Ganz ohne BWL – Consulting für Quereinsteiger

Consultant werden als Quereinsteiger: Warum Unternehmen Vielfalt suchen, welche Gehaltsstufen es gibt und wie der Einstieg ohne BWL gelingt.

Quereinstieg ins Consulting: Warum Unternehmen Quereinsteiger suchen und wie der Einstieg gelingt

Consulting, das klingt für viele nach BWL-Studium, Elite-Uni, perfektem Lebenslauf. Deine Karriere als Berater:in kann aber ganz anders verlaufen, denn ein Quereinstieg ins Consulting ist nicht nur möglich, sondern oft sogar gewünscht.

Warum Quereinsteiger im Consulting oft die bessere Wahl sind

Wenn man sich fragt „Wie werde ich Consultant?“, denkt man oft an den perfekten, geradlinigen Lebenslauf. Doch in der Praxis zeigt sich immer häufiger: Quereinsteiger:innen sind für viele Berufe eine echte Bereicherung – im Consulting sogar ganz besonders.

Beratung profitiert davon, neue Perspektiven auf alte Probleme zu bringen. Wer immer nur im gleichen System gelernt hat, denkt oft auch ähnlich. Quereinsteiger:innen hingegen bringen andere Denkweisen, Methoden und Erfahrungen mit – und genau das ist im Projektgeschäft extrem wertvoll. Vielfalt führt oft zu besseren Lösungen.

Was macht ein Consultant eigentlich?

Als Consultant unterstützt man Firmen, Probleme zu lösen. Das kann die Optimierung von ineffizienten Prozessen sein, aber auch große strategische Fragen der Ausrichtung und Zukunft sein.

Typische Aufgaben für Consultants sind:

  • Daten analysieren und Muster erkennen
  • Schwachstellen identifizieren
  • Lösungen entwickeln
  • Workshops moderieren
  • Präsentationen für Kund:innen erstellen

Als Problemlöser:in auf Zeit arbeitet man oft projektbasiert oder für einen gewissen Zeitraum mit den Unternehmen.

Wie wird man Unternehmensberater?

Der klassische Weg in die Unternehmensberatung führt meistens über ein Studium in der Fachrichtung BWL, VWL oder Wirtschaftsinformatik mit Praktika in Unternehmensberatungen. Dieser Weg ist jedoch längst nicht mehr der einzige, der zum Consulting-Job führt. Viele Unternehmen setzen bewusst auf unterschiedliche Perspektiven und diversifizieren ihre Belegschaft.

Wie werde ich Consultant als Quereinsteiger?

Hier wird’s spannend: Du kannst auch ohne wirtschaftlichen Background ins Consulting einsteigen! Quereinsteiger:innen kommen unter anderem aus Ingenieur-, Natur- oder Geisteswissenschaften, Psychologie oder Sozialwissenschaften. Nicht nur auf bestimmte Branchen spezialisierte Unternehmensberatungen suchen nach Absolvent:innen dieser Studiengänge.

Consulting braucht nicht nur Fachwissen, sondern vor allem smarte Denkskills. Gefragt sind diese Fähigkeiten:

  • Analytisches Denken = komplexe Probleme runterbrechen
  • Struktur = Chaos in klare Lösungen verwandeln
  • Kommunikation = Ideen verständlich machen und präsentieren
  • Flexibilität = sich in neue Themen einarbeiten

Diese Skills lernt man nicht zwangsläufig nur in den altbewährten Studiengängen. Wichtig ist vor allem, dass du diese Fähigkeiten glaubhaft belegen kannst.

Tipps für den Quereinstieg ins Consulting

Wer schon im Studium ein Interesse für die herausfordernde, spannende Welt des Consultings entwickelt, kann den Karriereweg mit diesen drei Tipps pflastern.

  1. Praktika & Werkstudierendenjobs: Auch ohne perfekten Fachbackground können Quereinsteiger hierüber Erfahrung sammeln und wichtige Kontakte knüpfen. Außerdem hilft der Realtitätscheck bei der Entscheidung: Ist es das wirklich?
  2. Traineeprogramm: Viele Beratungen bieten gezielt Programme an, um Interessenten „on the Job“ auszubilden. Die Zeit als Trainee ist herausfordernd, aber Quereinsteiger können ihre Skills und Durchhaltevermögen beweisen.
  3. Spezialisierung nutzen: Ein etwas anderer Lebenslauf kann ein USP sein. Umweltwissenschaftler:innen gehen in die Nachhaltigkeitsberatung, Absolventen der Psychologie sind prädestiniert für HR- oder Change-Consulting. ITler:innen sind im IT-Consulting gefragt.

Was verdient man im Consulting?

Der Job als Consultant ist nicht nur wegen seiner spannenden, kniffligen Aufgaben interessant, sondern auch wegen des Gehalts.

