Verwaltungsstation in Brüssel – Einblicke in die juristische Ausbildung bei der EU

Verwaltungsstation in Brüssel: Einblicke in EU-Institutionen, Arbeit mit EuGH-Urteilen und praktische Tipps zur Organisation einer Auslandsstation.

Juristische Ausbildung ohne Grenzen – Erfahrungen aus Brüssel

Der Weg durch das Referendariat scheint auf den ersten Blick klar strukturiert und weitgehend vorgegeben. Mit ein bisschen Engagement und extra Aufwand kann man aber über den klassischen Ablauf hinausgehen und besondere Stationen im Ausland absolvieren.

Für mich führte dieser Weg während meines Referendariats in Hessen gleich zweimal ins Ausland: zunächst nach Belgien für die Verwaltungsstation und später nach ↪ Japan für die Wahlstation. In Brüssel verbrachte ich zwei Monate bei der Vertretung des Landes Hessen bei der EU.

Warum überhaupt ins Ausland – und warum Brüssel?

Schon immer haben mich fremde Länder und Kulturen fasziniert, und auch in beruflicher Hinsicht reizt mich ein internationaler Bezug. Eine Auslandsstation bot daher die perfekte Möglichkeit, als deutscher Jurist im Ausland zu arbeiten und den Blick über den deutschen Tellerrand hinaus zu wagen. Brüssel interessierte mich insbesondere als Zentrum der europäischen Rechtsetzung und Verwaltung und als Hotspot zahlreicher EU-Institutionen.

Die Suche und Organisation der Verwaltungsstation

Bei der Suche nach geeigneten Stationen war vor allem Internetrecherche hilfreich. Zudem gibt es in Hessen Listen des Oberlandesgerichts mit bereits zugelassenen Ausbildungsstellen, die für einzelne Orte angefragt werden können. Diese haben vor allem für die Verwaltungsstation geholfen, da einige Ausbildungsstellen nicht so präsent sind.

In Hessen muss die Ausbildungsstelle zwingend in die Liste aufgenommen sein, damit man dort die Station absolvieren kann. Für noch nicht zugelassene Stellen muss man einen Ausbildungsplan einreichen. Dabei sollte man im Blick behalten, welche Personen als Ausbilder zulässig sind und ob besondere Sprachkenntnisse gefordert werden. Häufig unterscheiden sich Landes- und Arbeitssprache.

Die Bewerbung erfolgte unkompliziert per Mail. Darum sollte man sich möglichst frühzeitig kümmern. Für meine Verwaltungsstation in Brüssel habe ich mich ein gutes halbes Jahr im Voraus beworben. Dank einer schnellen Rückmeldung und Zusage blieb auch ausreichend Zeit für die Vorbereitung.

Ich habe mich in Brüssel dafür entschieden, in einem AirBnB unterzukommen. Dieses habe ich bereits frühzeitig reserviert. Die Anreise erfolgte einfach per Zug.

Rückblickend würde ich mich wieder frühzeitig um die organisatorischen Themen kümmern und ausreichend Puffer einplanen, falls etwas nicht läuft wie geplant.

Zudem ist eine frühzeitige Planung der Finanzierung der jeweiligen Auslandsstation von Vorteil. Für mich war ein Nebenjob während des Referendariats eine gute Option. Zusätzlich sollte man sich bei seiner Dienststelle informieren, welche Kosten übernommen werden und welche Zahlungen einem zustehen. Dies unterscheidet sich nach dem jeweiligen Bundesland und dem Beschäftigungsverhältnis (Beamter oder Angestellter). Dienstreisekosten beinhalteten bei mir die Bahnkosten, aber keinen Zuschuss zur Unterkunft. Zusätzlich konnte Trennungsgeld beantragt werden.

Brüssel – das Herz Europas

Meine Zeit in Brüssel hat mir eindrucksvoll bestätigt, warum die Stadt oft als „Herz Europas“ bezeichnet wird. Die Vielzahl der EU-Institutionen prägt gleichermaßen den Arbeitsalltag und das Stadtbild. Während meiner Station hatte ich die Möglichkeit, mehrere dieser Institutionen zu besuchen. Hierfür wurde mir Zeit eingeräumt. Ein besonderes Highlight war eine private Führung durch das Europäische Parlament.

Inhaltlich befasste ich mich vor allem mit aktuellen Urteilen des EuGH und EGH, die ich regelmäßig für den Bericht aus Brüssel aufarbeitete. Hinzu kamen zahlreiche Veranstaltungen zu aktuellen europäischen Themen, welche von verschiedenen Vertretungen und Institutionen in Brüssel ausgerichtet wurden. Dabei ist die Arbeit stets stark institutionell und politisch geprägt und bezieht sich größtenteils auf aktuelle rechtliche Entwicklungen auf europäischer Ebene.

Durch die vielen Institutionen ist Brüssel auch gerade für deutsche Referendare ein Hotspot. Hier findet man schnell Anschluss, trifft regelmäßig bekannte Gesichter auf Veranstaltungen wieder und kann sich unkompliziert vernetzen.

Länder und Kulturen erleben

Neben der Arbeit blieb auch ausreichend Zeit, das Land kennenzulernen. Belgien lässt sich hervorragend und günstig mit dem Zug bereisen. Die Distanzen sind dabei so kurz, dass man viele Tagesausflüge machen kann. Die Reisen und Ausflüge haben die Station in besonderer Weise bereichert.

Fazit: Horizonte erweitern in jeder Hinsicht

Auslandsstationen im Referendariat sind eine außergewöhnliche Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern – sowohl fachlich als auch persönlich. Meine Verwaltungsstation in Brüssel hat mir nicht nur juristische Einblicke, sondern auch wertvolle Erfahrungen, neue Perspektiven und persönliche Kontakte gebracht, die weit über das Referendariat hinauswirken.

Dr. Elena Krenn, Porträtbild
Autorin
Dr. Elena Krenn

Dr. Elena Krenn studierte Rechtswissenschaft und promovierte an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Während ihres Referendariats in Hessen absolvierte sie ihre Verwaltungsstation in Brüssel und ihre Wahlstation in Tokio.