Wahlstation in Tokio – Das juristische Referendariat in Japan
Die Wahlstation in Tokio bietet spannende Einblicke in internationale Rechtspraktiken während Ihres Referendariats.
Juristische Ausbildung ohne Grenzen – Wahlstation im Referendariat in Tokio
Der Ablauf des Referendariats wirkt zunächst stark strukturiert und weitgehend vorgegeben. Wer ein bisschen Initiative zeigt, kann den vorgegebenen Rahmen erweitern und außergewöhnliche Stationen im Ausland absolvieren.
Während meines Referendariats in Hessen war ich gleich zweimal im Ausland. Im Rahmen meiner Wahlstation arbeitete ich drei Monate in Tokio bei der Kanzlei Sonderhoff & Einsel Law and Patent Office. Zuvor hatte ich bereits meine ↪ Verwaltungsstation in Brüssel verbracht.
Warum überhaupt ins Ausland – und warum Tokio?
Internationale Zusammenhänge und unterschiedliche Kulturräume haben mich schon lange interessiert. Auch beruflich strebe ich eine Tätigkeit mit Auslandsbezug an. Eine Wahlstation außerhalb Deutschlands bot mir daher die ideale Gelegenheit, die juristische Praxis in einem anderen Umfeld kennenzulernen und die eigene Perspektive zu erweitern.
Nachdem ich meine Verwaltungsstation bereits im EU-Ausland verbracht hatte, war für mich klar, dass es für die Wahlstation noch weiter weggehen sollte und bewusst in ein Land, welches sich kulturell deutlich von Deutschland unterscheidet. So fiel die Wahl auf Japan.
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Die Suche und Organisation der Wahlstation
Bei der Suche nach geeigneten Ausbildungsstellen hat sich vor allem die Online-Recherche bewährt. Darüber hinaus stellt das Oberlandesgericht in Hessen Listen bereits zugelassener Ausbildungsstellen bereit, die ortsbezogen abgefragt werden können. In Hessen ist die Aufnahme in diese Liste Voraussetzung für die Ableistung der Station – ist eine Stelle noch nicht gelistet, muss ein Ausbildungsplan eingereicht werden. Dabei sollte man beachten, welche Personen als Ausbilder zugelassen sind und welche Sprachkenntnisse verlangt werden, denn Landes- und Arbeitssprache müssen nicht zwingend übereinstimmen.
Um die Bewerbung sollte man sich möglichst frühzeitig kümmern. Für meine Station in Tokio habe ich mich bereits über ein Jahr im Voraus beworben. Die Bewerbung an sich erfolgte unkompliziert per E-Mail. Ich erhielt auch eine schnelle Rückmeldung und Zusage, sodass mehr als ausreichend Zeit für die Vorbereitung blieb.
In organisatorischer Hinsicht waren insbesondere die Themen Visum, Auslandskrankenversicherung, Sprachnachweis (glücklicherweise nur für Englisch), e-SIM sowie die Anreise per Flugzeug relevant.
Als Unterkunft habe ich mich in Tokio für ein Share House entschieden. Diese vergeben ihre Zimmer üblicherweise kurzfristig, da die Kündigungsfristen oft nur einen Monat betragen. Das bedeutete für mich, dass ich mich kurz vor meinen schriftlichen Prüfungen noch um meine Unterkunft in Tokio kümmern musste – ein Punkt, den man im Blick behalten sollte. Der Vorteil war, dass ich dort über meine Mitbewohner schnell Anschluss fand.
Rückblickend würde ich vor dem offiziellen Beginn der Station ausreichend Zeit zum Eingewöhnen und Ankommen einplanen. Sinnvoll ist es in jedem Fall, organisatorische Themen frühzeitig anzugehen und ausreichend zeitliche Reserven einzuplanen, falls nicht alles läuft wie geplant.
Auch die finanzielle Seite der Auslandsstation sollte rechtzeitig geklärt werden. Für mich war ein Nebenjob während des Referendariats eine gute Option. Daneben empfiehlt es sich, bei der jeweiligen Dienststelle nach Erstattungen und Ansprüchen hinsichtlich der Kosten zu fragen. Dies unterscheidet sich je nach Bundesland und Beschäftigungsverhältnis (Beamter oder Angestellter). In meinem Fall beinhalteten die Dienstreisekosten nur die Flugkosten, aber keine Zuzahlungen zur Unterkunft. Zusätzlich bestand die Möglichkeit, Trennungsgeld zu beantragen.
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Tokio – ein Perspektivwechsel
Tokio bot einen starken Kontrast, insbesondere hinsichtlich der Arbeitskultur und Organisation. Großraumbüros sind hier besonders beliebt, Präsenz im Büro hat einen hohen Stellenwert, und Hierarchien sowie Kommunikationsformen unterscheiden sich deutlich von deutschen Gepflogenheiten. Insbesondere mein Ausbilder in der Kanzlei hat mir dazu Einblicke und Informationen gegeben, und es ist sicher hilfreich, sich auch im Vorfeld schon mit derlei kulturellen Unterschieden zu beschäftigen.
Nicht zu unterschätzen ist in Japan die Sprachbarriere. Zwar sind viele Beschilderungen auch auf Englisch, im Alltag – etwa im Restaurant oder bei Kontakten mit Dienstleistern – stößt man aber schnell an Grenzen. Mit Gesten, wenigen Worten und im Notfall mit Übersetzungsapps ist eine Verständigung in der Regel aber möglich. Man sollte sich auch über öffentliche Verkehrsmittel und grundlegende Abläufe informieren und sich spätestens bei der Ankunft Bargeld besorgen, da Kartenzahlung nicht überall akzeptiert wird.
Die Kanzlei, in der ich tätig war, beschäftigt sowohl japanische als auch deutsche Mitarbeiter, überwiegend Rechtsanwälte und Patentanwälte. Inhaltlich ist sie auf Marken- und Patentrecht spezialisiert. Aufgrund des internationalen Mandatkontextes spielte das Internationale Privatrecht immer wieder eine Rolle. Hinzu kamen gesellschaftsrechtliche und erbrechtliche Fragen, die häufig im Zusammenhang mit grenzüberschreitenden Sachverhalten standen. Sprachlich habe ich auf Deutsch und Englisch gearbeitet. Interne Besprechungen wurden allerdings regelmäßig auf Japanisch geführt.
Besonders spannend war für mich der Umgang mit grenzüberschreitenden Sachverhalten. In der Praxis stellen sich immer wieder Rechtsfragen, die theoretisch noch nicht abschließend geklärt oder teils nicht einmal diskutiert worden sind, für die aber dennoch eine praxistaugliche Lösung gefunden werden muss. Die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe der Beteiligten führten dabei häufig zu ganz verschiedenen Herangehensweisen und Sichtweisen auf denselben Sachverhalt.
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Länder und Kulturen erleben
Neben der Ausbildung blieb auch ausreichend Zeit, Japan intensiv kennenzulernen. Das Land verfügt über ein sehr gut ausgebautes Bahnnetz. Für längere Strecken (insbesondere auf die Inseln) bietet sich das Flugzeug an. Diese Reisen haben die Station in besonderer Weise bereichert und die kulturellen Erfahrungen vertieft.
Fazit: Horizonte erweitern in jeder Hinsicht
Auslandsstationen im Referendariat bieten eine besondere Chance, die eigene fachliche und persönliche Entwicklung voranzubringen. Die dort gewonnenen Eindrücke, Kontakte und Erfahrungen reichen deutlich über die eigentliche Ausbildungszeit hinaus und prägen den weiteren Weg.
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