Skills statt Noten: Der neue Karrierekongress Future Skills Finance & Consulting
IQB Geschäftsführerin Susanne Glück über die Future Skills Finance & Consulting: warum KI den Berufseinstieg verändert, welche Skills zählen und wer sich bewerben sollte.
Interview mit IQB Geschäftsführerin Susanne Glück zum Karrierekongress Future Skills Finance & Consulting
Künstliche Intelligenz übernimmt Aufgaben, die früher Berufseinsteiger:innen erledigt haben. Einstiegspositionen werden zurückhaltender besetzt, gleichzeitig verändern sich Profile und Banken und Beratungen suchen nun andere Fähigkeiten. Aus dieser Beobachtung ist die Future Skills Finance & Consulting entstanden, die am 23. Oktober 2026 im F.A.Z. Tower in Frankfurt stattfindet.
Die Veranstaltung ist der Nachfolger der Jobcon Finance, sie entsteht in Kooperation mit Squeaker und ist auf 200 Teilnehmende begrenzt, die sich vorab bewerben.
Wir suchen nicht die perfekten Lebensläufe, sondern die Profile, die zu dem passen, was die Unternehmen gerade suchen.
Susanne Glück, Geschäftsführerin von IQB Career Services, erklärt im Interview, warum die Veranstaltung auf Skills statt auf Noten setzt, welche Kompetenzen die Unternehmen gerade suchen und warum Quereinsteiger:innen aus Informatik oder Mathematik derzeit besonders gute Chancen haben.
Die Idee
Susanne, du hast in den vergangenen Jahren viele Karriereveranstaltungen konzipiert und umgesetzt. Was war der Auslöser, die Jobcon Finance komplett neu zu denken?
Der Arbeitsmarkt verändert sich durch KI gerade brutal, Einstiegspositionen werden deutlich zurückhaltender besetzt, weil Aufgaben, die früher Berufseinsteiger:innen übernommen haben, jetzt durch KI ersetzt werden oder Unternehmen eben prüfen, was KI übernehmen kann.
Dadurch verschiebt sich der Bedarf an Kompetenzen. Das ermöglicht z. B. Menschen ohne klassische Finance-Ausbildung den Einstieg in diese Branche. Und da geht es auch gar nicht nur um KI-Literacy, also den kompetenten Umgang mit KI‑Systemen. Der spielt eine große Rolle, aber eben auch klassische menschliche Fähigkeiten wie Kommunikation.
Was hat bei der klassischen Karrieremesse nicht mehr funktioniert – für Aussteller und für Besucher?
Karrieremessen funktionieren schon noch, allerdings – mindestens im Einstiegs- und Professionalbereich – nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip.
Der Fokus auf spezifische Kompetenzen und die Frage, wie sich Bewerber für den veränderten Arbeitsmarkt fit machen können, sind entscheidend geworden, auch weil Hochschulen in ihren Studienplänen zurzeit noch wenig Antworten liefern.
Das Veranstaltungsprogramm greift diese Veränderungen und die gesuchten Skillsets auf. Gleichzeitig filtern wir die Bewerber:innen über einen Bewerbungsprozess. So wissen Unternehmen, dass am Veranstaltungstag passende Kandidat:innen vor Ort sind, aber auch die Bewerber:innen wissen, dass ihre Fähigkeiten bei diesen Unternehmen gesucht werden.
Karrieremessen funktionieren schon noch, aber nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip.
Welche Veränderungen im Recruiting der Finanz- und Beratungsbranche beobachtet ihr seit einigen Jahren?
Das klassische Banking ist in den vergangenen zehn Jahren immer stärker in den Hintergrund getreten. Fintech hat beständig an Bedeutung gewonnen und so hat sich auch unser Ausstellerfeld immer mehr in Richtung IT erweitert. Zwar immer mit Finance-Bezug, aber der klassische Banker, der einen Kunden eingehend berät, wird im Grunde nicht mehr gesucht.
Themenschwerpunkt Quereinstieg
Quereinstieg: Möglichkeiten & Erfolgschancen für den Neueinstieg
Von der Jobcon Finance zur Future Skills Finance & Consulting
Was ist von der Jobcon Finance geblieben, was ist komplett neu?
Die Branchenausrichtung auf Finance & Consulting, neu ist der skillbasierte Ansatz und dass die Veranstaltung nur auf Einladung besucht werden kann.
