Sicherheit und Zusammenhalt – Was Frauen von Arbeitgebern erwarten

Für 69 Prozent der Frauen ist Sicherheit der wichtigste Faktor bei der Karriereentscheidung, kollegialer Zusammenhalt spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Female Employer Branding erfordert authentische Einblicke und konsistente Kommunikation über alle Kanäle.

Female Employer Branding: Wie Unternehmen Frauen wirklich erreichen

Laut aktuellen Studien bewerten Frauen im Berufsleben Sicherheit und Zusammenhalt besonders hoch. Während viele Arbeitgeber im Recruiting noch immer primär mit Karrierechancen, Gehalt oder prestigeträchtigen Projekten werben, rücken für Bewerberinnen andere Faktoren in den Mittelpunkt. Wer diese Werte nicht glaubwürdig kommuniziert, verschenkt Potenzial – gerade im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte.

Female Employer Branding ist kein Nischenthema

Der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen dazu, ihre Arbeitgebermarke strategisch weiterzuentwickeln. Diversität ist längst kein „Nice-to-have“ mehr, sondern ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor. Doch obwohl sich viele Organisationen Vielfalt auf die Fahnen schreiben, bleibt die Ansprache oft austauschbar.

Female Employer Branding bedeutet nicht, Kampagnen und Angebote in Pastellfarben zu gestalten, auch wenn nichts gegen Rhabarberschorle im Unternehmenskühlschrank spricht, oder stereotype Rollenbilder zu bedienen.

Es geht vielmehr darum, die Arbeitgebermarke so auszurichten, dass sie die tatsächlichen Bedürfnisse, Werte und Lebensrealitäten von Frauen ernst nimmt – ohne zu pauschalisieren. Unternehmen, die verstehen, was Bewerberinnen wichtig ist, stärken nicht nur ihre Außenwirkung, sondern auch ihre interne Kultur.

Zusammenhalt sichtbar machen – nicht nur behaupten

Sicherheit bleibt der wichtigste Faktor für Frauen (und Männer), wenn es um die Karriere geht, sagen 69, bzw. 70 Prozent. Ein zentraler Faktor ist zudem der kollegiale Zusammenhalt, zeigt das Institut für Marketing. Umgangston und zwischenmenschliche Beziehungen prägen die Atmosphäre und entscheiden über Wohlbefinden, Gemeinschaftsgefühl und Konflikte. [1],[2]

Kein Wunder, dass für viele die Qualität der Zusammenarbeit eine entscheidende Rolle bei der Wahl der Arbeitgeber spielt. Teamkultur, respektvoller Umgang und gegenseitige Unterstützung sind manchmal mehr wert als Statussymbole.

Bei der Umfrage von Capterra zur Arbeitszufriedenheit deutscher Mitarbeitenden schob sich ein gutes Verhältnis zu anderen Angestellten mit 34 Prozent deutlich an einem guten Verhältnis zu Vorgesetzten (21 Prozent) vorbei. [3]

Doch Kultur lässt sich nicht in einem Claim vermitteln. Sie muss erlebbar sein.

Authentische Einblicke in den Arbeitsalltag sind hier entscheidend. Für das Recruiting bedeutet das:

  • Mitarbeitenden-Interviews statt austauschbarer Imagefilme
  • Einblicke in Teammeetings oder Projektarbeit
  • Erfahrungsberichte zu Mentoring-Programmen
  • Sichtbare Role Models aus unterschiedlichen Hierarchieebenen

Wichtig ist, echte Stimmen sprechen zu lassen. Hochglanzkommunikation wirkt schnell inszeniert. Glaubwürdigkeit entsteht dort, wo Unternehmen transparent zeigen, wie Zusammenarbeit tatsächlich funktioniert – auch mit ihren Herausforderungen.

Sicherheit neu denken: Mehr als nur der unbefristete Vertrag

Der zentrale Wert ist Sicherheit. Dabei geht es nicht ausschließlich um Arbeitsplatzgarantien. Sicherheit umfasst mehrere Dimensionen:

  • Psychologische Sicherheit: Können Mitarbeitende ihre Meinung äußern, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen?
  • Planbarkeit: Gibt es transparente Karrierewege und klare Entwicklungsperspektiven?
  • Vereinbarkeit: Ermöglichen flexible Arbeitsmodelle unterschiedliche Lebensphasen?
  • Faire Führung: Sind Entscheidungsprozesse nachvollziehbar und gerecht?

Viele Unternehmen kommunizieren hier zu vage. „Wir fördern Vereinbarkeit“ bleibt eine austauschbare Floskel. Konkrete Zahlen und Beispiele hingegen schaffen Vertrauen! Wie viele Führungspositionen sind in Teilzeit möglich? Welche Rückkehrmodelle nach Elternzeiten gibt es? Wie werden Mitarbeitende in Veränderungsprozesse eingebunden?

Je konkreter die Aussagen, desto glaubwürdiger die Arbeitgebermarke.

