Fünf Wochen Praktikum im Notariat : Zwischen Urkunden, Mandanten und Kanzleialltag
Fünf Wochen Pflichtpraktikum im Berliner Anwaltsnotariat: Aufgaben, Bewerbung, Vergütung und was unsere Autorin über sich selbst herausgefunden hat.
Praktikum im kleinen Notariat: die besten Einblicke
Ein Praktikum im Notariat klingt für viele zunächst ein wenig langweilig. Tatsächlich steckt aber ein bisschen mehr dahinter.
Nach meinem vierten Semester Jura habe ich fünf Wochen in einem kleinen Anwaltsnotariat in Berlin, also einer Kanzlei, in der derselbe Jurist Anwalt und Notar ist, mein erstes juristisches Pflichtpraktikum absolviert. Dabei habe ich schnell gemerkt, welche Seiten des Berufs mir gefallen und welche eher nicht.
Dabei war das Praktikum überraschend vielseitig. Ich konnte bei Beurkundungen dabei sein, Urkunden bearbeiten, Akten ansehen, recherchieren, telefonieren und sogar bei einem strafrechtlichen Fall mitdenken. Gleichzeitig habe ich nach fünf Wochen eine ziemlich klare Antwort auf eine Frage bekommen: Ein klassischer Acht-Stunden-Schreibtischjob ist vermutlich nicht mein Traum. Aber das ist schließlich der Sinn eines Praktikums.
Zählt das Notariat als Pflichtpraktikum im Jurastudium?
Kurz: in der Regel ja. Nachlesen solltet ihr es trotzdem, denn die praktische Studienzeit ist Ländersache.
Der Bundesrahmen steht in § 5a Abs. 3 DRiG: drei Monate in der vorlesungsfreien Zeit, als Zulassungsvoraussetzung fürs Examen. Welche Stellen zählen, regelt das Juristenausbildungsgesetz eures Bundeslandes – und das Notariat ist dort meist ausdrücklich genannt. In Berlin etwa über § 2 Abs. 3 JAO, in Bayern über § 25 Abs. 2 JAPO, in NRW als Teil des Rechtspflegepraktikums.
Worauf ihr achten solltet:
- Rechtsgebiet: Ein Notariat wird üblicherweise dem Zivilrecht zugeordnet. Wer noch eine Straf- oder Verwaltungsstation braucht, sollte das mitplanen.
- Mindestdauer: je nach Land drei oder vier Wochen pro Abschnitt. Meine fünf Wochen liegen überall auf der sicheren Seite.
- Vorlesungsfreie Zeit: Das Praktikum muss in die Semesterferien fallen.
- Bescheinigung: am letzten Tag ausstellen lassen, mit Zeitraum und Rechtsgebiet. Betreuen muss der Notar selbst, nicht die Fachangestellte.
Zehn Minuten mit dem Merkblatt eures Prüfungsamts geben euch Klarheit.
Wie ich an meinen Praktikumsplatz kam
Wie ich an meinen Praktikumsplatz kam
Ich muss sagen, dass ich bei der Suche nach einem Praktikumsplatz ein wenig verzweifelt war. Weder wusste ich, was mich interessiert, noch, wo ich mich bewerben soll.
Die Suche
Also habe ich online recherchiert, genauer gesagt: Ich habe bei Google einfach „Praktikum Jura Berlin“ eingegeben und auf verschiedenen Portalen geguckt. Auf Indeed bin ich dann fündig geworden. Da gab es recht viele Angebote, teilweise auch zeitlich flexibel, und dort bin ich auch auf die ausgeschriebene Stelle in einem kleinen Notariat gestoßen. Vor allem kleine Betriebe haben mich angesprochen, da ich weniger an riesigen Hierarchien interessiert bin.
Die Bewerbung
In der Ausschreibung war direkt eine Mailadresse angegeben, an die ich Lebenslauf und Anschreiben schicken konnte. Also habe ich mich ohne große Gedanken beworben. Beides schlicht gehalten, gerade beim Anschreiben geht es um die Motivation, einen neuen Bereich kennenzulernen, weniger um bereits vorhandenes Wissen.