Das Gehalt für Consultants setzt sich in der Regel aus mehreren Elementen zusammen: Brutto-Festgehalt und Bonuszahlungen auf Basis der individuellen Leistung oder dem Erfolg des gesamten Unternehmens. Hinzu kommen Benefits, die sich zu einer stolzen finanziellen Entlastung summieren, wie Dienstwagen, BahnCard, Zeitkarten für den ÖPNV, Jobrad, Altersvorsorgeleistungen, Mitgliedschaften in Fitnessstudios, Sportvereinen und die fast schon klischeehaften Leistungen wie Essenszuschüsse für Kantinen, Obst und Getränke.

Während Bachelor-Absolventen ihre Karriere meist als Analysten beginnen, starten Absolventen mit Masterabschluss in der Regel direkt als Junior-Consultant. Diese Unterschiede zeigen sich sowohl in den Aufgabenbereichen als auch in der Höhe des Gehalts.

Mit diesen Durchschnittsgehältern könnt ihr rerechnen:

1. Analysten

Analysten verdienen durchschnittlich 52.000 € im Jahr.
Hier steigt man klassisch mit einem Bachelor-Abschluss ein. Zu den Aufgaben von Analysten gehören Unterstützung bei Analysen, Benchmarking, Recherchen und Datenaufbereitung.

2. Junior Consultants

Junior Consultants kommen im Schnitt auf 62.000 € pro Jahr.

Typische Aufgaben für Junioren sind Mitarbeit in Projektteams, Analyse, Konzeptentwicklung und Umsetzung von Arbeitspaketen mit zunehmender Kundenverantwortung. Mit einem Masterabschluss kann man oft schon als Junior-Consultant einsteigen und die Analysten-Stufe überspringen.

3. Senior Consultant

Mit 94.000 € Jahreseinkommen können Senior Consultants durchschnittlich rechenen.

Die Aufgaben von Senioren umfassen die operative Leitung von Projekten sowie die Steuerung der Projektteams, sie tragen die Verantwortung für Qualität, Budget und Ergebnisse und sind die Schnittstelle zum Kunden.

4. Senior Manager

Senior Manager im Consulting kommen pro Jahr im Schnitt etwa auf 120.000 €.

Als Senior Manager übernimmt man die Verantwortung für Akquisition und Leitung mehrerer Projekte, Ausbau von Kundenbeziehungen, Mentoring und Entwicklung nachgeordneter Führungskräfte.

5. Unternehmensleitung (ohne Kapitalbeteiligung)

Als Geschäftsführer oder Bereichsleiter können Consultants mit rund 173.000 € pro Jahr rechnen.

Leitung größerer Geschäftseinheiten oder Branchenbereiche mit Umsatz- und Ergebnisverantwortung gehören zu diesen Aufgaben. Dazu gehört auch die Steuerung und Entwicklung neuer Geschäftsfelder.

In vielen Beratungen haben sich Karriere- und damit auch verbunden auch Gehaltssprünge alle zwei bis drei Jahre etabliert. [1]

Warum überhaupt eine Karriere im Consulting?

Mit der oben beschriebenen Gehaltsstruktur gehen auch schnelle Karrierechancen einher, das allein kann schon als Grund herhalten, als Quereinsteiger in Consulting zu gehen. Als Consultant erhält man darüber hinaus Einblicke in viele Branchen und kann ein starkes Netzwerk aufbauen, die Projekte sind abwechslungsreich und vielfältig. Der Beruf ist ideal für Problemlöser, die analytisch denken können und keine Angst vor Verantwortung haben.

Allerdings sollte man auch bereit sein für lange Arbeitszeiten und einen hohen Leistungsdruck sowie einige Geschäftsreisen. Wen das nicht abschreckt, ist in der Unternehmensberatung gut aufgehoben.

Bewerbung im Consulting als Quereinsteiger: So überzeugst du

5 Erfolgsfaktoren für deine Bewerbung als Consultant

Besonders wenn du keinen klassischen Berater:innen-Werdegang mitbringst, muss deine Bewerbung umso mehr überzeugen.

  1. Consulting-Sprache nutzen: Zeige, dass du bereits wie ein Consultant denkst, indem du deinen Lebenslauf in Consulting-Sprache übersetzt. Du hast dann z. B. keine „Seminararbeit über XYZ geschrieben“, sondern hebst hervor, welche komplexe Fragestellung du strukturiert analysiert und aufbereitet hast.
  2. Skills hervorheben: Wenn dein Studium nicht nach BWL klingt, hebe deine Skills hervor. Lenke den Fokus bewusst auf analytische Fähigkeiten, Problemlösungen, Projektarbeit, Teamarbeit. Die Frage sollte nicht sein, was du studiert hast, sondern wie du Probleme angehst. Etwas, das später im Job viel relevanter sein wird.
  3. Auf Case-Interviews vorbereiten: Online findest du Mock Cases, anhand derer du deine Lösungsansätze trainieren kannst.
  4. Konkret sein: Consulting spannend finden, reicht nicht als Motivationsschreiben aus. Erkläre in der Bewerbung, warum es genau diese Beratung, diese Spezialisierung sein soll und vor allem, warum du mit deinem Background auch ohne BWL-Abschluss passt.
  5. Netzwerk nutzen: Viele unterschätzen das. Kontakte zu Consultants können dir schon zu Beginn helfen. Nutze digitale Karriereplattformen, besuche Events, Karrieremessen oder kontaktiere Alumni. Consultants müssen eine gewisse kommunikative Stärke mitbringen. Wenn du über diese verfügst, setze sie ein!