Was ist der Unterschied in der Praxis? Was passiert bei einer skillbasierten Veranstaltung, was bei der Jobcon nicht passiert ist?
Ein Unterschied zur Jobcon ist das ausführliche Programm. Dort hört man von Menschen auf C-Level, welche Skills im Moment und perspektivisch gefragt sind. Wir schauen aber auch darauf, wie man diese Fähigkeiten erwerben kann und wie sich der Arbeitsmarkt künftig entwickelt. Der zweite und wesentliche Unterschied ist, dass die Veranstaltung geschlossen ist. Man braucht eine Einladung, und wer eine bekommt, weiß, dass sein Profil zu dem passt, was die Unternehmen suchen.
Abschlüsse treten dabei in den Hintergrund. Ich will nicht so tun, als seien sie unwichtig, das wäre unrealistisch. Aber sie müssen keinen unmittelbaren Branchenbezug haben, wenn jemand nachweisen kann, dass er relevante Skills im Studium, neben dem Studium oder in der bisherigen Berufserfahrung erworben hat. So kann auch ein Historiker eingeladen werden, der sich auf welchem Weg auch immer zum KI- oder Daten-Nerd weitergebildet hat.
Die Future Skills entsteht in Kooperation mit Squeaker. Wie kam es dazu, und wer bringt was in die Partnerschaft ein?
Squeaker ist wie wir ein Tochterunternehmen der F.A.Z., das auf die Consultingbranche spezialisiert ist und viel Erfahrung mit Einladungs-Events hat. Unsere Kontakte und Veranstaltungskompetenzen ergänzen sich gut, so dass wir gemeinsam ein attraktiveres Event auf die Beine stellen konnten, als jeder für sich allein.
Warum die Begrenzung auf 200 Teilnehmende und die Vorauswahl per Lebenslauf? Ist das nicht ein Risiko, weniger Menschen zu erreichen?
Ja sicher, aber uns war es wichtig, die richtigen Leute zu erreichen. Die mit Kompetenzen, die gerade gesucht werden, und vor allem auch die mit dem richtigen Mindset. Wer sich die Mühe macht und den Mut hat, sich mit sich, seinem Skillset und mit der Dynamik des sich verändernden Arbeitsmarkts aktiv auseinanderzusetzen, hat jetzt die Chance, sich grundlegend beruflich zu verändern.
Warum der F.A.Z. Tower als Veranstaltungsort?
Zwei Tochtergesellschaften der F.A.Z. der zentrale Standort – also warum nicht. Wir haben die Möglichkeiten im Haus und nutzen sie gern.
Warum genau diese Skills?
KI, Data & Analytics, ESG, Cybersecurity, Risiko & Regulierung, digitale Transformation: Wie seid ihr auf diese Auswahl gekommen? Aus Gesprächen mit Unternehmen, aus Stellenanzeigen, aus Studien?
Ja genau, wir haben recherchiert und Gespräche mit unseren Kunden geführt. Hier konnte Squeaker mit seiner Branchenerfahrung und den Kontakten in der Strategieberatung viel beitragen, weil Innen- und Außensicht auf bestimmte Branchen in einem Gespräch behandelt werden konnten.
Manche werden sich vielleicht wundern, warum wir entgegen dem derzeitigen Trend, bei dem man die Aufnahme von Skills wie KI, Data, Cybersecurity nicht groß erklären muss, auch ESG mit auf die Liste der gesuchten Skillbereiche genommen haben. Es geht eben nicht nur um Trends, sondern darum, eine nachhaltige Zukunft zu gestalten und das ist unabhängig von Berichtspflichten bzw. deren derzeitiger Lockerung.
Wer Kompetenzen hat, kann sie mit KI verbessern. Wer nichts weiß oder kann, wird durch KI-Nutzung vermutlich eher nicht zum Genie.
KI-Kompetenzen sind kaum Teil der Lehrpläne. Wo genau siehst du die Lücke zwischen Studium und Arbeitsmarkt?
Es gibt an den Hochschulen kaum strukturierte Vermittlung von Kompetenzen im KI‑Bereich – wie auch, bei der Entwicklungsgeschwindigkeit sind Hochschulen, aber auch Unternehmen oder Weiterbildungsanbieter an vielen Stellen überfordert.