Mein Anschreiben war daher recht kurz. Zunächst habe ich mitgeteilt, in welchem Semester ich bin, dann, weshalb ich an dem Praktikum interessiert bin. Außerdem habe ich geschrieben, dass ich gerne lernen würde, mein theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen. Am Ende habe ich den Zeitraum genannt, in dem ich das Praktikum gerne machen würde.
Vorlagen für Bewerbungsschreiben findet man übrigens gut auf Canva. Das macht immer mehr her als ein farbloses Blatt in Word.
Das Gespräch
Kurz darauf hatte ich ein Bewerbungsgespräch (wobei dies mehr ein Kennenlernen war) und bekam das Praktikum.
Wichtig für euch: Niemand erwartet, dass das Notariat euer Traumjob ist. Ich bin offen damit umgegangen, dass ich nicht wusste, was mich interessierte, habe aber auch erwähnt, dass ich deshalb dieses Praktikum nutzen möchte und neugierig bin.
Geht mit einer offenen und ehrlichen Haltung ran, denn immerhin geht es, meist und auch in meinem Falle, um ein unbezahltes Praktikum und nicht um eine Festanstellung als CEO.
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Mein erster Tag im Notariat: Kleidung, Software, Einarbeitung
Natürlich begann der Tag bereits zuhause vor dem Kleiderschrank mit der Frage: Was zum Teufel zieh ich an?
Mein Glück, dass ich bereits die verschiedensten Anzüge in unterschiedlichen Farben besitze. Ich habe mich schließlich gegen den türkis-knallblauen Anzug entschieden und dachte mir: Erst einmal etwas Schlichtes. Also schwarzer Mantel, schwarze Anzugshose, schwarzes Hemd.
Woman in Black halt.
Das Büro war klein. Neben dem Notar gab es noch eine studentische Hilfskraft und eine weitere Fachkraft. Im Vergleich zu großen Kanzleien war die Atmosphäre dadurch persönlich und gerade für ein erstes Praktikum sehr angenehm.
Natürlich ist man dennoch erst einmal nervös, will nichts falsch machen und das Fluchttier in einem möchte am liebsten wegrennen.
Spätestens, als ich meinen eigenen Arbeitsplatz bekam, beschloss ich allerdings, nicht zu fliehen. Vermutlich auch, weil ich einen wunderschönen Curved Monitor für die Arbeit bekam, über den ich mich ein wenig zu sehr freute.
Auch ansonsten wurde ich schnell eingebunden. Mir wurde schon am Anfang erklärt, wie ich Telefonate führe und wie Abläufe im Büro funktionieren. Bedeutet: Wo speichert man die Dokumente? Welche Ausfertigung bekommt welche Person? Wie funktionieren die Programme wie AnoText und TriNotar?
Und als Anmerkung: Natürlich konnte ich mir nicht sofort alles merken, aber das verlangt auch niemand. In den darauffolgenden Tagen und Wochen sind mir öfter Fehler unterlaufen. Das mag sich unangenehm anfühlen, gehört aber dazu.
Mein erster Tag war also eher ein Schnelldurchlauf der kommenden Wochen und mit viel Überforderungsgefühl verbunden.
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Was macht man eigentlich als Praktikantin beim Notar?
Mein Arbeitstag dauerte acht Stunden. Entweder fing ich um 8 Uhr an oder um 9 Uhr, je nachdem, wann welche Termine lagen. Einen strengen Tagesablauf gab es nicht. Meist habe ich zunächst geschaut, welche Termine anstanden und was dafür erledigt werden musste.
Zu meinen Tätigkeiten gehörten unter anderem:
- bei Beurkundungsterminen dabei sein (ja, manchmal auch den Mandanten einen Kaffee holen, aber bei einem Schreibtischjob war ich dankbar, mal ein wenig laufen zu können)
- Urkunden binden, sortieren und bearbeiten
- Dokumente einscannen und digital ablegen
- Telefonate entgegennehmen
- zu verschiedenen rechtlichen Fragen recherchieren
- anwaltliche Aufforderungen bzw. Schreiben vorbereiten
Ich war also ein bisschen die Frau für alles. Und tatsächlich fand ich das gar nicht so übel. Gerade in einem kleinen Büro hat das nämlich den Vorteil, dass es den Tag abwechslungsreich gestaltet. Man bekommt in verschiedenen Bereichen etwas mit und versteht dadurch auch besser, wie der gesamte Alltag funktioniert.