Online und offline: Konsistenz entscheidet

Female Employer Branding muss über alle Kanäle hinweg konsistent sein, um zu überzeugen.

Online bieten Karrierewebsites und Social Media die Chance, Kultur sichtbar zu machen. Videos mit Mitarbeiterinnen, transparente Informationen zu Arbeitsmodellen oder Einblicke in Netzwerke und Förderprogramme schaffen Nähe. Entscheidend ist eine klare, verständliche Sprache – ohne Marketingfloskeln.

Auf Karrieremessen zählt vor allem die persönliche Begegnung. Unternehmen sollten bewusst Mitarbeiterinnen aus unterschiedlichen Bereichen einbinden, die authentisch von ihrem Arbeitsalltag berichten können. Ehrliche Gespräche auf Augenhöhe überzeugen mehr als Hochglanzbroschüren.

Die zentrale Frage lautet: Deckt sich das, was online versprochen wird, mit dem, was im direkten Austausch erlebbar ist? Inkonsistenzen untergraben Vertrauen und machen zurecht misstrauisch.

Frauen-Netzwerke – gut gemeint oder gut gemacht?

Frauen-Netzwerke werden von vielen Unternehmen als besonders progressive Maßnahme zur Förderung von Frauen in Führungspositionen präsentiert. Eine Studie von Karin Kreutzer (EBS Universität für Wirtschaft und Recht), Patricia Hein (Ivey Business School) und Maikki Diehl (Aalto University) zeigt, dass Frauen-Netzwerke tatsächlich Empowerment fördern können. [4]

Problematisch wird es allerdings, wenn Unternehmen Netzwerke vor allem nutzen, um Frauen an bestehende, häufig männlich dominierte Strukturen anzupassen:

Dann können sie paradoxerweise subtile Diskriminierung („benevolent sexism“) reproduzieren, indem sie Frauen als unterstützungsbedürftig adressieren, statt strukturelle Ungleichheiten zu hinterfragen.

Wirksam sind Frauen-Netzwerke laut Studie hauptsächlich dann, wenn sie:

  • auf konkrete Ergebnisse statt Symbolik setzen
  • zukunftsorientiert arbeiten
  • Hierarchien abbauen
  • Frauen echte Gestaltungsmacht geben

Frauen-Netzwerke sind kein Reparaturinstrument für individuelle Defizite. Sie funktionieren, wenn sie als Hebel für strukturellen Wandel genutzt werden.

Typische Fehler im Female Employer Branding

Trotz guter Absichten scheitern viele Initiativen an denselben Punkten:

  • Klischeehafte Ansprache
  • Tokenismus statt echter Teilhabe
  • Fehlende interne Substanz hinter externen Botschaften
  • Symbolpolitik ohne strukturelle Veränderungen

Employer Branding beginnt im Inneren. Wer Sicherheit und Zusammenhalt kommuniziert, muss diese Werte tatsächlich leben. Andernfalls wirkt jede Kampagne unglaubwürdig.

Diverse Teams sind erfolgreicher

Es lohnt sich für Unternehmen, mehr zufriedene Frauen im Team und in Führungspositionen zu haben: Studien zeigen, dass gemischte Teams nicht nur ausgewogenere Entscheidungen treffen, sondern auch wirtschaftlich erfolgreicher sind. Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Topmanagement sind bis zu 25 % effizienter – ein klarer Wettbewerbsvorteil. Dennoch sind Frauen in Führungsrollen noch immer unterrepräsentiert, obwohl sie fast die Hälfte der Hochschulabsolvent:innen stellen. Die Gründe dafür sind vielfältig: von unbewussten Vorurteilen über fehlende Karrierechancen bis zu mangelnder Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Mehr zum Thema: Unternehmenskultur: Diverse Teams sind erfolgreicher

Fazit: Authentizität als Schlüssel

Frauen suchen keine Sonderbehandlung – sie suchen ein Arbeitsumfeld, das von Respekt, Stabilität und echter Teamkultur geprägt ist. Unternehmen, die diese Faktoren ernst nehmen und transparent kommunizieren, stärken ihre Arbeitgebermarke nachhaltig.

Female Employer Branding ist kein kurzfristiger Trend. Es ist Ausdruck einer modernen, glaubwürdigen Unternehmenskultur. Und genau diese Kultur entscheidet zunehmend darüber, wer im Wettbewerb um Talente überzeugt.

Susanne Glück, Geschäftsführung, IQB Career Services
Autorin
Susanne Glück

Susanne Glück beschäftigt sich seit rund 115 Hundejahren mit Recruiting- und Employer-Branding-Plattformen für Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Als Geschäftsführerin der IQB Career Services kennt sie Recruiting-Prozesse sowohl aus Arbeitgeber:innen- als auch aus der Service-Perspektive eines Recruiting-Dienstleisters. In ihrer Freizeit geht sie am liebsten mit ihren zwei Shar Peis (Chinesische Faltenhunde – aus dem Tierschutz) spazieren.