehörig. Alle tauschten regelmäßig Fitnesstipps aus, initiierten virtuelle Gruppenspaziergänge und „trafen“ sich in den Mittagspausen virtuell. Da war es egal, dass viele in anderen Büros arbeiten.

Dieser Teamzusammenhalt und die Unternehmenswerte generell standen in den folgenden Monaten auch bei meinen beruflichen Aufgaben im Fokus. Als Senior Recruiting Coordinator bin ich für die Stellenbesetzungen bei unseren Berater*innen wie auch in den unterstützenden Abteilungen wie Finance, IT oder HR verantwortlich. Dazu sichte ich Bewerbungen, führe Interviews, nehme an externen Recruiting-Veranstaltungen teil und plane bzw. führe unsere eigenen Bewerbungstage durch. Natürlich bringt es einige Herausforderungen mit sich, diese Aufgaben während einer globalen Pandemie mit all ihren Auswirkungen zu erledigen. Mein erstes großes Projekt war es, ein neues Konzept zur virtuellen Rekrutierung zu entwickeln. Dass Simon-Kucher mir die Verantwortung einer derart wichtigen Aufgabe direkt übertragen hat, demonstriert großes Vertrauen und eine hohe Wertschätzung in mich als neue Mitarbeiterin.

Das erste Projekt: virtuelle Bewerbungsgespräche sinnvoll konzipieren

Virtuelles Rekrutierungsformat

Ziel des Projekts war es, ein virtuelles Rekrutierungsformat zu entwickeln, das unseren Anforderungen entspricht und es gleichzeitig den Teilnehmenden so angenehm wie möglich macht. In enger Zusammenarbeit mit meinen Kolleg*innen aus dem HR-Team erstellten wir Leitfäden für Kandidat*innen und die Leute, die sie interviewten, führten Testläufe durch und verbesserten Prozesse, um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Herausforderungen im virtuellen Interview

Denn ein virtuelles Interview bringt andere Herausforderungen mit sich als eines vor Ort, so sind zum Beispiel mehrere virtuelle Gespräche nacheinander für die Bewerber*innen viel anstrengender als ein persönliches Gespräch, weil sie die ganze Zeit auf einen Bildschirm schauen. Aus diesem Grund haben wir die Länge und den Aufbau der Interviews angepasst, damit jede*r Kandidat*in die Chance hat, sich zwischendrin zu erholen, um beim nächsten Gespräch dann wieder voll konzentriert zu sein.

Die soziale Komponente im virtuellen Interview

Außerdem sollte der soziale Teil nicht zu kurz kommen, schließlich ist die Unternehmenskultur bei Simon-Kucher besonders wichtig. Während eines „normalen“ Recruiting-Tags vor Ort laden wir deshalb die Kandidat*innen in der Regel zum Mittagessen ein, damit sich alle in einem entspannten Umfeld besser kennenlernen können. Bei der virtuellen Version bitten wir ersatzweise mindestens drei aktuelle Simon-Kucher-Mitarbeiter*innen hinzu, die dann das Unternehmen vorstellen, mit den Kandidat*innen darüber plaudern, was sie erwartet, welche Art von Projekten wir durchführen und allgemein einen Eindruck davon vermitteln, wie wir hier miteinander umgehen.

Bisher haben wir dazu sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens begeisterte Rückmeldungen erhalten und freuen uns darauf, die nächste Runde von Kandidat*innen begrüßen zu dürfen. Wer sich für eine Teilnahme interessiert, kann hier mehr über unsere kommenden Recruiting-Events erfahren!

Der nächste Schritt: das Beste aus beiden Welten

Simon-Kucher hat es geschafft, sich auch während der andauernden Pandemie positiv zu entwickeln, daher sind wir glücklicherweise stetig weiter auf der Suche nach den besten Mitarbeiter*innen auf allen Ebenen. Damit das in der derzeitigen Situation gelingt, müssen wir jedoch unseren Rekrutierungsansatz flexibel gestalten. Virtuelle Bewerbungsprozesse haben unserer Ansicht nach für beide Seiten mehrere Vorteile: Die immer beliebteren Videointerviews als erster Bewerbungsschritt sind einfacher zu terminieren, lange Anfahrtswege werden vermieden.

So wird der Aufwand reduziert, bis beide Parteien sicher sind, dass es auch wirklich passt. Zudem beschleunigt das digitale Format den Prozess und ermutigt einen größeren und vielfältigeren Pool an internationalen Kandidat*innen, sich zu bewerben. Dennoch: Auch wenn das Virtuelle ein wichtiger Teil unserer HR-Aktivitäten bleiben wird, haben persönlichen Gespräche immer noch einen enormen Wert für uns, besonders in den späteren Phasen der Rekrutierung. Ich kann mir vorstellen, dass unser Bewerbungsprozess in Zukunft, wenn persönliche Treffen wieder einfacher möglich sind, das Beste aus beiden Welten kombiniert.

Karrieremagazin