Aber natürlich war nicht jede Aufgabe neu oder spannend. Die 80. Eintragung ins Handelsregister ist irgendwann eben auch nur noch Routine, ist aber eine wichtige Aufgabe im notariellen Teil.
Was am Anfang die reinste Überforderung ist, wird irgendwann Alltag. Wie oft dachte ich mir zu Beginn: „Um Himmels willen, wie oft muss ich die Urkunde jetzt ausdrucken und an wen geht sie in welcher Form? Und habe ich das gerade falsch gestempelt“ (ja, ist mir auch passiert). Das wird aber mit jedem Tag besser.
Was mir am Praktikum beim Notar überraschend Spaß gemacht hat
Das mag womöglich für den einen oder anderen seltsam wirken, aber ich hatte unglaublich viel Spaß daran, Urkunden zu stempeln und zu sortieren. Das klingt ungefähr so spannend wie einem Drucker beim Drucken zuzusehen.
Aber ich mochte die Strukturiertheit der Aufgaben einfach. Bei solchen Aufgaben bekommt man einen Tunnelblick und die Zeit vergeht unglaublich schnell. Zudem konnte ich solche Arbeiten im Stehen erledigen und beim Pressen sogar etwas meine Armkraft trainieren (also immer schön die Seiten wechseln).
Das war für mich im Nachhinein sogar interessant, weil ich dadurch gemerkt habe, dass Routinen nichts grundsätzlich Schlechtes sind.
Was ich dagegen weniger mochte, war der Umstand, dass ein großer Teil des Arbeitstages sich eben doch am Schreibtisch abspielte.
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Praktikum im kleinen Notariat: die spannendsten Einblicke
Toll war, dass ich bei vielen Terminen dabei sein durfte. Das war interessant, denn ich war neugierig, welche Menschen die Kanzlei betraten, wie sie sich verhielten und warum sie kamen.
Mein persönliches Highlight war allerdings etwas anderes: Denn einmal durfte ich, ich weiß bis heute nicht, wieso, eine sogenannte Rotakte durchgehen (also eine strafrechtliche Angelegenheit).
Ich durfte mir die Akte ansehen und anschließend mit dem Notar darüber sprechen. Er fragte mich unter anderem, welche Strategie ich in dem Fall verfolgen würde und wie ich die Situation einschätzen würde.
Warum ich das in diesem Bericht erwähne, ist nicht, weil Rotakten bei einem Notariatspraktikum so unüblich sind, sondern weil man in einer kleinen Kanzlei oder einem kleinen Notariat die Chance bekommt, tatsächlich mitzudenken und etwas zu einem Fall beizutragen.
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Ein Beurkundungstermin, der mir in Erinnerung bleibt
Noch interessanter fand ich einen Termin mit einer älteren Frau, bei dem es um eine Schenkung ging. Für diesen Termin sind wir sogar außer Haus gefahren.
Dabei spielte unter anderem die Frage eine Rolle, ob die Frau die Bedeutung des Vorgangs tatsächlich verstand, also noch geschäftsfähig war. Das fand ich deshalb so spannend, weil man hier sehr deutlich spürt, wie schwierig die praktische Einschätzung sein kann.
Eine Person kann beispielsweise nervös oder einfach von der Situation überfordert sein. Das bedeutet nicht unbedingt, dass sie die Bedeutung der Situation nicht erkennen kann.
Nach dem Termin konnte ich mich zudem mit dem Notar darüber austauschen, wie ich diesen Fall einschätzte. Das hat mir vermutlich am besten gefallen. Denn genau solche Erlebnisse zeigen, dass Jura im echten Leben eben nicht nur aus A, B und C besteht.
Hinter jedem Sachverhalt stehen echte Menschen. Menschen mit Ängsten, Interessen, Familiengeschichten und manchmal ziemlich komplizierten Lebenssituationen. Das vergisst man im Studium schnell. Und genau diese menschliche Komponente hat mich sehr berührt.