Warum Quereinsteiger im Consulting besonders wertvoll sind

Du musst nicht perfekt ins Schema passen – aber du musst erklären können, warum du trotzdem die richtige Wahl bist. Wer den Quereinstieg ins Consulting schafft, hat meist schon bewiesen, dass er oder sie:

  • sich schnell in neue Themen einarbeiten kann
  • mit Unsicherheit umgehen kann
  • bewusst eine Entscheidung für diesen Karriereweg getroffen hat

Und genau das ist im Consulting-Alltag entscheidend. Während Quereinsteiger auch in vielen anderen Branchen gefragt sind, ist ihr Mehrwert im Consulting besonders hoch – weil es hier nicht nur um Fachwissen geht, sondern vor allem um Denken, Strukturieren und Verstehen.

Consulting Quereinstieg – Das Wichtigste in Kürze

  • Consulting ist nicht nur für BWL-Absolventen. Ein Quereinstieg ins Consulting ist nicht nur möglich, sondern oft sogar erwünscht, da Unternehmen von vielfältigen Perspektiven profitieren. Quereinsteiger bringen frische Denkweisen und Methoden mit, die in der Beratung besonders wertvoll sind.
  • Quereinsteiger bereichern die Beratungsbranche. Sie lösen Probleme anders, da sie nicht in klassischen BWL-Strukturen ausgebildet wurden. Diese Vielfalt führt oft zu innovativeren und effektiveren Lösungen für Kunden.
  • Die Aufgaben von Consultants sind vielfältig. Sie reichen von Datenanalysen und Schwachstellenidentifikation bis hin zur Moderation von Workshops und Erstellung von Präsentationen. Consultants arbeiten projektbasiert und sind Problemlöser auf Zeit.
  • Der klassische Weg ins Consulting führt über BWL oder Wirtschaftsinformatik. Doch dieser Pfad ist nicht mehr der einzige: Unternehmen suchen gezielt nach Quereinsteiger aus anderen Fachbereichen. Diversität in Teams wird zunehmend als Erfolgsfaktor gesehen.
  • Quereinsteiger kommen aus den unterschiedlichsten Studiengängen. Ob Ingenieur-, Natur-, Geisteswissenschaften, Psychologie oder IT – viele Beratungen suchen gezielt nach Absolventen dieser Fächer. Wichtig sind analytische Fähigkeiten und die Bereitschaft, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten.
  • Gefragte Skills im Consulting sind analytisches Denken und Flexibilität. Consultants müssen komplexe Probleme strukturieren, Lösungen klar kommunizieren und sich anpassen können. Diese Fähigkeiten sind nicht an bestimmte Studiengänge gebunden.
  • Praktika und Traineeprogramme erleichtern den Quereinstieg. Sie bieten die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen. Viele Beratungen bilden Quereinsteiger gezielt „on the Job“ aus.
  • Die Gehälter im Consulting sind attraktiv. Sie steigen mit der Erfahrung und Verantwortung: von 52.000 € für Analysten bis zu 173.000 € in der Unternehmensleitung. Dazu kommen Boni und Benefits wie Dienstwagen oder Altersvorsorge.
  • Der Beruf bietet schnelle Karrierechancen und abwechslungsreiche Projekte. Consultants erhalten Einblicke in verschiedene Branchen und bauen ein starkes Netzwerk auf. Allerdings sind lange Arbeitszeiten und hoher Leistungsdruck Teil des Jobs.
  • Die Bewerbung als Quereinsteiger muss überzeugen. Nutze Consulting-Sprache, hebe deine Skills hervor und bereite dich auf Case Interviews vor. Zeige, warum dein Hintergrund trotz fehlendem BWL-Studium perfekt passt.
Autorenportät Lisa Friedmann mit Pflanze
Autor
Lisa Friedmann

Lisa Friedmann (Hamburg), Jahrgang 1984, studierte Informationswissenschaften (Diplom) und arbeitet seit über 15 Jahren als Redakteurin und Content-Managerin für verschiedene Unternehmen. Sie hat keine Ahnung von Pflanzen, aber einen grünen Daumen.