Das heißt, wer sich Kompetenzen im KI‑Bereich erschließen will, muss Eigeninitiative und Beständigkeit zeigen, denn man kann keine Schulung machen und hinterher wissen, was KI kann oder wie man sie am besten nutzt. Das ändert sich im Moment ja fast jede Woche. Eine Weiterbildung zum Thema Prompt Engineering von vor einem Jahr hat zum Beispiel nur noch historischen Wert.
Welche dieser Skills unterschätzen Studierende am meisten?
Es gibt zwei Dinge, die aus meiner Sicht wichtig sind. Das Erste ist, KI‑Systeme kritisch zu nutzen. Dafür benötigt man Kompetenz, die unabhängig von einer KI ist. Nicht falsch verstehen, ich nutze KI täglich. Vieles geht damit schneller und einfacher. Was ich in einem schon etwas längeren Arbeitsleben gelernt habe, hilft mir aber dabei, die Ergebnisse beurteilen zu können. Wer Kompetenzen hat, kann sie mit KI verbessern. Wer nichts weiß oder kann, wird durch KI‑Nutzung vermutlich eher nicht zum Genie.
Das Zweite ist, dass menschliche Fähigkeiten wie Empathie oder Kommunikationsfähigkeit an Bedeutung gewinnen, z.B. gerade in Transformations- oder ESG-Prozessen. Auch wenn ein Bot ziemlich überzeugend so tun kann, als sei er ein Mensch, kann er eben gesellschaftliche oder emotionale Folgen von Veränderungsprozessen nicht wirklich auffangen.
Welche Rolle spielen Business- und Stakeholder-Skills, also komplexe Themen so zu erklären, dass sie Wirkung haben?
Das spielt eine große Rolle. Nur wer einen Sachverhalt versteht, kann ihn auch erklären und vermitteln, was wichtig ist. Da hilft ein glatt gebügelter Text nicht weiter, vor allem dann nicht, wenn man die Verantwortung für strategische Entscheidungen übernehmen muss.
„Skills first“ – heißt das, dass Noten weniger zählen? Wie konsequent ist das gemeint?
So konsequent, wie das in Deutschland geht. Wir stellen Skills bei dem Event in den Mittelpunkt. Wir haben in Deutschland eine geringe Durchlässigkeit im Arbeitsmarkt. Das ist beispielsweise im angloamerikanischen Raum ganz anders.
Ich glaube, dass es gegenwärtig wichtig ist, Leute zu rekrutieren, die offen für Veränderungen sind und bereit sind, sich damit auch eigeninitiativ auseinanderzusetzen. Das allein reicht natürlich nicht, insofern haben Kompetenzen, die man zum Beispiel im Rahmen eines Studiums erwirbt, nicht vollkommen an Bedeutung verloren. Es braucht aber gerade ein wenig mehr als ein gutes Zeugnis.
Wer stellt aus?
Warum ist die Mischung aus Banken, Beratungen, Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Data-/IT-Beratung wichtig?
Weil die alle in ähnlichen Skillbereichen suchen. Die Grenzen zwischen Bank, Beratung und IT-Dienstleister verschwimmen bei den gesuchten Kompetenzen zunehmend, ein Beispiel dafür sind Data Scientists, denn für jede Branche ist inzwischen Datenstruktur relevant, da sie entscheidend für die Qualität von KI-Ergebnissen ist.
Was erwarten die Unternehmen von diesem Format, was sie auf einer großen Messe nicht bekommen?
Leute mit gesuchten Fähigkeiten kennenzulernen, ohne 500 Gespräche führen zu müssen.
Wer sollte kommen?
Für wen ist die Veranstaltung gedacht – und für wen eher nicht?
Berufseinsteiger und Professionals, die sich informieren möchten und bereit für eine Veränderung sind. Quereinsteiger:innen haben in dem Format beste Chancen, Abschlüsse und Berufserfahrung sind keine Ausschlusskriterien, ausgewählt wird nach Skill-Selbsteinschätzung.
Und an der Stelle sollte man ehrlich mit sich selbst und anderen sein, niemandem ist geholfen, wenn man sich mit überzogenen Selbsteinschätzungen in das Event mogelt, ohne dass die Skills belastbar sind.
Welche Chancen haben Quereinsteiger:innen aus Informatik, Mathe, Physik oder Data Science ohne klassischen Finance-Lebenslauf?