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Was ich nach fünf Wochen mitgenommen habe
Natürlich habe ich praktische Dinge gelernt: den Umgang mit verschiedenen Programmen, den Ablauf von Beurkundungen, den Umgang mit Urkunden und verschiedene organisatorische Abläufe.
Noch wichtiger aber: Ich habe herausgefunden, was ich beruflich nicht möchte.
Das klingt zunächst nicht nach dem besten Ergebnis eines Praktikums. Ich finde aber, dass genau das der Vorteil ist.
Ich habe gemerkt, dass mir einzelne juristische Tätigkeiten sehr viel Spaß machen. Ich mochte es, Fälle zu analysieren, Strategien zu entwickeln und mit dem Notar über rechtliche Fragen zu diskutieren.
Was mir dagegen weniger lag, war der klassische Arbeitsalltag: viele Stunden am Schreibtisch, kaum Bewegung und das ständige Starren auf einen Monitor.
Ich wusste also nach dem Praktikum deutlich besser, welche Mischung aus Aufgaben ich mir für mein späteres Berufsleben vorstellen kann.
Für wen eignet sich ein Praktikum beim Notar?
Ich würde allen ein Praktikum bei einem Notar empfehlen, die noch nicht genau wissen, in welche Richtung sie gehen sollen, aber auch Menschen, die Routine brauchen und dennoch gern mit Menschen arbeiten.
Auch empfehlen kann ich besonders kleine Notariate, da man dort einen viel tieferen Einblick bekommt.
Wer dagegen jeden Tag etwas komplett Neues, viel Abwechslung und möglichst wenig Routine braucht, könnte sich in so einer kleinen Struktur vielleicht langweilen.
Mila Streicher studiert Rechtswissenschaften an der BSP Business & Law School Berlin und bereitet sich aktuell auf das Erste Staatsexamen vor. Zuvor absolvierte sie bereits erfolgreich den Bachelor of Laws (LL.B.). Parallel zu ihrem Studium ist sie als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Öffentliches Recht tätig.
FAQ – Praktikum beim Notar
Mein Praktikum wurde nicht bezahlt. Ob ein Praktikum vergütet wird, kommt natürlich auf den jeweiligen Arbeitgeber an. – Pflichtpraktika, die auf einer hochschul- oder ausbildungsrechtlichen Bestimmung beruhen, sind nach § 22 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 MiLoG vom Mindestlohn ausgenommen.
Das ist unterschiedlich. Oft gibt es Mindestanforderungen. Ich muss sagen, dass bei mir fünf Wochen optimal waren. Oft habt ihr also ein Mitspracherecht, wie lange es gehen soll.
Bei mir gehörten die Mitarbeit bei Urkunden, Registerangelegenheiten, organisatorische Aufgaben, Telefonate, Recherche, anwaltliche Tätigkeiten und die Teilnahme an Terminen dazu.
In den meisten Bundesländern ja, das Notariat ist in den Juristenausbildungsordnungen ausdrücklich als Ausbildungsstelle vorgesehen. Prüft die Vorgaben eures Prüfungsamts zu Mindestdauer, Rechtsgebiet und Betreuung.
Ich selbst habe mich ziemlich schick angezogen, also ich kam in Anzügen und Mänteln. Das lag allerdings weniger daran, dass ich dazu gezwungen wäre, sondern daran, dass ich eine heimliche Sucht nach Westen und Anzügen habe.
Vermutlich hätte in meinem Fall auch eine gepflegte Jeans mit Blazer gereicht. Ich würde grundsätzlich aber zu einem etwas schickeren Outfit und einem gepflegten Auftreten raten.
Das Wichtigste ist aber, dass ihr euch wohlfühlt. Denn im Endeffekt entsteht die Arbeit im Kopf und nicht in eurem Aussehen.
Nein. Ich hatte keinerlei Ahnung von den Abläufen. Und das wissen die Notare auch. Also seid entspannt und macht euch nicht zu viele Gedanken.
Bei meinem Praktikum durfte ich bei fast jedem Termin dabei sein. Welche und wie viele Termine man begleiten darf, hängt natürlich vom jeweiligen Notariat ab.
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