Wer aus diesen Bereichen in die Branche Finance & Consulting wechseln möchte, hat im Moment die allerbesten Chancen dazu. Banken und Beratungen brauchen heute Leute, die Daten und Modelle beurteilen können, und weniger Leute, die klassische Einsteigeraufgaben erledigen.
Also ist die Veranstaltung auch für Young Professionals mit Berufserfahrung interessant? Bis zu wie vielen Jahren?
Ja, auch mit ein paar Jahren Berufserfahrung. Der Schwerpunkt liegt auf Einstieg und ersten Berufsjahren. Die Veranstaltung ist für alle interessant, die offen für Neues sind und Fähigkeiten mitbringen, die in das Profil passen.
Nach welchen Kriterien wählt ihr aus, und was sollten Bewerber:innen in ihrer Anmeldung zeigen?
Wir schauen uns eine Kombination aus drei Dingen an: den Lebenslauf, die Selbsteinschätzung der Skills, die man in der Anmeldung angeben muss, und die Skillprofile, die für unsere Aussteller relevant sind. Entscheidend ist der Abgleich. Wir suchen nicht die perfekten Lebensläufe, sondern die Profile, die zu dem passen, was die Unternehmen gerade suchen.
Karrierekongress
Future Skills Finance & Consulting – das Programm
Der Karrierekongress für Finanz- und Beratungstalente. Jobmesse, Brancheninfos und Ask-Me-Anything zu Future Skills wie KI, Data, ESG und Digitalisierung.
Der Tag selbst
Wie läuft der Tag ab – Keynotes, Panels, Ask-me-Anything, Networking?
Wir haben drei Panels. Es gibt keine Keynotes, stattdessen diskutieren Menschen aus der Praxis miteinander. Die Panels überschneiden sich nicht mit den Ask-me-Anything-Sessions, damit man alles besuchen kann. Zwischendurch und in den Pausen hat man reichlich Gelegenheit, die Networking-Zone mit den Ständen der Aussteller zu besuchen.
Was ist das Besondere an den Ask-me-Anything-Sessions?
Ask-me-Anything bedeutet, dass der Schwerpunkt auf den Fragen der Besucher liegt, kein Vortrag, keine langweilige Unternehmenspräsentation. Bei diesen Sessions sind unterschiedliche Ansprechpartner aus den Unternehmen vor Ort, die sich den Fragen der Besucher stellen – diese Fragen können die Besucher auch im Vorfeld einreichen.
Was sollte man am Ende des Tages mitnehmen?
Eine klare Vorstellung davon, welche Skills künftig gefragt sind. Und im besten Fall den Kontakt zum nächsten Arbeitgeber.
Wo siehst du die Veranstaltung in drei Jahren? Soll das Format auf andere Bereiche wie Jura oder MINT übertragen werden?
In der gegenwärtigen Arbeitsmarktlage ist das schwer zu sagen. Erstmal werden wir uns auf die Branche Finance & Consulting fokussieren und schauen, wie das Event angenommen wird. Wir haben ein branchenübergreifendes Event für skillbasiertes Recruiting in Planung, aber dazu kann ich heute noch nicht mehr sagen.
Dein wichtigster Tipp an Studierende, die sich heute auf eine Karriere in Finance oder Consulting vorbereiten.
Nehmt Human Intelligence ebenso ernst wie die künstliche und seid offen für Veränderungen.
Du willst dabei sein?
Die Future Skills Finance & Consulting findet am 23. Oktober 2026 von 10:00 bis 16:00 Uhr im F.A.Z. Tower in Frankfurt statt.
200 Plätze, Teilnahme nur auf Einladung. Wer sich bewirbt, gibt seine Skills im Anmeldeformular an. Wir gleichen sie mit den Profilen ab, die unsere Aussteller suchen.
Karrieremagazin Redaktionsteam
Liebevoll für euch zusammengestellt vom Karrieremagazin Redaktionsteam von IQB Career Services
Susanne Glück beschäftigt sich seit rund 115 Hundejahren mit Recruiting- und Employer-Branding-Plattformen für Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Als Geschäftsführerin der IQB Career Services kennt sie Recruiting-Prozesse sowohl aus Arbeitgeber:innen- als auch aus der Service-Perspektive eines Recruiting-Dienstleisters. In ihrer Freizeit geht sie am liebsten mit ihren zwei Shar Peis (Chinesische Faltenhunde – aus dem Tierschutz) spazieren.
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